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Sapphire Now: Neue SAP-Chefs überarbeiten Strategie

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Auf der zeitgleich in Orlando, Florida, und Frankfurt am Main tagenden Sapphire Now 2010 haben die beiden neuen SAP-CEOs Bill MacDermott und Jim Hagemann Snabe die überarbeitete Strategie von Europas größtem Softwarehersteller vorgestellt. Die beiden Nachfolger hatten vor rund 100 Tagen ihr Amt angetreten, nachdem der unglücklich agierende frühere Chef Léo Apotheker von seinem Posten zurückgetreten war. Auf der Hausmesse lässt sich den beiden Neuen ein charmant daherkommender Enthusiasmus nicht absprechen. Für die Konzentration zurück auf eher technische Inhalte steht hierbei vor allem Hagemann Snabe, der seit 2008 die Verantwortung für die Technik- und Produktentwicklung trägt.

An der Spitze der SAP-Agenda stehen die Themen "Prozesse in Echtzeit", "Mobility" und "Nachhaltigkeit". Für ihre Umsetzung soll SAPs In-Memory-Technik in Verbindung mit der Expertise im Mobile-Umfeld sorgen, das die Walldorfer durch die geplante Übernahme von Sybase erhalten. Das untermauern markige Äußerungen McDermotts wie "mobility is the new desktop" und "leading companies have to be mobile companies". Auch wenn sich die neue Strategie auf die drei Säulen "On-premise" (klassische In-house-Anwendungen), "On-Demand" (Business by Design, Cloud) und "On device" (Mobile) stützt, bleibt der Fokus SAPs bei den Geschäftsanwendungen. SAP verpflichtet sich allerdings dazu, die Geschäftsprozess konsistent und komplementär über alle drei Auslieferungsmechanismen bereitstellen zu können – bei SAP heißt das dann "Orchestration". Jegliche SAP-Software werde im Hinblick auf ihre Konsistenz in unterschiedlichen Umgebungen entwickelt, betonte Hagemann Snabe.

Glücklich erscheint es, dass die beiden SAP-Chefs endlich die finale Freigabe der On-Demand-Business-Software Business by Design für Ende Juli dieses Jahres in Aussicht stellen können, die SAP in den letzten Jahren immer wieder verschieben musste. Sie wird zuerst in sechs Ländern eingeführt, und zwar in China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien und den USA. Rund 100 Pilotkunden haben laut SAP das lang erwartete Business by Design getestet. Eine solche Technik für den kommerziellen Einsatz freizugeben, sei keine Kleinigkeit, erläuterte Hagemann Snabe und spielte damit auf die immer wieder erfolgten Verschiebungen an. Jetzt sei er aber von der Technik so überzeugt, dass seit dem gestrigen Dienstag interessierte Kunden diese schon mal vorbestellen können. Auf der Sapphire haben die Partner und Kunden SAPs zudem die Möglichkeit, sich die On-Demand-Technik präsentieren zu lassen.

Gegen Ende des Jahres ist für Business by Design mit einer Entwicklungsumgebung auf Basis von Microsofts Visual Studio zu rechnen. Diese IDE habe man gewählt, weil die meisten der kleineren Mittelstandbetriebe, die als Zielgruppe für das Produkt ausgemacht werden, auf Microsofts .NET Framework als Programmiermodell setzen. Doch sei es nicht ausgeschlossen, dass in Zukunft auch andere Programmierumgebungen unterstützt werden, schätzten in die Vermarktung involvierte SAP-Angestellte die Situation ein. Die Veröffentlichung eines maßgeschneiderten SDKs ist insofern wichtig, da SAP auf seine Partner setzt, die branchenspezifische Anwendungen für die Lösung entwickeln sollen. Auch einen App-Store stellt SAP für die Zukunft in Aussicht.

Neu vorgestellte Erweiterungen an dem On-Demand-Angebot für mittelständische Unternehmen sollen es nun den Kunden erlauben, umfangreiche Analysen von Geschäftszahlen in Echtzeit durchzuführen. Die Benutzerfreundlichkeit will SAP zudem verbessert haben, und Außendienstmitarbeiter können jetzt über mobile Endgeräte auf Geschäftsprozesse zugreifen. Die Wahl von Microsofts Silverlight als Frontend-Technik soll mehr Möglichkeiten für die interaktive Nutzung ermöglichen. Beeindruckend ist auch die StreamWork-Technik, eine Art "Enterprise-Facebook", die sich in Business by Design einbetten lässt.

Am heutigen Mittwoch werden CTO Vishal Sikka und SAP-Mitgründer Hasso Plattner eine Keynote zur technischen Ausrichtung SAPs halten, die ab 15 Uhr auch im Netz übertragen wird. (ane)