Versionsverwaltung: Mercurial fliegt bei Bitbucket raus – mit Corona-Schonfrist

Bitbucket entfernt das Versionsverwaltungssystem wie erwartet aus den APIs, gibt aber noch einen Monat Aufschub.

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Bitbucket, die zu Atlassian gehörende Plattform zur Verwaltung von Quellcode, hat das Aus von Mercurial um einen Monat verschoben und entfernt den Quellcode nun zum 1. Juli 2020 aus der Bitbucket-Cloud und ihren APIs. Seit Februar 2020 ist es nicht mehr möglich, neue Mercurial-Repositories bei Bitbucket anzulegen. Dass Atlassian Mercurial loswerden wollte, stand schon länger fest, das System war seit der Übernahme von Bitbucket durch Atlassian nicht mehr gepflegt worden.

Der damalige Produktmanager Roger Barnes hatte Anhängern der verteilten Versionsverwaltung mit dem Quecksilberlogo bereits im März 2017 schriftlich ausgerichtet, dass Atlassian sich ausschließlich auf Git festlegen werde. "Wir haben entschieden, dass die technischen Kosten für das Hinzufügen und Aufrechterhalten des Mercurial-Supports letztlich die falsche Richtung für unser Produkt sind", argumentierte der Produktmanager gegenüber Mercurial-Nutzern im Supportforum. Hintergrund seien wirtschaftliche Erwägungen, da die Mehrheit der Plattformnutzer Git verwende und Investitionen in Mercurial sich für Atlassian nicht rechnen würden. Auch Kompromisslösungen erteilte er eine Absage: "Alles andere wird für Enttäuschungen sorgen, weil zweitklassige Lösungen zu Frust und Bedauern führen."

Den Fahrplan zum Ausstieg legte Atlassian im Sommer 2019 im Bitbucket-Blog vor, samt einem Verweis auf den laut Stack Overflow geringen Marktanteil von Mercurial (3 Prozent) gegenüber der Mainstream-Versionsverwaltung Git (rund 90 Prozent) bei Entwicklern. Unter den Bitbucket-Nutzern sei der Anteil gegen Ende sogar noch geringer gewesen, unter einem Prozent. Bitbucket ist 2008, also im selben Jahr wie GitHub entstanden, und setzte ursprünglich ganz auf Mercurial als verteiltes Versionskontrollsystem.

Bereits drei Jahre später hatte allerdings auch Bitbucket Git im Angebot. Einige große Projekte setzten zunächst auf das überwiegend in Python geschriebene System mit dem Quecksilberkürzel (hg), so zum Beispiel Facebook (2014), Mozilla, Sourceforge, Google Inc. (für Google Code), das hier schon erwähnte Atlassian mit Bitbucket, aber auch Teile der Code-Entwicklung bei Microsoft (CodePlex). Python sattelte im Februar 2017 von Mercurial auf GitHub um, Oracle mit OpenJDK im Juli 2019. So gesehen folgte Bitbucket mit dem Rückzug aus Mercurial einem größeren Trend hin zu Git und der Plattform GitHub.

Git feierte unlängst seinen 15. Jahrestag, auch Mercurial ist vor wenigen Tagen 15 Jahre alt geworden, am 19. April 2005 kündigte Matt Mackall das Projekt auf der Linux-Kernel-Mailingliste an. Mercurial stand jedoch stets etwas im Schatten des von Linus Torvalds entworfenen heutigen "Klassenprimus". Über die Vor- und Nachteile scheiden sich die Geister; nach wie vor gibt es Entwickler, die Mercurial Git und auf jeden Fall Subversion vorziehen. Neben Git verwenden einige Linux-Entwickler bis heute Mercurial zur Kernel-Entwicklung. Entstanden sind beide Systeme als Antwort auf das Bedürfnis nach einem verteilten Software Control Management (SCM), die eine Weile beinahe gleichberechtigt ko-existierten.

Git hat sich zunehmend zum De-facto-Standardsystem entwickelt, doch es ist gut, Alternativen zu haben – auch Mercurial wird von Entwicklern noch weitergeführt, wie ein Blick in das Logbuch zeigt.

Das verteilte Versionskontrollsystem steht auf der Projektseite bereit und kann frei verwendet werden. Anleitungen und Tutorials finden sich dort ebenfalls, das "hgbook" bietet Einsteigern einen Überblick. (sih)