Menü
Developer

Webframework Django in der Nachwuchskrise

Django verzeichnet zu wenig neue Mitarbeiter am Projekt: Jetzt steht ein Vorschlag im Raum, das Kernteam abzuschaffen und für offenere Strukturen zu sorgen.

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 54 Beiträge
Webframework Django in der Nachwuchskrise

Die internen Verwaltungsstrukturen des Python-Webframeworks Django geraten möglicherweise ins Wanken, da es wohl zu wenig Neuzugänge unter den Contributors des Projekts gibt. Deshalb steht ein Vorschlag im Raum – das Django Enhancement Proposal (DEP) 47 –, der die Abschaffung des unter Django Core bekannten inneren Kreises der Hauptentwickler des Frameworks vorsieht. Bislang konnte das Kernteam lediglich unter Rücksprache mit dem Technical Board Änderungen am Framework vornehmen – auch wenn in der Realität wohl fast immer eine Konsensentscheidung zwischen Committer und Nicht-Committer gefallen ist.

Die Diskussion wird sowohl in der Django-Mailingliste als auch auf GitHub ausgetragen. Der Vorschlag geht vom langjährigen Django-Entwickler und Core-Teammitglied James Bennett aus, der in einem Blogbeitrag Stellung zum Thema bezogen hat. Bennett sieht demzufolge kein Problem mit dem Framework an sich, sondern lediglich in der Zahl der Mitwirkenden am Projekt. Django müsse sich hauptsächlich auf Freiwillige verlassen, die für ihre Arbeit keinen Lohn bekommen.

Außerdem sei die derzeitige Auswahl der Contributor nicht repräsentativ für die Nutzergemeinde: fast ausschließlich Männer aus Europa, Nordamerika und Australien arbeiten am Projekt. Von weiblichen Beitragenden fast keine Spur. Das Auflösen des Core-Teams soll also Django-Nutzer dazu bewegen, auch am Projekt selbst mitzuarbeiten, da ihrer Stimme in der neuen Struktur mehr Gehör geschafft werden könne.

Anstelle des bisherigen Teams sollen zwei neue Rollen treten: Merger und Releaser. Erstere sollen Pull Requests mergen, zweitere neue Releases veröffentlichen. Beide sollen aber keine Entscheidungsgewalt haben. Stattdessen soll der Abstimmungsprozess in der Django-Mailingliste für alle offen sein, die eben daran teilnehmen möchten. Das Technical Board würde erhalten bleiben und könnte bei einem Gleichstand als Zünglein an der Waage fungieren. Außerdem soll es bei der Auswahl der Merger und Releaser behilflich sein.

Ziel der Umstellung wäre es laut Bennett, das Projekt offener zu gestalten, was ihm zufolge zu neuen Mitwirkenden führen könnte. Ob das Proposal jedoch überhaupt angenommen wird, steht noch nicht fest: Zunächst müssen das Django-Core-Team, das Technical Board sowie die Django Software Foundation dem Vorschlag zustimmen. (bbo)