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Microsoft Build 2016: Vorschau von Visual Studio 2016 veröffentlicht

Highlights in der kommenden Version von Microsofts Entwicklungsumgebung sind ein schlankeres Setup, Verbesserungen beim Debugging und mehr Eingabeunterstützung für JavaScript.

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BUILD 2016: Microsoft veröffentlicht Vorschau von Visual Studio 2016

Microsoft hat heute im Rahmen der BUILD-Konferenz 2016 eine erste Vorschau der nächsten Version der integrierten Entwicklungsumgebung Visual Studio veröffentlicht. Wie in den letzten Jahren üblich verwendet Microsoft bisher als vorläufigen Namen die interne Versionsnummer 15. Der endgültige Produktname wird wohl Visual Studio 2016 sein. Obwohl Microsoft ihn nicht offiziell verkündet hat, fand er sich kurzfristig in einem Github-Dokument, das inzwischen jedoch vorsorglich korrigiert wurde.

Auf der für jedermann öffentlichen Download-Seite für das nächste Visual Studio bietet Microsoft neben dem klassischen Setup-Programm ein neues Verfahren an, das schneller arbeitet. Nach dem Bestätigen der Lizenzbedingungen erscheint tatsächlich nur kurz die Meldung "Give us a minute, we'll be done soon". Danach ist die Entwicklungsumgebung aber noch nicht installiert: Es folgt ein Auswahlfenster, in dem aktuell lediglich .NET (nur Desktop- und Konsolen-Anwendungen), C++, Python und Unity wählbar sind. Je nach gewählten Optionen beträgt der Installationsumfang dann 322 MByte bis 1,2 GByte. Microsoft hatte bereits letztes Jahr angekündigt, dass die Installationszusammenstellung über ein Microsoft-Konto und die Microsoft-Cloud auf andere Rechner übertragbar sein wird.

Das neue Setup-Menü in Visual Studio 2016 ist für die Basisinstallation sehr übersichtlich



Laut Microsoft können Entwickler ab sofort Preview-Versionen von Visual Studio problemlos Seite an Seite mit bestehenden Installationen auf einem PC verwenden und somit vermeiden, dass Arbeiten an aktuellen Projekten beeinträchtigt werden.

Als "Projectless source code editing" und "Any Code" bezeichnet Microsoft die Möglichkeit, Dateisystemordner mit Quellcode direkt per "File/Open/Folder" zu öffnen, ohne dass es dafür eine Projektdatei gibt. Dabei steht nicht nur der Code-Editor, sondern auch das Debugging zur Verfügung. Im Projektmappen-Explorer können die Anwender zwischen der bisher bekannten Projektansicht und einer rohen Sicht auf das Dateisystem ("Folder View") umschalten.

C#-Entwickler können bereits erste neue Sprachfunktionen aus C# 7.0 ausprobieren, auch wenn diese Sprachversion noch in Arbeit ist. Unterstützt werden Nested Local Functions, Pattern MatchingExtensions und Ref Returns.

.NET-Programmcode können Nutzer schon seit Langem während des Debuggings ändern, ohne den Programmfluss zu beenden und die Anwendung neu zu starten. Diese Edit&Continue-Funktion dehnt Microsoft nun auch auf die Oberflächenbeschreibungssprache eXtensible Application Markup Language (XAML) aus, sodass Entwickler direkt die Auswirkung von Änderungen beobachten können. Das neue Feature funktioniert jedoch anfangs lediglich für Windows 10 Universal Apps – und nur bei Verwendung des neusten "Insider Release" von Windows 10. Ob das Feature für klassische Desktop-Entwickler, die mit XAML in der Windows Presentation Foundation (WPF) arbeiten, nachgerüstet wird, bleibt offen.

Eine weitere Verbesserung im Debugger ist die Option, die Verhaltenseinstellung bei Laufzeitfehlern an Bedingungen zu binden. Aktuell ist jedoch nur eine Bindung an den Modulnamen möglich, wie folgende Abbildung zeigt:

Neue Einstellungen für die Laufzeitfehlerbehandlung beim Debugging

Für JavaScript-Entwickler versucht Microsoft alle Jahre wieder, die IntelliSense-Eingabeunterstützung zu verbessern, was aufgrund der schwachen Typisierung schwierig ist. Der neueste Ansatz verwendet TypeScript-Typdefinitionsdateien, auch wenn ein Entwickler gar nicht TypeScript benutzen will. Die Definitionen dienen dann nur zur Entwicklungszeit in Visual Studio dazu, die Eingabeunterstützung anzubieten. Basis dafür ist ein neuer JavaScript Language Service mit dem Projektnamen "Salsa".

Bei der Integration von Visual Studio mit dem Team Foundation Server (TFS) setzt Microsoft immer mehr auf den Browser. In Verbindung mit dem TFS-Cloud-Dienst Visual Studio Team Services kann der Softwareentwickler Work Items nicht mehr in Visual Studio bearbeiten. Stattdessen öffnet sich die entsprechende Webseite im Browser. Zudem unterstützt das kommende Visual Studio die 2016er Versionen des Microsoft SQL Server und von Microsoft SharePoint.

Einen Erscheinungstermin für Visual Studio 2016 hat Microsoft noch nicht bekanntgegeben. Mutmaßlich wird die neue Version der Entwicklungsumgebung aber in dieser Jahresmitte zusammen mit dem "Anniversary Update" von Windows 10 erscheinen.

(Holger Schwichtenberg) / (rme)