MongoDB: Mitgründer und CTO Horowitz kündigt Rückzug an

Datenbanken kamen ihm in die Quere – Eliot Horowitz entwickelte als Alternative MongoDB. Nun will er sich neuen Projekten widmen.

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(Bild: Tommy Lee Walker / Shutterstock.com)

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Eliot Horowitz, der CTO und Mitbegründer von MongoDB, hat seinen Rückzug aus dem Projekt und gleichnamigen Unternehmen zum 10. Juli 2020 angekündigt. Das Projekt habe alle technischen Ziele erreicht und sei bei den Nutzern etabliert, sodass jetzt das MongoDB-Team voll übernehmen könne, schreibt Horowitz.

Frust über unflexible Datenbanken sei steter Begleiter seiner Studentenzeit gewesen: "Datenbanken kamen mir immer wieder in die Quere", sagt der CTO, "oft zum Verrücktwerden." Er und sein Projektpartner Dwight Merriman begannen deswegen, an Alternativen zu experimentieren. 2007 starteten sie mit der Entwicklung der NoSQL-Datenbank als skalierbare Alternative zu relationalen Datenbanken.

Die Bezeichnung MongoDB leitet sich von "humongous" ab, was "gigantisch" heißt: MongoDB ist eine dokumentorientierte, in C++ geschriebene Datenbank, die JSON-artige Dokumente verwaltet und über Indizierung Ad-hoc-Abfragen erlaubt. Die Verkehrssprache der Datenbank ist JavaScript, Sprachen wie Go, C und Python können eingebunden werden. Ein wichtiger Unterschied zu relationalen Datenbanken ist die Schemafreiheit. Statt eines Typs von Beziehung gibt es zwei: reference und embedded.

Daten lassen sich in MongoDB natürlich modellieren: Datenbankeinträge werden in Collections gesammelt, die Datentypen können sich voneinander unterscheiden – auch in derselben Collection. Eingebettete Objekte können in komplexen Hierarchien verschachtelt werden und bleiben dabei dennoch immer abfragbar und indizierbar. Die Abfragen finden in JSON statt.

Nutzer können die MongoDB über eine Shell mit Kommandozeilen oder über grafische Oberflächen ansprechen. Anders als bei monolithischen SQL-Datenbanken kann der Datenbestand auf mehrere Server verteilt sein. Zudem sind Erweiterungen für Sicherheit, Integration und Analyse (auch BI-Anwendungen) vorhanden, sodass sich MongoDB auch in großen Anwendungen einbinden lässt.

"Daten sollten so gespeichert werden, wie Sie es sich vorstellen, damit zu arbeiten", erläutert Horowitz seinen Ansatz bei MongoDB. "Datenbanken sollten horizontal skalierbar sein und wie alle anderen Teile ihrer Anwendungen global verteilt werden können. Änderungen sind unvermeidlich, und Iterationen sind wichtiger als die Antworten im Voraus zu wissen."

Die Urversion der MongoDB war zunächst nur eine Komponente innerhalb eines größeren PaaS-Produkts. 2009 wurde sie unter der GNU-Lizenz zu Open Source. 2017 ging MongoDB Inc. an die Börse, im Oktober 2018 wechselte das Unternehmen zu einer eigenen Open-Source-Lizenz. Ob diese als offen oder proprietär anzusehen ist, darüber scheiden sich die Geister: Debian, Fedora und Red Hat haben MongoDB als Reaktion aus ihren Linux-Distributionen entfernt, wo es zuvor fester Bestandteil gewesen war.

Hintergrund des Lizenzwechsels war, dass Cloud-Anbieter, die MongoDB gratis nutzten, versucht hatten, kommerzielle Angebote darauf aufzusetzen – ohne etwas an die Community zurückzugeben. Mit der Server Side Public License (SSPL) zwingt das Unternehmen solche Anbieter, den gesamten Quellcode offenzulegen. 2019 ging MongoDB eine Kooperation mit der Alibaba-Cloud ein.

Laut Horowitz hat MongoDB die Datenbank-Landschaft dauerhaft verändert: Dokumentbasierte Modelle in der Art, wie Programmierer denken, und verteilte Datenbanken sind in seiner Vision der kommende Standard.

MongoDB kann aus dem Heise-Downloadbereich frei heruntergeladen werden. (sih)