Radikaler Rückzug: O'Reilly steigt aus dem Geschäft mit Präsenzkonferenzen aus

Nach 23 Jahren beendet O'Reilly überraschend seine Live-Events. Konferenzen wie die OSCON, Velocity und Strata Data hatten für die Branche Maßstäbe gesetzt.

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(Bild: PHOTOCREO Michal Bednarek/Shutterstock.com)

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Der internationale Computerbuchverlag O'Reilly (USA) hat überraschend einen Schlussstrich bei seinem Geschäftsfeld mit Präsenzkonferenzen gezogen. Geschäftsführerin Laura Baldwin begründet die Entscheidung mit den aktuellen Umständen der Corona-Pandemie, die das Konferenzgeschäft wirtschaftlich unwägbar gemacht hätten.

Für das erste Halbjahr 2020 betrifft diese Unsicherheit weltweit alle Anbieter von Technologiekonferenzen gleichermaßen. Vom Mobile World Congress in Barcelona über die Microsoft Build und KubeCon Amsterdam bis zur JavaLand-Konferenz in Deutschland mussten Konferenzen und Workshops abgesagt werden. Teils sind die Veranstaltungen ersatzlos ausgefallen, teils sollen sie nachgeholt und digital flankiert oder sogar im digitalen Raum kompensiert werden.

O'Reillys Schritt fällt jedoch um einiges radikaler aus, da das Unternehmen sich mit sofortiger Wirkung auch für die Zukunft von sämtlichen Präsenzveranstaltungen trennt. Das betrifft selbst die bereits für September geplante Strata Data & AI Conference, so ein auf ZDNet zitiertes Rundschreiben von Rachel Roumeliotis, Vice President of Content bei O'Reilly. Auf der Events-Website von O'Reilly (USA) sind die Veranstaltungen mit heutigem Stand unterdessen noch online.

O'Reilly richtet seit 1997 namhafte Technologie-Konferenzen aus, begonnen mit der ersten Perl-Konferenz (TPF), die später in die Open Source Software Conference (OSCON) integriert wurde. Verlagsgründer Tim O'Reilly hatte das Unternehmen 1978 als Beratungsunternehmen gegründet, das Buchgeschäft entstand als Ableger aus dem Verlegen technischer Handbücher für Großkunden. Die bekannte "In-a-Nutshell"-Reihe ging beispielsweise daraus hervor.

Heute ist O'Reilly einer der führenden EDV-Buchverlage, allerdings mit zunehmendem Fokus auf digitalen Inhalten. Die deutsche Buchsparte von O'Reilly wird seit 2015 beim zur Heise-Gruppe gehörenden dpunkt.verlag verlegt.

Ganz aus dem Konferenzgeschäft aussteigen wolle man nicht, ist dem Rundschreiben von Laura Baldwin zu entnehmen. Man fokussiere sich auf das neue Kerngeschäft mit digitalen Inhalten. Bemerkenswert ist dies, da O'Reilly einer der Vorreiter der Branche in Sachen physischer Präsenzkonferenzen war und mehrere große Formate angeboten hat. Die OSCON war etwa ein wichtiger Treffpunkt für die internationale Open-Source-Community, genauso wie Strata Data & AI Conference Leuchtturmcharakter im Umfeld von Big Data und Machine Learning hatte. (sih)