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Redis Labs schränkt freie Verwendung seiner quelloffenen In-Memory-Datenbank ein

Der Anbieter der gleichnamigen Datenbank hat einzelne Module seiner Software um Lizenzeinschränkungen ergänzt. Der Open-Source-Status geht dadurch verloren.

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Redis Labs schränkt freie Verwendung seiner quelloffenen In-Memory-Datenbank ein

Redis Labs hat für Teile seiner Datenbanksoftware, die unter der BSD-Lizenz veröffentlicht sind, ergänzende Klauseln eingeführt – die sogenannten Common Clauses. Die sollen zwar nicht den eigentlichen Charakter der Open-Source-Lizenzierung beschränken, untersagen aber die kommerzielle Vermarktung der Software im Rahmen kostenpflichtiger Dienstleistungen, beim Verkauf oder bei der Vermietung.

Damit erfüllen die Lizenzbedingungen aber nicht mehr die Anforderungen an Open Source, wie sie beispielsweise die Open Source Initiative (OSI) fordert. Das räumt auch Redis Labs ein, verteidigt die Entscheidung aber als notwendige Maßnahme, um die nach Einschätzung des Unternehmens missbräuchliche Vermarktung der Software durch Cloud-Provider künftig zu unterbinden.

Die geänderten Bedingungen betreffen die Module RediSearch, Redis Graph, ReJSON, ReBloom und Redis-ML, während der eigentliche Kern der Datenbank, Redis Core, davon unberührt bleibt, wie Yiftach Shoolman, Mitgründer und CTO von Redis Labs, in einem Blogbeitrag erläutert.

Die eigenen Kommerzialisierungsbemühungen von Redis Labs unter dem Label Redis Enterprise, die unter anderen Managed Services in Public und Private Clouds einschließen, verschaffen dem Unternehmen anscheinend nicht die erhofften Umsätze. Die Einführung der Common Clauses sind daher der Versuch, dem Dilemma vieler Open-Source-Anbieter zu entkommen, die zwar einen Großteil der Entwicklungsarbeit für ihre Software leisten, am kommerziellen Erfolg der Vermarktung aber nur eingeschränkt profitieren. Im Fall von Redis Labs richtet sich der Vorwurf gezielt an Cloud-Provider, die "Hunderte Millionen US-Dollar mit der Vermarktung von Redis-as-a-Service verdienen", sich offenbar aber nur wenig bis gar nicht an der Entwicklung des Sourcecode beteiligen.

Andere Open-Source-Anbieter haben sich in vergleichbarer Situation zu ähnlichen Maßnahmen entschlossen – beispielsweise zum Einsatz der Affero General Public License (AGPL), die Nutzer der darunter lizenzierten Software zumindest dazu verpflichtet, Code Contributions zu leisten. Redis Labs habe sich Shoolman zufolge aber gegen APGL entschieden, weil diese Lizenzvariante mit den internen Vorschriften einiger Großkunden unvereinbar sei und außerdem Cloud-Provider nicht daran hindere, Redis-Code für Managed Services zu nutzen. Auch komplett neue Lizenzierungswege wie sie Elastic oder MariaDB beschritten hätten, habe Redis Labs zugunsten eines bewährten Basisstandards verworfen. Stattdessen folgt das Unternehmen dem Vorbild von Neo4j. Der Anbieter der gleichnamigen Graphdatenbank hatte im Mai angekündigt, die unter AGPL veröffentlichte Neo4j-Enterprise-Edition um Common Clauses zu ergänzen.

Wie Neo4j sieht sich auch Redis Labs für diesen Schritt der Kritik aus der Open-Source-Community ausgesetzt. Auf Twitter beispielsweise meldet sich OSI-Präsident Simon Phipps mit dem Vorwurf zu Wort, die Lizenzergänzungen kämen dem Ende der Softwarefreiheit gleich. In verschiedenen weiteren Kommentaren spiegelt sich die Befürchtung wider, solche "plötzlich eingeführten" Lizenzeinschränkungen könnten vor allem das Vertrauen der Anwender in Open-Source-Software erschüttern. (map)