Studien: Fast die Hälfte aller deutschen Entwickler arbeitet bereits nach dem DevOps-Prinzip

Ohne Frage ist DevOps mehr als nur ein Hype, auf den Tool-Hersteller, Dienstleister und Konferenzanbieter aufspringen. Mehrere aktuelle Studien bescheinigen die Durchdringung der mit DevOps einhergehenden Prinzipien in den IT-Abteilungen.

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Von
  • Alexander Neumann

Die Zahl der Untersuchungen und Konferenzen zum IT-Hypethema DevOps nehmen kontinuierlich zu. Allein diese Woche wurden zwei neue Studien und zwei Konferenzen in den Umlauf gebracht, die sich zu den schon zahlreichen Erhebungen und Veranstaltungen zu DevOps gesellen. Der Begriff geht auf den Belgier Patrick Debois zurück, der Ende Oktober 2009 die ersten DevOps Days mitorganisierte. Der Begriff aus "Dev" für Anwendungsentwicklung (Development) und "Ops" für IT-Betrieb (Operations) steht für das Zusammenrücken der beiden Bereiche mit dem Ziel, dass eine Organisation Software schneller und fehlerfreier erstellen und verfügbar machen kann.

Die Vielzahl an Konferenzen und Studien sind natürlich Ausdruck des großen, aber unterschiedlich gearteten Interesses an der Bewegung, sei es, weil die einen mit Werkzeugen, Services und Dienstleistungen, aber auch Fortbildungsangeboten ihr Geld verdienen, sei es, weil sich die involvierten IT-Abteilungen eine Verbesserung ihrer Prozesse durch die hoffentlich gelebten DevOps-Prinzipien wünschen.

Die Durchdringung von DevOps in den deutsche Entwicklungsabteilungen stützen nun auch die zwei neuen, aber nicht repräsentativen Studien zum Thema. Dass die Einführung der DevOps-Maßnahmen in der Praxis tatsächlich fruchtet, haben die Organisatoren der Developer Week, einer großen deutschen Entwicklerkonferenz, in ihrer von November 2015 bis diesen Januar durchgeführten Online-Umfrage unter mehr als 160 Teilnehmern herausgefunden: Mehr als drei Viertel der deutschen Entwickler sind demnach der Meinung, dass seit der Anwendung von DevOps weniger Probleme beim Livegang von Neuentwicklungen auftreten. Gleichzeitig würden Release-Zyklen verkürzt (68 %) und die Produktivität in der IT insgesamt gesteigert (62 %).

Offenbar mehr als 40 Prozent der befragten Entwickler arbeiten bereits nach dem DevOps-Prinzip, 22 Prozent denken derzeit über eine Einführung nach. Passend dazu gaben 58 Prozent der Befragten an, grundsätzlich Befürworter von DevOps zu sein. Gefragt nach dem persönlichen Arbeitsumfeld, antworteten anscheinend 65 Prozent der Programmierer, dass die Zusammenarbeit zwischen IT und Entwicklung in ihrem Unternehmen gut funktioniere. Dennoch waren 14 Prozent der Befragten der Meinung, dass bei ihnen keine gute Stimmung zwischen den Abteilungen herrsche. Software-Entwicklung und IT-Betrieb sind in den meisten deutschen Unternehmen zwei getrennte Abteilungen (54 Prozent). Der Großteil der Entwickler arbeitet dabei in einem IT- und Entwicklungs-Team von maximal 10 (44 %) oder mehr als 100 Mitarbeitern (27 %).

Knapp 60 Prozent Befürwortern von DevOps ...

(Bild: Developer Week)

... stehen derzeit 40 Prozent tatsächlichen DevOps-Nutzern gegenüber.

(Bild: Developer Week)

Die überwältigende Mehrheit hat den Studienautoren zufolge bestätigt, dass das Arbeitsklima durch DevOps positiv beeinflusst werde: Nur 6 Prozent der befragten DevOps-Anwender gaben an, dass sich seit der Einführung die Zusammenarbeit von Administration und Entwicklung gar nicht verbessert habe. Auch waren nur 9 Prozent der Meinung, dass der gegenseitige Respekt zwischen Development und Operations gar nicht besser geworden sei. Lediglich in der Einführungsphase von DevOps sei es bei manchen Befragten zu Chaos gekommen: Dieser Aussage stimmten 24 Prozent zu, 35 Prozent immerhin zum Teil. Den Hauptgrund, warum 38 Prozent der Firmen (noch) nicht DevOps anwenden, sehen 62 Prozent der befragten Nichtanwender von DevOps-Strategien in mangelndem Engagement: Es habe sich bislang einfach niemand um das Thema gekümmert.

Bei der Verbreitung von DevOps kommt eine weitere Studie des Meinungsforschungsinstituts TNS, die im Auftrag des Webhosters Rackspace durchgeführt wurde, auf ähnliche Ergebnisse wie die Developer Week. In Deutschland haben hier 48 Prozent der Befragten DevOps-Konzepte oder -Praktiken eingeführt und ungefähr genauso viele planen das für die nahe Zukunft. Ein anderer, nicht in der ersten Studie beleuchteter Aspekt ist, dass davon 70 Prozent externe Dienstleister nutzen. Diese Zahl deckt sich mit dem Ergebnis der gleichen Umfrage unter Firmen in Großbritannien, den Vereinigten Staaten und Australien. Hier lagern ebenfalls 70 Prozent DevOps-Dienste aus. Fast zwei Drittel (59 %) versprechen sich davon geringere Kosten sowie etwa die Hälfte eine stärkere Konzentration auf Innovationen (50 %) und höhere Produktivität (48 %).

Unternehmen geben als Gründe für die Nichteinführung der DevOps-Konzepte unter anderem an, dass sie andere, dringendere Prioritäten hätten, der Ansatz nicht relevant für das Unternehmen sei oder nur ein weiteres Modewort der Branche wäre. Laut den Studienbetreibern sprechen demgegenüber für die geplante oder tatsächliche Auslagerung vor allem geringere Kosten (52 %), verbesserte Produktivität (42 %), stärkere Ausrichtung auf Innovationen, schnellere Nutzung von Anwendungen (jeweils 38 %) und agilere Infrastruktur (29 %).

Gemäß einer anderen Umfrage, die RightScale, ein Anbieter von Management-Software für Cloud-Umgebungen, im Januar 2016 weltweit durchgeführt wurde, steigt die Nutzung von DevOps insgesamt von 66 auf 74 Prozent, bei Großunternehmen liegt sie bei 81 Prozent. Der Einsatz von Docker hat sich offenbar mehr als verdoppelt: auf 27 Prozent gegenüber 13 Prozent im Jahr 2015. Weitere 35 Prozent planen die Verwendung von Docker. Bei Ansible hat sich die Zahl der Nutzer anscheinend verdoppelt (von 10 auf 20 %). Auch Puppet (von 24 auf 32 %) und Chef (von 28 auf 32%) zeigen starkes Wachstum. Mit Docker, Ansible, Puppet und Chef soll sich die Komplexität des Konfigurationsmanagements in DevOps abstrahieren, sodass der Einsatz von Shell-Skripten entweder überflüssig oder zurückgehen soll.

Die Studien sind die eine Sache, das Konferenz- und Schulungsangebot beim Thema DevOps eine andere. Zu der von heise Developer, iX und dpunkt.verlag organisierten Continuous Lifecycle, die Ende dieses Jahres bereits zum vierten Mal geben wird und mittlerweile auch einen englischen Ableger hat, haben sich die üblichen deutschen Konferenzorganisatoren gesellt, die das Thema mittlerweile offenbar ebenfalls erfolgreich aufgreifen. Den Anfang haben jedoch die DevOpsDays gemacht. Nach deutschen Stationen in Deutschland in Hamburg (2010) und Berlin (2013, 2014, 2015) wurden diese Woche ganz frisch die DevOpsDays Kiel angekündigt, die am 12. und 13. Mai in stattfinden werden. Aufmerksamkeit mag außerdem das ebenfalls dieser Tage angekündigte DevOpsCamp verdienen, eine günstige Barcamp-Veranstaltung der Proud Sourcing GmbH, die vom 6. bis 8. Mai in Nürnberg stattfindet.

Siehe dazu auf heise Developer:

(ane)