Neues Roadmap-Update für Java: Sag zum Client leise Servus

Nach den jüngsten Plänen soll auch Java Web Start nicht mehr Bestandteil von Java 11 sein. Damit verschwindet nach Applets die zweite Art der Verteilung von Java-Anwendungen auf dem Client.

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Neues Roadmap-Update für Java: Sag zum Client leise Servus
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Oracles jüngstes Java Client Roadmap Update sieht weitere Pläne vor, sich von Java auf dem Desktop und im Browser zu verabschieden. Applets hatte Oracle bereits 2016 abgekündigt. In der Empfehlung zur Umsetzung von Java auf dem Desktop hieß es seinerzeit, Entwickler sollten als Alternative auf Java Web Start setzen. Nach den aktuellen Plänen wird das vor Kurzem veröffentlichte Java SE 10 das Letzte sein, das Web Start enthält.

Seit 2001 ist Web Start Bestandteil des Java Runtime Environments (JRE) als eine der beiden Methoden zum Verteilen von Java-Anwendungen auf dem Client neben Java Applets. Dass Anwendungen, die auf Java Web Start setzen, ein JRE auf dem Client benötigen, ist für Oracle wohl der wichtigste Grund, sich von der Technik zu verabschieden. Auf allen Plattformen sei es inzwischen üblich, Anwendungen mit integrierten Laufzeitumgebungen zu veröffentlichen – vorzugsweise über passende Stores.

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Daher wird Oracle laut der Roadmap Web Start nicht in das für September geplante Java SE 11 einbeziehen. Im Gegenzug wird es als Bestandteil von Java SE 8 einen verlängerten Support erhalten, der mindestens bis März 2025 gehen soll. Entwickler will Oracle zureden, sich von Web Start zu verabschieden. Nichtkommerzielle Nutzer will das Unternehmen dazu anregen, ungenutzte JRE-Installationen vom Desktop zu entfernen. Entwickler, die Desktopanwendungen auf Basis von Web Start wie Spiele veröffentlichen, müssen vor Ende 2020 auf andere Deployment-Methoden wie jlink zum Erstellen eines angepassten Laufzeit-Image wechseln.

Für Entwickler, die interne Anwendungen im Unternehmen entwickeln, gibt es kommerzielle Lizenzen. Auch hier empfiehlt Oracle jedoch den Wechsel auf andere Methoden, was langfristig der einzig gangbare Weg sein dürfte.

Die Abkündigung von Java Web Start passt zu Oracles allgemeiner Strategie, sich von Java auf dem Client zu verabschieden. So enthält die Roadmap auch den Hinweis darauf, dass ein Großteil der clientseitigen Anwendungen inzwischen auf Mobile First native Methoden und Webinterfaces in HTML5 und JavaScript setzen. Dass native Android-Anwendungen größtenteils in Java geschrieben sind, steht auf einem anderen Blatt, da Googles Verwendung der Programmiersprache in den vergangenen Jahren vor allem zu juristischen Auseinandersetzungen mit Oracle geführt hat, und das Android SDK unabhängig von der aktuellen Entwicklung von Java SE ist.

Das bevorstehende Ende von Java Web Start passt auch dazu, dass Oracle vor Kurzem angekündigt hat, JavaFX ab aus dem JDK ebenfalls ab Version 11 auszugliedern. Nach den ursprünglichen Plänen sollte das Framework Swing als Client-UI-Bibliothek ablösen. Nun hat Letztere JavaFX sozusagen überlebt, da es ebenso wie das AWT (Abstract Window Toolkit), das bereits im ersten Java-Release enthalten war, zumindest in Java SE 11 erhalten bleibt. (rme)

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