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Texteditoren: Neovim soll Vim fit fürs 21. Jahrhundert machen

Trotz Vims Beliebtheit sieht Entwickler Thiago de Arruda Padilha viel Potenzial zur Verbesserung des Texteditors. Sein Projekt Neovim hat schon einige hundert Unterstützer und widmet sich einem gründlichen Refactoring des Vim-Codes.

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In den etwa 20 Jahren, in denen es den freien Texteditor Vim bereits gibt, ist der zugehörige Code auf über 300.000 Zeilen angewachsen, die sich mehr oder weniger gut durchblicken lassen. Das und die Tatsache, dass Vim-Hauptentwickler und Projektinitiator Bram Moolenaar allein für die Einarbeitung von Patches und Ähnlichem verantwortlich ist, hat Entwickler Thiago de Arruda Padilha dazu bewogen, Neovim ins Leben zu rufen. Unter der Überschrift "Vims Wiedergeburt für das 21. Jahrhundert" soll sich das Projekt der kompletten Überarbeitung des Vim-Quellcodes widmen.

Als feste Ziele formuliert de Arruda Padilha momentan die Umstellung des Build-Vorgangs auf CMake, das Entfernen von Teilen des plattformspezifischen Codes und des Supports verschiedener überalterter Systeme, um die zu pflegende Codebasis zu reduzieren, den Aufbau einer neuen Plug-in- und GUI-Architektur und eine komponentenweise Entwicklung auf GitHub. Trotz der neuen Struktur für Plug-ins sollen sich die bereits für Vim entwickelten weiter nutzen lassen. Nach den geplanten Arbeiten soll sich der Code besser instand halten lassen und Entwicklern bessere Möglichkeiten zur Mitarbeit bieten, da die überarbeitete Struktur und der geringerer Umfang den Einstieg erleichtern könnten. Durch die Betreuung durch mehrere Entwickler sollen Patches außerdem schneller im Editor landen.

Damit das Projekt nicht aufgrund von Finanzsorgen des Hauptentwicklers wieder einschläft, läuft derzeit eine Sammlung auf Bountysource, um zwei Monate konzentrierte Arbeit an Kernproblemen zu sichern. Da das Spendenziel von 10.000 US-Dollar bereits erreicht ist, musste de Arruda Padilha ergänzende Ziele angeben, zu denen etwa die Neuimplementierung der in Vim eingebauten Skriptsprache als nach Lua kompilierenden Sprache beim Knacken der 20.000-USD-Grenze zählen.

Bram Moolenaar kommentierte das Unterfangen mit einer Frage nach dem Nutzen für den Endanwender, der sich ihm nicht erschließe. Er hält das Projekt außerdem für einen Haufen Arbeit, der nur zur Folge hätte, dass man neue Fehler einbaue und weniger Systeme unterstütze. Statt Energie in das Refactoring zu stecken, solle man vielmehr Vim verbessern und dabei auch den Nutzer im Auge behalten. Neovim freundlich gesonnenere Entwickler geben allerdings zu bedenken, dass Moolenaar auch in diesem Fall immer noch einen nicht zu verleugnenden Engpass in der Entwicklungsgeschwindigkeit darstelle und sich Thiago de Arruda Padilha ihrer Meinung nach schon bei der Arbeit an Vim hervorgetan habe. (jul)