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Modulsystem für Java steht auf der Kippe

Die große Mehrheit der im Java Community Process stimmberechtigten Parteien haben sich gegen Oracles derzeitigen Stand der Entwicklungen am Java Platform Module System ausgesprochen.

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Der gegenwärtige Entwicklungsstand des Java Platform Module System (JPMS) hat in der Abstimmung im Rahmen des Public Review Ballot erst mal keine Mehrheit erhalten. Oracle, das der Entwicklung des für Java 9 vorgesehenen Modulsytems für die Programmierplattform vorsteht, hat nun rund einen Monat Zeit, den zuständigen JSR 376 (Java Specification Request) zu überarbeiten, woraufhin dann das Expertengremium innerhalb des Java Community Process (JCP) erneut über Jigsaw abstimmen wird. Sollte Jigsaw, so der Projektname des Projekts zur Modularisierung, erneut nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit erreichen, heißt es laut den Regeln des JCP, dass eine Weiterentwicklung des JSR gestoppt werden müsse, was zugleich das Scheitern des Project Jigsaw bedeuten würde.

In der gestern zu Ende gegangenen Abstimmung haben sich nur zehn der 23 stimmberechtigten Parteien für Oracles Vorschlag ausgesprochen. Fürsprecher sind neben Oracle Azul Systems, Gemalto M2M, Goldman Sachs, MicroDoc, Intel, NXP Semiconductors, V2COM, Fujitsu Limited und die brasilianische Java User Group SouJava. Zu den ablehnenden Parteien gehören Hewlett Packard Enterprise, Tomitribe, SAP, Twitter, Eclipse Foundation, Software AG, Hazelcast, die London Java Community, Ivar Grimstad, Werner Keil, vor allem aber Red Hat und IBM, die zuletzt maßgeblich das Java Platform Module System kritisiert hatten.

Viele, zu viele rote Häkchen bei der Abstimmung zum JSR 376

In der Kritik von Red Hat und IBM hieß es, dass Jigsaw erfolgreich bei der Modularisierung von Java selbst funktioniert habe, aber in "echten" Anwendungsszenarien weitgehend ungeprüft wäre. Viele existierende Java-Anwendungen seien unter Jigsaw nicht möglich oder würden erhebliche Architekturanpassungen erfordern. Letzte Woche hatte Mark Reinhold, der die Entwicklung der Java Standard Edition bei Oracle verantwortet, die stimmberechtigten Mitglieder des JSR dazu aufgefordert, sich für seinen Vorschlag auszusprechen. Ein "Nein" stelle den Java Community Process an sich in Frage, so lehnte sich Reinhold weit aus dem Fenster.

Des Weiteren warf er Red Hat vor, schon länger die Arbeiten am JSR zu boykottieren. Der Middleware-Experte sei nur an einem Meta-Modulsystem für andere Modulsyteme wie den eigenen Ansatz in JBoss und Wildfly interessiert. Reinhold zeigt sich daher von der Ablehnung Red Hats nicht überrascht. Im Gegensatz zur jüngsten Kritik seitens IBM: Der Konzern habe sich lange Zeit dezent bei den Entscheidungen zurückgehalten. Die speziellen Vorbehalte von Big Blue wären schon viel früher diskutiert worden; IBM habe sich damals aber nicht zu Wort gemeldet. Das "Nein" des Unternehmens geschehe deswegen nur aus Eigeninteresse, um das Release von Java 9 zu verzögern, so Reinhold. Dafür spreche auch, dass sich IBM hinter der Bemerkung verstecke, dass ein größerer Konsens innerhalb der Expertengruppe anzustreben sei – ein Argument übrigens, dass viele der JSR-Mitglieder jetzt auch als eines ihrer Argumente für ihre Ablehnung formuliert haben.

Diese schließen jetzt auch nicht aus, dass sie in einem nächsten Schritt der Standardisierung ihren Segen geben würden, insofern sich die streitenden Parteien an einen Tisch setzen und zu einer mehr gemeinsamen Lösung zusammenfinden.

Java 9, dessen wichtigstes neues Feature das Modulsystem ist, soll Ende Juli fertiggestellt sein. Der Release-Termin scheint nun erst mal fraglich zu sein. Denn nach Abschluss des Public Review Ballot folgen noch weitere Schritte in der Spezifizierung, die vermutlich auch noch ihre Zeit benötige. Aber erst mal schwebt das Damoklesschwert grundsätzlich über dem Project Jigsaw. Auf Anfrage von heise Developer bei einem deutschen Oracle-Vertreter heißt es, dass man "in Kürze mehr dazu von Mark Reinhold hören" werde.

Siehe dazu auf heise Developer:

(ane)