Visual Basic, C# und F#: Microsoft justiert die Programmiersprachen-Strategie neu

Nun ist nicht mehr von einer Koevolution bei C# und Visual Basic die Rede. Dafür will Microsoft F# zur besten funktionalen Programmiersprache auf dem Markt machen.

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Visual Basic, C# und F#: Microsoft justiert die Sprachstrategie neu

Es ist schon geraume Zeit her, dass sich Microsoft zur Strategie der eigenen .NET-Sprachen geäußert hat. Da kommt es gut, dass nun Mads Torgersen, Program Manager bei Microsoft, in einem aktuellen Blog-Beitrag die .NET-Community auf den neuesten Stand zu C#, Visual Basic und F# bringt. Dabei kommt es auch zu einer Abkehr von der "Co-evolution Strategy" für C# und Visual Basic aus dem Jahr 2010, als ein gemeinsamer Kurs für beide Sprachen festgelegt wurde.

Nun heißt es, dass Visual Basic übers Ziel hinaus schießen würde, wenn die Sprache in allen neuen Features von C# folgen würde, da sie dann nicht mehr so einfach zu erlernen wäre, was als eine der Stärken von Visual Basic ausgewiesen wird. Das wird offensichtlich auch von der Beobachtung aus den Telemetriedaten aus Visual Studio gestützt, dass Visual Basic über den doppelten Anteil an neuen Entwicklern verfügt, wie es sonst zu beobachten ist. Das deutet darauf hin, dass die Sprache vermutlich weiterhin eine Rolle als Einstiegssprache für .NET und sogar für die Softwareentwicklung insgesamt spielt.

Microsoft will deswegen Visual Basic einfach halten und alles dafür tun, dass Visual Basic ein Bürger erster Klasse des .NET-Ökosystems bleibe. Wichtig sei es aber, dass bei allen Erwägungen zu neuen Features, die im Zuge der C#-Entwicklung zutage treten, zu überlegen sei, inwiefern sie sich in Visual Basic "natürlich anfühlen" würden. Zwar werde man bei Microsoft weiterhin Wert auf sprachübergreifende Werkzeuge legen, zumal viele Visual-Basic-Entwickler auch mit C# zu tun haben, doch der Fokus liege nun mehr auf den Kernszenarien und Bereichen, in denen Visual Basic populär ist.

Visual Basic 15 wird deswegen nur eine Untermenge an Features von C# 7.0 enthalten. Fehlen werden etwa as-is-Ausdrücke, out-Variablen und lokale Funktionen, die womöglich eher schaden als gut für die Lesbarkeit der Plattform seien. Konkreter mit der unmittelbaren Zukunft der Sprachebeschäftigt sich darüber hinaus der wieder reaktivierte Blog des Visual-Basic-Teams.

Auf Wachstumskurs befindet sich hingegen ganz klar C#. Hier ist von vielen Innovationen die Rede, ohne dass sich die Sprache zulasten ihres Charakters weiterentwickeln soll. Angesichts der Vielfalt der Entwicklerbasis bevorzugt Microsoft Sprach- und Leistungsverbesserungen, die allen oder den meisten Entwicklern zugute kommen und eine Überfokussierung auf einem bestimmten Segment vermeiden.

Man will das große Ökosystem weiter stärken und dessen Rolle in der Zukunft von C# weiter ausbauen. Gleichzeitig wird Microsoft die Steuerung bei Designentscheidungen beibehalten, um eine kontinuierliche Kohärenz zu gewährleisten.

F# ist mit mehreren zehntausend Nutzern die kleinste der drei diskutierten Sprachen – bei C# spricht Microsoft von mehreren Millionen, bei Visual Basic von mehreren hunderttausend Entwicklern. Das Projekt kann auf eine offenbar starke Open-Source-Community bauen und ist in der Einbindung der Gemeinschaft anscheinend Vorbild für ein Open Source .NET.

Das will Microsoft weiterhin fördern, indem es die notwendige Infrastruktur und Instrumente zur Einbindung der Community bereitstellen wird. Ziel ist es, F# zur am besten besten funktionierenden funktionalen Sprache auf dem Markt machen. Dafür soll die Sprache weiterhin verbessert werden genauso wie die sie begleitenden Werkzeuge. Außerdem sollen mit C# eingeführte neue Sprachfeatures auch mit F# gut funktionieren. (ane)