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US-Regierung: mehr Open Source!

Laut einer neuen Richtlinie sollen während der nächsten drei Jahre mindestens 20 Prozent allen für US-amerikanische Behörden entwickelten Codes Open Source werden.

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Weißes Haus startet Pilotprojekt für mehr Open Source

Inspiriert von der Wirtschaft, in der die Freigabe eigener Entwicklungen und die Zusammenarbeit mit Open-Source-Communities immer mehr zur Regel wird, hat U.S. Chief Information Officer Tony Scott nun ein Memorandum für bundesstaatlichen Quellcode veröffentlicht. Durch die Federal Source Code Policy sollen die Organe der Regierung angehalten werden, Eigenentwicklungen einander zugänglich zu machen um Mittel zu sparen und die Zusammenarbeit zu fördern. Außerdem soll mehr Code der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, um durch Kooperation vom Wissen der Open-Source-Gemeinschaft zu profitieren.

Das Konzept ist nicht neu, da beispielsweise die Standardposition des in der Bundesregierung der Vereinigten Staaten angesiedelten 18F, in dem Continuous-Delivery-Größe Jez Humble für die Infrastruktur zuständig ist, eine Veröffentlichung der entwickelten digitalen Produkte vorsieht und etwa die Quellen der Petitionsplattform "We the People" öffentlich zur Verfügung stehen. Die neue Initiative soll diese Bemühungen jedoch in den Rest der Regierung tragen.

Bevor ein neues Softwareprojekt gestartet wird, soll zukünftig geprüft werden, ob bereits andere Projekte mit ähnlichen Funktionen bestehen und ob sich etwa Software aus anderen staatlichen Projekten einsetzen lässt. Sollte das nicht der Fall sein, ist zu untersuchen, ob kommerzielle Produkte die Aufgabe erfüllen können und erst wenn alle anderen Optionen ausgeschöpft sind, ist ein eigenes Entwicklungsprojekt zu starten.

Um die Steuergelder sparsam einzusetzen, sollen Eigenentwicklungen zukünftig so angelegt sein, dass sie sich auch in anderen Regierungsprojekten einsetzen lassen. Dafür muss der Auftraggeber über die entsprechenden Rechte verfügen und alle Organe haben dafür Sorge zu tragen, dass neuer Code inventarisiert wird und verfügbar ist, sofern er nicht unter eine Reihe von Ausnahmen fällt (siehe Punkt 6 der Richtlinie (PDF)).

Damit aber auch das Volk direkt etwas von derartigen Ausgaben hat, startet die US-Regierung ein Pilotprogramm, in dessen Rahmen alle Behörden mindestens 20 Prozent des für sie entwickelten Codes in Form von Open-Source-Projekten freigeben sollen. Das Programm soll drei Jahre laufen, wobei erst in den nächsten Monaten Metriken aufgestellt werden, mit denen sich die Auswirkungen messen lassen sollen.

Für den Einstieg in die Open Source Community hat die Richtlinie gleich einige Regeln parat. So sollen sich Teams beim Veröffentlichen ihrer Projekte mit relevanten Communities koordinieren und dort darauf hinweisen. Außerdem sollen sie sich an Methoden der offenen Entwicklung orientieren was unter anderem bedeutet, Minimalprodukte zu veröffentlichen, die Öffentlichkeit vor der Freigabe in den Prozess einzubeziehen und auch auf deren Wissen zu setzen, um das Projekt zu verbessern.

Für die Kommunikation mit der Gemeinschaft sind bidirektionale Prozesse einzurichten, Beiträge in Form von Feedback oder Code sind in die Weiterentwicklung einzubeziehen und ein regelmäßiger Release-Plan zu erstellen und einzuhalten. Darüber hinaus ist auf die Dokumentation zu achten, damit auch andere die Chance haben, die Projekte zu nutzen oder zu ihrem Fortschritt beizutragen.

Angaben zu bevorzugten Lizenzen macht die Richtlinie nicht. In den kommenden drei Monaten will die Regierung allerdings auf der Website code.gov Werkzeuge, Best Practices und Schemata für die Umsetzung des Papiers zur Verfügung stellen, zu denen wohl auch Lizenzvorschläge zählen sollen. Darüber hinaus soll die Seite die zentrale Anlaufstelle zur Suche nach bereits bestehenden Projekten dienen, wobei der Code selbst dort nicht gehostet werden soll. (Julia Schmidt) / (jk)