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Sun verärgert Open-Source-Entwickler

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Der jetzt veröffentlichte fünfte Meilenstein für das künftige Java 7 hat für Unmut in der Open-Source-Gemeinde gesorgt. Das JDK 7 Milestone 5 sei nicht als "Free Software" veröffentlicht worden, obgleich die Sourcen für die vollständig auf dem OpenJDK aufsetzende Version weitgehend quelloffen angeboten werden sollten, schreibt Mark Wielaard, Projekt-Betreiber des GNU-Classpath-Projekts, der freien Implementierung der Java-Standardklassenbibliotheken. Eigentlich sei aber geplant gewesen, dass es kaum Unterschiede zwischen den Java-Versionen geben solle.

Wielaard wollte nach eigenen Angaben die neue Version mit der Arbeit vergleichen, die er und andere beim OpenJDK und IcedTea, einem Gemeinschaftsprojekt zur Entwicklung freier Java-Plattform-Software, geleistet hatten. Dieses sei ihm anscheinend nicht erlaubt worden. Sun habe hierzu gemäß des Sun Contributor Agreement (SCA) zwar das Recht, doch gebe es für Sun keinen Grund, "auf diese unsoziale Weise zu handeln", kritisiert Wielaard Sun heftig.

Das neue Release enthält als neue Funktionen unter anderem vier kleine Spracherweiterungen aus dem Project Coin: String-Switches, die Möglichkeit der generischen Instanziierung, Binär-Literale und Unterstriche in numerischen Literalen. Außerdem ist das java-util.concurrent-Paket überarbeitet worden, auch gibt es ein fork/join-Framework für feingranulares Parallel Computing. Weiterhin gibt es mit der neuen Swing-Komponente JLayer (vormals JXLayer) einen Komponenten-Dekorator.

Alle Änderungen finden Interessierte im Change-File dokumentiert. Entgegen ursprünglichen Absichten ist Java mit dem neuen Meilenstein noch nicht Feature-komplett, in Kürze werden die Entwickler mehr dazu bekannt geben, berichtet Mark Reinhold, einer der Java-Hauptentwickler bei Sun in der Ankündigung zur neuen Version. Mit einer finalen Version von Java 7 ist bislang Im März des nächsten Jahres zu rechnen.

Seit 2006 soll Java quelloffen werden, damals veröffentlichte Sun denn auch gleich Java SE RI Hotspot und Java-Compiler als Open Source. Dazu wurden die ersten Komponenten von OpenJDK unter der GPLv2 veröffentlicht, der Rest folgte unter der GPLv2 mit Classpath-Erweiterung 2007. Letzteres Lizenzmodell erlaubt Programmen unter beliebiger Lizenz Software unter der GPLv2 zu nutzen, ohne selbst unter der GPL stehen zu müssen.

Die Art und Weise, wie Sun den Open-Source-Prozess betreibt, wird innerhalb der Open-Source-Communities und auch durch Firmen immer wieder kritisiert. Die Apache Software Foundation (ASF) spricht sich aufgrund der schon länger gehenden Auseinandersetzung über die Lizenzierung des Java Compatibilty Kit (JCK) gegen Spezifikationen innerhalb des JCP (Java Community Process) aus, bei denen Sun der Specification Lead ist, und das unabhängig von der tatsächlichen technischen Leistung. Letzte Woche hatte SAPs Technik-Chef Vishal Sikka Kritik an Suns dominante Vorherrschaft bei der Java-Entwicklung geübt.

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(ane)