Avatar von Valentin Hilbig
  • Valentin Hilbig

mehr als 1000 Beiträge seit 08.01.2000

And the winner is ..

Welches der 3 Konzepte wird sich gegen die anderen wohl durchsetzen?

- BEV
- FCEV
- Synfuel

Na?

Antwort: Keines!

Ganz einfach: Es wird nicht nur ein Verfahren geben. Jedes wird seine Bedeutung haben. Und es wird keinen eindeutigen Gewinner geben.

Was ich stark bezweifle ist, dass BEV "der" Weg sein soll, also das, was sich überall vollständig durchsetzt.

Denkt mal an die russische Permafrostgebiete. Die haben im Winter Temperaturen von unter -40 Grad. Am Tag, oder dem, was man da Tag nennt. Und jetzt der Auftritt eines BEV-Trucks. Oder elektrische Oberleitung (Metall bricht bei den dort auftretenden Temperaturen teils wie Glas, dazu Stürme und Eispanzer die Oberleitungen zerstören usw.). Oder Wasserstoff. Nein. Die Trucks da werden weiterhin Diesel verwenden, weil man die Abwärme dringender braucht als Effizienz (sprich: Motor aus = LKW kaputt und Fahrer steifgefroren).

Richtig ist: Wir müssen von dem weg, was wir "Fossile Brennstoffe" nennen. Ich gehöre übrigens zu denen, die durchaus als sinnvoll erachten, dass mindestens 10% der "Fossilen Brennstoffe" eben alles andere als fossil sind. Sprich: Ja, ein Großteil entstand vermutlich wirklich durch Biomasse unter Druck, aber vermutlich gibt es noch weitere Reaktionen im Erdinneren, die etwas dem Rohöl ähnliches herstellt. Z. B. durch radioaktiven Zerfall usw. Das wird aber nur einen sehr kleinen Bedarf permanent decken können.

Richtig ist ebenfalls: Das Zeug, das man fälschlich "Biokraftstoff" (BioDiesel oder E10) nennt, ist keine Lösung. Es darf nicht sein, dass der Anbau von Kraftstoff-Pflanzen auf Ackerland lukrativer ist, als Nahrung für die hungernde Bevölkerung.

Ja, das BEV wird IMHO einen sehr großen Marktanteil erringen. Und zwar wahrscheinlich viel schneller als viele das heute denken. Weil es so unendlich praktisch ist.

Für Tante Erna mit ihrem Stadthäuschen, die gerade mal 3000km im Jahr fährt, ist ein BEV ideal. Laden an der normalen Schuko-Steckdose reicht ihr immer aus.

Auch für Pendler wie mich, die täglich bis zu 300km Gesamtstrecke pendeln müssen, fangen BEVs an, attraktiv zu werden. Nie mehr an die Tankstelle - Auto wird nachts zuhause geladen. Also mir reicht das.

Nur sind wir noch nicht so weit:

BEVs fahren keine 250. Und ja, zu den Zeiten, zu denen ich unterwegs bin, kann ich oft weit über 200 fahren, und zwar längere Strecken. Das spart gegenüber 100 auf der Mittelspur am Tag bis zu 15 Minuten, eine Strecke, sind also 30 Minuten pro Tag, oder 2h pro Woche, oder bis zu einem ganzen Arbeitstag pro Monat den ich so mehr abrechnen kann! Scheiß auf den Mehrverbrauch, bei den abrechenbaren Stundensätzen fällt das nicht ins Gewicht).

Aber das ist HEUTE so. Weil die Autos noch nicht selbst fahren. Sobald ein SAE-3-Fahrzeug die Spur selbst wechseln kann und die Richtgeschwindigkeit 130 erreicht ist es gekauft! Einfach weil ich mich dann etwa 30-40 Minuten pro Strecke, also 1h pro Tag, mit wichtigerem beschäftigen kann, als das Lenkrad festzuhalten (den Rest erledigen SAE-2-Autos schon weitgehend heute - sie halten die Spur selbst und sie beschleunigen und bremsen, aber ich muss die anderen Autos im Blick behalten, kann also nichts anderes machen). Endlich wieder Zeit, SPAM zu lesen, SAE-3, ich komme ;)

Dann, also vermutlich ab 2022, sind plötzlich BEVs die besseren Fahrzeuge! (Rötet mich meinetwegen, aber eines weiß ich: Tesla wird es bei mir sicher nicht, die bauen einfach nichts, das auch nur irgendwie interessant wäre, und ich denke nicht, dass da auch nur jemals etwas interessantes entsteht.)

Aber ein BEV taugt nicht als Vertreterauto. Auch nicht, wenn der typische Ladevorgang am Superlader innerhalb von 5 Minuten (also unter der Zeit eines normalen Tankstopps) mehr als 200km Reichweite bringt. Das hilft Vertretern immer noch nicht, die 1000km und mehr pro Tag unterwegs sind, weil die sich nicht von Supercharger zu Supercharger durchhangeln können, und eine herkömmliche Steckdose oder ein 22kW-Lader einfach nicht genug liefert. Diese Anforderung gibt es ziemlich oft!

Denen bringt Hybrid auch nur wenig, besonders wenn der Tank bei denen kleiner ist als im Serienfahrzeug. Genausowenig hilft denen Wasserstoff. Schon mal gesehen, wie lange so ein Tankvorgang dauert? Also, vor Dir ist einer. Dann ist der fertig und Du musst 30 Minuten(!) warten, bis die neue Ladung komprimiert ist, bevor Du wieder H2 tanken kannst. Lächerliche Idee! (Natürlich wird sich die Technik weiterentwickeln. Aber das ist eine Nische, in die einfach zu wenig investiert wird!)

Vertreter setzen also auf Synfuel oder Erdgas. Erdgas hat außerdem den Charme, dass das meistens zusätzlich Reichweite bringt, weil Du hast den vollen normalen Tank, dazu kommt der Erdgastank im Kofferraum oder Ersatzradmulde.

Und der Wasserstoff könnte vielleicht kommen als Range-Extender. Bezweifle ich aber, weil die Wasserstofftanks sind aufwendig (Tanks mit hohem Druck muss man heizen damit der bei Entnahme nicht einfriert, Tanks mit niedrigem Druck bringen keinen Vorteil). Etwas wie ein Stirlingmotor erscheint mir da viel sinnvoller, vor allem, weil der auch heizen kann.

Also was werden wir in 50 Jahren vermutlich an Motoren sehen?

- Diesel/Schweröl. Für spezielle Situationen, wie Permafrostgebiete, oder Schiffe.
- Benzin/GAS-Autos. Für Vertreter und solche, die ständig extreme Strecken abseits der Supercharger-Infrastruktur hinter sich bringen müssen.
- Hybride Antriebe. Wobei ich davon ausgehe, die fahren weitgehend elektrisch.
- Und das reine BEV, zu denen man auch die selbstfahrenden Oberleitungs-LKWs rechnet

Und alles, was kein LKW ist, das einen Anhänger, der selbst nicht angetrieben ist, ziehen kann, wird auf absehbare Zeit - also bis 2050 - vermutlich kein BEV, sondern eher Hybrid sein.

Huch, der Wasserstoffantrieb wird so gut wie keine Rolle spielen! Vielleicht als elektrischer mittelfristiger Zwischenspeicher (so wie Osmose- oder Pumpspeicherkraftwerke).

Die heutige Tankstelle wird es also vermutlich weiterhin geben.
Vermutlich kann man da weiterhin Diesel und Super tanken, allerdings sind diese dann wesentlich teurer als heute, was an der Steuer sowie an der viel geringeren Nachfrage liegt.
Dazu kommen Supercharger-Plätze, die mit um 5 Minuten fast denselben Takt wie bei Tanksäulen heute haben (mit dem Unterschied, Du musst nicht an die Kasse latschen, stattdessen latscht Du halt aufs Klo).

-Tino
PS: In 2-3 Wochen pendle ich vermutlich hybrid. Etwa 30km pro elektrische Ladung, das spart schon deutlich. Nicht Geld, dafür ist der Aufpreis zu hoch, aber Sprit. Denn Diesel, was ich jetzt fahre, ist vorerst tot. Was für mich aber viel wichtiger ist: Das neue Auto ist schon SAE 2 und fährt dadurch im obligatorischen täglichen Stau innerhalb der Stadt (fast) selbst. Das Autofahren selbst verändert sich. Ich jedenfalls habe nichts dagegen, wenn das Auto mir das Lenkrad irgendwann aus der Hand nimmt.

Bewerten
- +