Menü
Developer

Österreichischer Bundeskanzler würdigt Entwickler als "Arbeiter an einer besseren Welt"

3800 Entwickler – damit ist die WeAreDevelopers-Konferenz in Wien zur vermutlich größten europäischen Entwicklerveranstaltung geworden. Da verwundert es nur geringfügig, dass mit Christian Kern hoher Besuch bei der Eröffnung mitwirkte.

vorlesen Drucken Kommentare lesen 6 Beiträge

Auf der heute und morgen in Wien stattfindenden IT-Konferenz WeAreDevelopers hat der österreichische Bundeskanzler Christian Kern die anwesenden Entwickler als "Arbeiter an einer besseren Welt" gewürdigt.

Die zum dritten Mal ausgerichtete Konferenz ist in diesem Jahr bei den Teilnehmerzahlen geradezu explodiert. Startete man vor zwei Jahren mit 350 Teilnehmern, berichten die Organisatoren, dass dieses Mal 3800 Besucher die Veranstalter besuchen, was zum Leid vieler Teilnehmer zu ellenlangen Schlangen und überfüllten Vorträgen führt. Bekannte Redner der nun vermutlich größten Softwarekonferenz in Europa sind Stack-Overflow- und Trello-Mitgründer Joel Spolsky, PHP-Schöpfer Rasmus Lerdorf und der aus Österrreich stammende Fastlane-Entwickler Felix Krause.

Wohl auch angesichts der Massen hat es sich zumindest Kern nicht nehmen lassen, vor Ort zu erscheinen und der Entwicklerzunft einen größeren Einfluss auf das Weltgeschehen zu bescheinigen, als es heute die Politik habe. Man befinde sich infolge von Globalisierung und Digitalisierung in einer Zeitenwende, die gesellschaftliche, politische und soziale Auswirkungen mit sich bringe, die aber auch Ängste mit bringe und die Tatsache, dass sich so mancher – mit Hinweis auf rechtspopulistische Kreise – ausgeschlossen fühle. Auch dass ein "Reality-Soap-Darsteller" in den Vereinigten Staaten Präsident werden oder Emmanuel Macron kürzlich in Frankreich eine politische Wende habe herbeiführen können, Dinge, die vor einem Jahr nicht vorstellbar gewesen wären, sind für Kern Ausdruck einer disruptiven Zeit.

Nach dieser Verortung von IT und Politik ging der Bundeskanzler konkreter auf den Background der Teilnehmer ein. Er war sichtlich von der Entwicklerszene beeindruckt: "Gestern war ein merkwürdiger Tag, weswegen ich mich nicht wirklich vorbereiten konnte", nahm Kern Stellung zum Rücktritt von ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner. "Aber ich bin wirklich beeindruckt von dem, was ich bisher gesehen habe. Ihr tragt wirklich viel zu unserem Land bei, deswegen vielen Dank dafür."

Kern beobachtet für Österreich gesprochen, dass Start-ups, unter denen IT-Unternehmen bekanntlich einen großen Anteil ausmachen, 40 Prozent der neuen Jobs im letzten Jahr für sich verzeichnen konnten. Sein Land sei auf dem Weg zum Musterschüler in der Europäischen Union und nicht mehr nur ein Nachzügler. Folglich sieht Kern eine Wiederkehr des Optimismus, die daher rühre, dass man sich nicht mehr auf den Rezepten der Vergangenheit verlasse.

Von der Weltklasse sei man noch weit entfernt, doch gebe es – mit Blick auf die Teilnehmer der Konferenz – Zeichen dafür, dass das Talent in Österreich zurück wäre. Kern versprach, die MINT-Bereiche weiter zu fördern, sei es an der Schule, sei es an den Hochschulen, aber auch durch staatliche Anschubfinanzierung für Start-up- und aufstrebende IT-Unternehmen.

Dass Österreich ein Standort mit Perspektive sei, macht Kern anhand zweier Beispiele fest. So habe der deutsche Pharmakonzern Boehringer Ingelheim erst kürzlich beschlossen, mit dem Bau eines neuen Werkes in Wien den österreichischen Standort auszubauen – hierbei geht es wohl um 700 Millionen Euro. Als zweites Beispiel nannte er den zu Volkswagen gehörenden LKW-Hersteller Steyr MAN, der kürzlich einen Elektro-Lastkraftwagen vorgestellt hatte. Deren Investment wäre auch deswegen hoch zu bewerten, weil anzunehmen sei, dass sich kleinere Unternehmen um die großen scharen werden. (ane)