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RAD Studio 10.2 hat einen Delphi-Compiler für Linux an Bord

Die LLVM-basierte Engine ermöglicht in der Enterprise Edition das Kompilieren auf die 64-Bit-Plattform. Außerdem gibt es einige Verbesserungen für C++-Entwickler und zur plattformübergreifenden Gestaltung von Benutzeroberflächen mit FireMonkey.

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RAD Studio 10.2 hat Delphi-Compiler für Linux an Bord

Embarcadero hat RAD Studio 10.2 veröffentlicht, das diesmal den Beinamen Tokyo trägt, nachdem die Vorgänger Berlin (10.1) beziehungsweise Seattle (10) hießen. Die wesentliche Neuerung ist die bereits seit geraumer Zeit entwickelte Linux-Unterstützung. So nannte Atanas Popov, General Manager of Application Developerment Tools Business bei Embarcadero, im Gespräch mit heise Developer vergangenen Sommer, einen Delphi-Compiler für Linux als wichtiges Ziel zur Weiterentwicklung der Toolsuite.

Das neue RAD Studio hat nun ebenso wie Delphi 10.2 jeweils ab der Enterprise-Edition einen LLVM-basierten Compiler an Bord, der Delphi-Code für 64-Bit-Linux-Plattformen übersetzt. Im Fokus stehen dabei eindeutig Serveranwendungen, was sich in den offiziell unterstützten Distributionen zeigt, bei denen der Blogbeitrag Ubuntu Server und RHEL (Red Hat Enterprise Linux) nennt.

Linux ist zudem zwar Zielplattform, aber eine Linux-IDE existiert nicht. Die Laufzeitumgebung (RTL) unterstützt Threading und bietet Zugriff auf das Linux-Dateisystem und auf verschiedene Bibliotheken unter anderem für REST und HTTP. Die Datenbank-Engine FireDAC kann wohl mit allen gängigen Linux-Datenbanksystemen mit Ausnahme von Informix zusammenarbeiten.

Aber auch jenseits von Linux gibt es einige nennenswerte Neuerungen. So hat das plattformübergreifende grafische Framework FireMonkey eine erweiterte TMultiView-Komponente an Bord, und die Objekte TBitmap, TCanvas und TContext3D lassen sich in mehreren Threads gleichzeitig verwenden. Außerdem existieren neue Stilvorlagen für macOS und Android. iOS-Entwickler finden neue Eigenschaften zur Steuerung der Systemstatuszeile.

C++ Packages für die mobilen Plattformen iOS und Android linkt RAD Studio neuerdings statisch. Der C++-Compiler kann nun Android-Anwendungen ohne bestimmte Versionen des NDK (Native Development Kit) erzeugen. Außerdem hat das Team den C++-Linker maßgeblich überarbeitet. Neben einer verbesserten Ressourcenbehandlung ist vor allem die Speicheranpassung zu nennen: Statt 2 GByte kann er nun 4 GByte Arbeitsspeicher verwenden. Außerdem gibt es wohl Qualitätsverbesserungen beim Exception-Handling im Zusammenhang mit Speicherlecks.

Weitere Neuerungen von RAD Studio 10.2 finden sich in der Übersicht. RAD Studio kostet für neue Nutzer ab 3500 Euro, Delphi und C++Builder jeweils ab 2000 Euro. Wer den Linux-Compiler möchte, benötigt jeweils die Enterprise-Variante, für die etwa 5200 Euro (RAD Studio) beziehungsweise 4330 Euro (Delphi) zu Buche schlagen. Die Starter Editions (ohne Linux-Compiler) von Delphi und C++Builder sind inzwischen ebenso kostenlos verfügbar wie der klassische Borland-C++-Compiler BCC32C und der REST-Debugger. (rme)