Oracle: Apache soll Java-Position überdenken

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Der IT-Konzern Oracle sieht den Aufruf der Apache Software Foundation (ASF) an andere Vorstandsmitglieder des Java Community Process (JCP), gegen Oracles Vorschlag für einen Standard für das derzeit entwickelte Java 7 zu stimmen, als Ursache möglicher weiterer Verzögerungen der Entwicklung. Don Deutsch, Vice President of Standards and Architecture bei Oracle, fordert die Open-Source-Organisation dazu auf, "ihre Haltung zu und Arbeit mit Oracle und der Community insgesamt zu überdenken, um gemeinsam Java voranzutreiben".

Die Apache Software Foundation hatte vorige Woche ihre Wiederwahl in den JCP-Vorstand zum Anlass genommen, Oracles Umgang mit der Lizenzvergabe der Test Compatibility Kits (TCKs) für die Java Standard Edition zu kritisieren. Die ASF drohte, ihre Beteiligung im JCP zu beenden, sollte Oracle den restriktiven Kurs nicht ändern. Die Lizenzen benötigen freie Java-Implementierungen wie Apaches Harmony, um eine vollständige Java-Zertifizierung zu erlangen.

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Apache-Vertreter weisen immer wieder darauf hin, dass insbesondere die "Field of Use"-Restriktion gegen die Bedingungen des originalen Java Specification Participation Agreement (JSPA) verstoße. Durch sie könne Harmony nicht unter einer Open-Source-Lizenz vertrieben werden. Im Agreement heißt es hingegen, dass ein Spezifikationsleiter nicht einen Lizenznehmer dabei hindern dürfe, eine unabhängige Implementierung zu entwickeln oder zu verteilen. Auch dürfe er sich nicht weigern, eine mit einer Spezifikation kompatiblen Implementierung ohne Gebühren zu lizenzieren. Laut Deutsch stelle Oracle jedoch die TCK-Lizenzen unter "fairen, angemessenen und nicht diskriminierenden Bedingungen zur Verfügung", und zwar konform zu den Auflagen des JSPA.

Die Foundation antwortete auf Oracles Aufruf zur Mitarbeit und Fortentwicklung von Java gestern Abend knapp: "Ihr seid dran. Respektiert das Abkommen." Die Open-Source-Organisation verlinkt in der kurzen Botschaft einen offenen Brief an Sun aus dem Jahre 2007, als sie erstmals die Lizenzierungsauseinandersetzung thematisiert hatte.

Oracles Kurs in der Lizenzierung der TCKs stellt eine andere Position dar als noch zu Zeiten, als der Konzern Sun noch nicht besessen hatte. Als JCP-Mitglieder 2007 gefordert hatten, dass die Lizenzen zu einem späteren Zeitpunkt ohne "Field of Use"-Restriktion vergeben werden sollten, hatte Deutsch als Oracle-Repräsentant das begrüßt. Im Oktober dieses Jahres gab Oracle dann in einem JCP-Meeting in Bonn bekannt, die TCK-Lizenzen auch weiterhin nicht dem Harmony-Projekt zu geben. Das wurde dann von IBM als eine Begründung angegeben, die Beteiligung an dem Projekt einzustellen und fortan Oracles OpenJDK zu unterstützen. (ane)

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