TraceTogether: Singapur plant Öffnung der staatlichen Coronavirus-Tracking-App

Die staatliche Tracking-App soll Open Source werden – Singapur kontrolliert damit die Kontakte von Coronavirus-Infizierten.

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(Bild: Blue Trace / GovTech Singapore)

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Singapur hat angekündigt, den Quellcode der staatlichen Tracking-App "TraceTogether" als Open Source zur Verfügung zu stellen. Die App zeichnet auf, wem Träger des Coronavirus begegnet sind – Gesundheitsbehörden des autoritären Stadtstaats nutzen die Informationen, um gezielt Kontaktpersonen ausfindig zu machen und in Quarantäne zu schicken.

Der App liegt das sogenannte Blue Trace Protocol der staatlichen Digitalagentur GovTech zugrunde. Bei eingeschalteten Bluetooth- und Ortungsdiensten soll die App einen Zeitstempel, die Bluetooth-Signalstärke, das Telefonmodell und eine temporäre Kennung (Gerätespitzname) dokumentieren, geht aus dem Blue-Trace-Manifest hervor. Demnach halte die App nicht die Standorte der Nutzer fest, sondern zeichne die Entfernung zwischen ihnen auf. Die Verwendung erfolge auf freiwilliger Basis, Bürgern wird von staatlicher Seite jedoch nahegelegt, sie zu verwenden.

Für das Tracking in einem Ballungsgebiet und in geschlossenen Räumen sei GPS ungeeignet, berichtet ein Sprecher des Entwicklerteams. Bei Bluetooth hingegen ließen sich Entfernungen aus der abnehmenden Signalstärke ableiten. Die größte technische Hürde habe darin gelegen, die unterschiedliche Kalibrierung von Telefonen zu berücksichtigen. Aus diesem Grund werde der Gerätetyp miterfasst. In Zusammenarbeit mit der Polytechnischen Universität Nanyang führte GovTech Tests in schalltoten Räumen (ohne Signalempfang) durch.

Singapurs Außenminister Vivian Balakrishnan teilte die Veröffentlichungspläne auf Facebook ohne konkretes Datum mit. Derweil steht die App im Google Play Store Interessierten bereits zur Verfügung.

Auch wenn eine App zum Tracken von Nutzern selbst ohne genaue Ortung durchaus eine kritische Betrachtung verdient, ist die Freigabe als Projekt zum Bekämpfen der Verbreitung des Coronavirus durchaus nennenswert.

Derzeit finden zum Bekämpfen der Pandemie weltweit Entwickler-Brainstormings dazu statt, wie Menschen und Staaten die Krise besser bewältigen können. Von Südtirol aus organisiert HackTheAlps am 28. März 2020 #WeAgainstVirus, und GitHub hat auch schon Open-Source-Projekte zum Thema präsentiert. Gemeinsam mit der WHO veranstaltet Devpost vom 26. bis 30. März 2020 den Hackathon #BuildForCOVID19. Die Themenblöcke sind Gesundheit, gefährdete Bevölkerungsgruppen, Unternehmen, Gemeinschaft, Bildung, Unterhaltung sowie freie Themen. (sih)