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  • Gottwalt Thiersch

mehr als 1000 Beiträge seit 26.01.2000

Re: Brauchte einen guten Familienbomber und kaufte mir ne tschechische Kalorienb

Würde es um die Wirtschaftlichkeit an sich gehen, würdest Du keinen Kodiaq fahren, und wir keine Zoe. Und schon gar keine Neuwagen, denn diese sind immer und auf jeden Fall ziemlich unwirtschaftlich. Das ist doch klar. Es geht also um Gewichtungen innerhalb eines elastischen Budgets, um das Setzen von Prioritäten.

Der Bekannte, der täglich von Uetersen nach Wandsbek pendelt, fährt diese tägliche Strecke mit einem Ford Galaxy Turbodiesel (Euro 5), während seine Frau ihre Arbeit (häusliche Krankenpflege in Teilzeit) und die drei Kinder und sogar den Wochenendeinkauf mit dem Kleinwagen (bis vor kurzem VW up!, jetzt Hyundai i10) bewältigt. Sinnvoll ist das nicht, da sind wir uns einig, ökologisch auch nicht. Aber für den Urlaub und die gelegentlichen Familienausflüge meinen sie den Galaxy zu benötigen, und ein Diesel ist ja soooo sinnvoll und wirtschaftlich. Undsoweiter.

Der Bekannte, der täglich nach Bremen pendelt, fährt über einem Jahr Nissan Leaf, davor VW Touran. Auch da kann man sich natürlich fragen, wie sinnvoll diese Pendelei ist. Mit der Bahn wäre das im speziellen Fall nicht möglich, da er nicht regelmäßig aber häufig auch mitten in der Nacht fahren muß (Hintergrunddienst, muß nachrücken, wenn die Bereitschaft zum Einsatz muß).

Nochmal: Reine Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen sind bei dieser Größenordnung völlige Augenwischerei. Du schautest ja auch, wo Du für das Geld, das Du auszugeben bereit bist, so viel Auto wie möglich bekommst, anstatt zu schauen, wieviel Auto Du tatsächlich benötigst und dann zu schauen, wie Du dies gleichzeitig innerhalb Deines Budgets möglichst resourcenschonend und emissionsarm hinbekommst. Insofern ist der Versuch der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung lediglich ein nachträglicher Rechtfertigungsversuch dafür, daß Du einen dämlichen Lustkauf begangen hast, der ökologisch idiotisch war.

Zum Nebenargument mit „kleinen Anhängern“: Wie oft und wie weit mußt Du wie große Anhänger ziehen? Ich muß nicht, will aber zweimal im Jahr das Boot ziehen, habe aber kein Auto mit Anhängerkupplung, schon gar nicht eines mit hinreichender zulässiger Anhängelast, Allradantrieb und Kriechgang, um das Boot den glitschigen Slipway hochzuziehen. Also leihe ich mir seit vielen Jahren zweimal im Jahr den Landrover des benachbarten Tischlers. Der benötigt den, um schwere Anhänger (z. B. vormontierte Treppen) auf Baustellen zu ziehen und hat ihn deshalb sowieso. Samstags und sonntags macht er das aber nicht, da kann ich also das Auto haben, um das Boot zu ziehen.
Wohnwagen sind üblicherweise deutlich leichter. Was bleibt dann als schwerer Hänger? Pferde? Holz? Schutt? Wie oft im Jahr? Und wie weite Strecken?

Verstehe mich nicht falsch, mir ist doch bewußt, daß viele Menschen Autos kaufen mit dem Gefühl, damit sich Möglichkeiten zu eröffnen, selbst wenn sie diese nie ergreifen. Unsere Nachbarn hier fuhren viele Jahre lang einen VW California mit Klappdach zum Schlafen und Markise durch die Gegend, ohne ihn auch nur einmal für mehr als ein Picknick unterwegs zu nutzen. Einfach für das Gefühl, jederzeit spontan los zu können, wenn sie es denn machen würden. Ist sehr verständlich, und gleichzeitig sehr idiotisch.
Jetzt sind die Kinder aus dem Haus, und sie verkauften den Bus und kauften stattdessen zwei E-Bikes, und nutzen gelegentlich Carsharing.

Um es nochmal zu wiederholen: In dieser Größenordnung geht es niemals primär um Wirtschaftlichkeit. Deshalb ist Deine Überlegung substanzlos. Es geht primär um Wünsche, Träume, gefühlte Bedürfnisse, die man auf das Auto projiziert. Und dann um nachträgliche Rechtfertigungsversuche. Sehr menschlich, machen wir alle so, aber nicht logisch.

Gruß

Gottwalt

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