W3C drückt bei HTML5 aufs Tempo

Das World Wide Web Consortium ruft für HTML5 die Phase des "Last Call" aus. Entgegen den sonstigen Gepflogenheiten werden allerdings offene Punkte noch währende der Phase abgearbeitet.

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Von
  • Alexander Neumann

Das World Wide Web Consortium (W3C) lädt mit dem "Last Call" an HTML5-Interessierte dazu ein, den gegenwärtigen Stand der nächsten Version der HyperText Markup Language zu bewerten. Dafür gewährt die Standardisierungsorganisation bis zum 3. August die Möglichkeit, die Dokumente zu HTML5 und den fünf damit einhergehenden Spezifikationen zu kommentieren. Dabei geht es um HTML+RDFa 1.1, HTML Microdata, HTML Canvas 2D Context, Polyglot Markup: HTML-Compatible XHTML Documents und HTML5: Techniques for providing useful text alternatives.

Den Status des "Last Call" noch nicht erreicht haben drei weitere, womöglich hilfreiche Dokumente, auf die ebenfalls in der Ankündigung des W3C hingewiesen wird: HTML: The Markup Language Reference, HTML5 diffs from HTML4 und HTML to Platform Accessibility APIs Implementation Guide.

Mit dem Status "Last Call" signalisiert das W3C normalerweise, dass die HTML5-Arbeitsgruppe die Ausarbeitung der technischen Anforderungen für die Spezifikation für abgeschlossen hält. Nun müssten andere Arbeitsgruppen prüfen, ob Abhängigkeiten von anderen Spezifikationen ausreichend berücksichtigt wurden. Im Fall von HTML5 & Co. weicht die Organisation jedoch davon ab, denn im Kopf der jeweiligen Dokumente finden sich offene Punkte, die noch im Laufe der Last-Call-Phase abgearbeitet werden sollen. Auch ist offenbar angesichts der Größe der Spezifikation mit weiteren Last Calls zu rechnen. Laut FAQ zu HTML5 könnte es jedoch sein, dass der formal nächste Spezifikationsschritt (Call for Implementations) innerhalb des W3C übersprungen wird, sodass gleich die Candidate Recommendation auf den oder die Last Calls folgen könnte.

HTML5 wird voraussichtlich grundlegende Änderungen wie Multimediafähigkeiten durch die Elemente canvas, audio und video oder bei der Barrierefreiheit mitbringen. Allerdings ist bei Weitem noch nicht alles fertig spezifiziert, jedoch können schon einige Neuerungen implementiert werden, weshalb alle bedeutenderen Browserhersteller seit geraumer Zeit mit der Unterstützung für HTML5 werben. Der Standard soll 2014 fertig sein.

Ian Hickson, Autor des aktuellen W3C-Entwurfs von HTML 5 und für manche in die "Rolle des wohlwollenden Diktators" hineingewachsen, hatte Anfang des Jahres angekündigt, fortan auf Versionsnummern zu verzichten und stattdessen unter der schlichten Bezeichnung "HTML" ein "lebendes Dokument" zu pflegen, das den jeweiligen Entwicklungsstand der Technik definiere. So könne die HTML5 entwickelnde WHATWG-Gruppe (Web Hypertext Application Technology Working Group) besser den zahlreichen Wünschen nach neuen Funktionen nachkommen. Dieses Dokument sei schon jetzt viel weiter als jede bisherige HTML-Spezifikation, hieß es. (ane)