Spieleentwicklung: Godot 3.0 erhält komplett neue 3D-Engine

Mit der grundlegend überarbeiteten 3D-Physics-Engine wollen die Macher von Godot einen der wichtigsten Kritikpunkte an der Spiele-Engine entkräften. Neu ist außerdem die Unterstützung für das Mono SDK und Scripting mit C#.

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Spieleentwicklung: Godot 3.0 erhält komplett neue 3D-Engine

(Bild: Godot)

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Die Open-Source-Spiele-Engine Godot wartet nach rund anderthalb Jahren Entwicklungsarbeit mit einem neuen Major Release auf: Godot 3.0 bietet als wichtigste Neuerung eine komplett überarbeitete 3D-Physics-Engine samt optimiertem Workflow. Im Vergleich mit konkurrierenden Entwicklungsumgebungen galten die 3D-Fähigkeiten von Godot bisher als Schwachpunkt, wie Chefentwickler Juan Linietsky im Rahmen der Ankündigung von Godot 3.0 einräumt. Der neue 3D-Renderer verspricht nicht nur mehr Leistung, sondern soll auch einige exklusive Features parat halten.

So sei Godot 3.0 die erste Spiele-Engine, die Disneys principled BSDF (Bidirectional Scattering Distribution Function) vollständig unterstützt. Künftig stehen nicht nur gängige Render-Optionen wie Albedo, Metalness, Ambient Occlusion und Roughness, sondern auch Rim, Anisotropy, Subsurface Scattering, Clearcoat, Refraction und Transmission Out-of-the-Box zur Verfügung und können sogar miteinander kombiniert werden.

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Godots neue 3D-Engeine bietet ein erweitertes Spektrum an Materialien. (Bild: Godot)

Neu umgesetzt wurden auch die Workflows für Global Illumination (GI). Zum einen stehen sogenannte GI Probes zur Verfügung, die in Echtzeit indirektes Licht und Voxel-Reflektionen bereitstellen – setzen dafür allerdings auch potente Hardware voraus. Für Low-End-Systeme und mobile Geräte halten die Godot-Macher daher unverändert klassisches Lightmapping vor. Für dynamische Objekte können Entwickler alternativ auf eine Kombination aus Lightmaps und einem octree-basierten System zurückgreifen, um das aufwändige manuelle Platzieren von Light Probes zu vermeiden.

Dank der mit Unterstützung von Microsoft umgesetzten Integration von Mono kann Godot 3.0 vollständig in C# 7.0 geskriptet werden. Dabei stehen aktuell die IDEs XamarinStudio und Visual Studio Code zur Verfügung. Die Macher von Godot haben zudem eine neue API (Pascal-case) ergänzt, die größtenteils konform zu den C#-Sprachkonventionen ist. Ganz vollständig ist die Unterstützung für C# indessen noch nicht: Godot 3.0 erlaubt den Export von Spielen, die in C# geschrieben wurden, bisher nicht. Dieses fehlende Feature soll jedoch in wenigen Wochen mit Godot 3.0.1 nachgereicht werden. Entwickler, die weiterhin mit Scriptsprachen wie GDScript oder VisualScript arbeiten wollen, ohne sich auf Mono einzulassen, können nach wie vor den Standard-Build von Godot nutzen. Für den Mono/C#-Support steht ein separater Build zur Verfügung.

Eine spezielle Mono-Edition von Godot 3.0 erlaubt Scripting in C#. (Bild: Godot)

Einen vollständigen Überblick aller weiteren neuen Funktionen von Godot 3.0 – darunter das GDNative-Framework zur Einbindung externer Libraries sowie eine neue Audio Engine – liefern die ausführlichen Release Notes. Godot 3.0 steht als Open Source unter MIT-Lizenz frei zur Verfügung. Interessierte Entwickler finden die verschiedenen Versionen (Standard und Mono/C#) für Linux, macOS und Windows auf der Download-Seite. (map)

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