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React bekommt doch neue Lizenz

Nachdem Facebook mehrere Male erklärt hatte, nicht von seiner "BSD+Patents"-Lizenzierung abrücken zu wollen, bekommen zentrale Open-Source-Projekte des Unternehmens nun wahrscheinlich doch eine neue Lizenz, um Nutzer nicht zu vergraulen.

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React bekommt doch neue Lizenz

In der letzten Septemberwoche sollen die JavaScript-Bibliothek React, das Unit-Testing-Tool Jest, das Flow-Projekt zur statischen Typisierung von JavaScript und Immutable.js mit der MIT-Lizenz ausgestattet werden. Durch den Schritt rückt Facebook für diese Werkzeuge von seiner lang verteidigten Kombination aus einer BSD-Lizenz mit zusätzlicher Patentklausel ab. Diese war vor allem in die Diskussion gelangt, nachdem die Apache Foundation sich gegen die Verwendung entsprechend lizenzierter Produkte in bei ihr beherbergten Projekten ausgesprochen und "BSD+Patents" in Kategorie X der nicht willkommenen Lizenzen verschoben hatte. Als Reaktion darauf war bereits RocksDB auf die Apache-2- und GPL-2-Lizenz umgestiegen, für React etwa galt allerdings bis zuletzt die Ansage, dass man hier nicht Abstand nehmen werde.

In der nun veröffentlichten Erklärung entschuldigt sich Facebooks Engineering Director Adam Wolff bei den Teams, die sich durch das Durcheinander der letzten Wochen zum Ausweichen auf andere Projekte gezwungen sahen. Man erwarte nicht, sie auf diese Weise zurückerobern zu können, allerdings solle so wenigstens die Tür dafür offen bleiben, zumal Wettbewerb und Kooperation alle voranbringen würden. Laut Wolff sei React Grundlage eines breiten Open-Source-Ökosystems, dessen technischen Fortschritt man nicht durch nicht-technische Gründe aufhalten wolle, weshalb man den Wechsel vollzöge. Das ebenfalls für Ende September 2017 geplante Release von React 16 soll die erste Veröffentlichung unter MIT-Lizenz sein.

Die Neulizenzierung ist allerdings nicht so zu deuten, dass Facebook auf einmal nicht mehr an seine bewährte Kombination glaubt – deswegen werde eine Reihe von Projekten auch erst einmal dabei bleiben. Vielmehr sieht das Unternehmen das Problem darin, der Community die Vorzüge der alten Lizenz nicht gut genug erklärt zu haben. Unbehagen bereitete der Apache Foundation die Ergänzung Patente betreffend, die inkompatibel zur Apache License 2.0 ist und Facebook vor Patentklagen schützen soll. Diskussionen diesbezüglich führten im Juli 2017 zum Ausschluss entsprechender Abhängigkeiten in Apache-Projekten. Dies führte unter anderem bei CouchDB zu Missmut, da hier React zum Einsatz kommt. Erste Bitten an Facebook, von der Lizenz abzurücken, mündeten lediglich in einer Erklärung Wolffs, dass man das auch auf die Gefahr hin, Nutzer zu verlieren, nicht tun werde. Was genau für die Meinungsänderung gesorgt hat, ist derzeit nicht abschließend geklärt. (jul)