Stack Overflow: Über 700.000 Softwareentwickler in Deutschland

Auf Basis der eigenen Nutzerdaten hat der Betreiber der weltweit wichtigsten Q&A-Website für Entwickler die Softwareentwicklungs-Landschaft in Deutschland unter die Lupe genommen.

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Stack Overflow mit Standortanalyse zur deutschen Softwareentwicklung
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Der Betreiber einer der weltweit wichtigsten Websites für Entwickler hat die deutsche Entwicklerlandschaft auf Basis der eigenen Nutzerdaten einer genaueren Untersuchung unterzogen. Demnach gibt es laut der nicht repräsentativen Studie "Entwickler in Deutschland – Eine Standortanalyse mit 6 Schwerpunktregionen" derzeit 709.033 Softwareentwickler. Das deckt sich mit den Zahlen des Bitkom, der von über 800.000 Werktägigen im Bereich "Software und IT-Services" ausgeht.

Die meisten seien Full-Stack-Entwickler (59,6 %), also Webentwickler, die alle erforderlichen Technologien ausreichend beherrschen, um eine voll funktionsfähige Webanwendung erstellen zu können. Das entspricht offenbar einem globalen Trend vom fließenden Verlauf zwischen Frontend- und Backend-Spezialisten. Dabei gibt es wohl deutlich mehr Generalisten als Experten. Für mobile Endgeräte programmieren allerdings gerade mal 5,3 Prozent, was ebenfalls in etwa dem weltweiten Schnitt entspreche.

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Bei den genutzten Programmiersprachen steht Java mit 96.068 Entwicklern (= 13,7 %) an der Spitze. Python kommt hierzulande offenbar auf 90.929 Experten (= 12,8 %). Die meisten Programmierer stammen aus den folgenden Regionen – mit Auflistung der jeweils drei verbreitetsten Programmierplattformen:

  • Rhein/Ruhr: 93.920 Entwickler; Java (13,9 %), PHP (12,3 %), Python (10,8 %)
  • Berlin: 81.868 Entwickler; Python (14,7 %), Ruby (12,9 %), Node.js (12,3 %)
  • München: 65.178 Entwickler; Python (14,7 %), Java (14 %), Node.js (7,9 %)
  • Frankfurt a. M.: 47.551 Entwickler; Java (15,9 %), .NET (11,1 %), Python (8,3 %)
  • Stuttgart/Karlsruhe: 39.823 Entwickler; Java (15,4 %), Python (14,2 %), Node.js (8,8 %)
  • Hamburg: 37.839 Entwickler; Java (13,3 %), PHP (11,9 %), Ruby (11,6 %)

Die Studie nimmt hier die einzelnen Regionen noch etwas genauer unter die Lupe.

Die Stack-Overflow-Betreiber bewerten außerdem auf Basis der Zahlen der Agentur für Arbeit und des Bitkom eine Analyse zum Arbeitsmarkt vor. So gebe es nur 3 Prozent Arbeitslose in der IT-Branche. Das komme mehr oder weniger der Vollbeschäftigung gleich. Darüber hinaus gebe es mehr offene Stellen als verfügbare Entwickler. Hier ist von 43.000 fehlenden Fachkräften die Rede. Im Juli 2016 sei die Anzahl der ausgeschriebenen Stellen im saisonbereinigten Vergleich zum selben Monat im Vorjahr um 44 Prozent gestiegen.

Zum Teil mit Vorsicht ist die Analyse "des deutschen Entwicklers" zu bewerten, die Stack Overflow vornimmt. So ist er zwischen 25 und 29 Jahre alt, männlich, verfügt über sechseinhalb Jahre professionelle Programmiererfahrung und verdient jährlich zwischen 50.000 und 60.000 US-Dollar. Zu den Zahlen kommt Stack Overflow auf Basis der im Frühjahr durchgeführten Entwicklerumfrage. Wahrscheinlich durch das Besucherprofil der Website bedingt, nahmen damals allerdings vorwiegend junge Menschen (rund 75 % unter 35 Jahren) an der Umfrage teil.

Als Fazit heißt es, dass der Standort Deutschland und seine Rolle in Europa weiter wachsen werde. Die Liste der attraktiven Städte sei lang, und es gebe unzählige Förderungsinitiativen. Um den Nachschub für die Wirtschaft an IT-Talenten zu decken, gebe es zahlreiche Hochschulen, doch auch international würden Fachkräfte angeworben. Viele Start-up-Unternehmen oder Zweigstellen globaler Konzerne begrüßten gerade die Internationalität vieler Standorte.

Das wird auch dadurch untermauert, dass, gemessen an den Risiko-Kapitalströmen, das Wachstum im Start-up-Sektor in Deutschland andere europäische Länder wie Schweden, Frankreich oder das Vereinigte Königreich überholt habe. (ane)

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