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  • mojiton

620 Beiträge seit 28.12.2003

Google zockt sehr hoch, wann schreiten die Kartellbehörden ein?

denn wie auch in diesem Fall ersichtlich wird, ist man sich nicht zu
Schade, ganz tief in die unterste Schublade zu greifen und mittels
Umdeutung bereits geschlossener Vereinbarungen oder bestehender
Verhandlungen Standard-Patente gegen den noch überlegenen Mitbewerber
einzusetzen.

Man bedient sich aus der Klamottenkiste des Kleingedruckten, um Apple
für die Benutzung unumgänglicher Mobilfunkstandards extra zur Kasse
zu bitten um damit die Wettbewerbsfähigkeit einzuschränken oder
verweigert die Lizenzierung, wenn Apple nicht zugleich die Perlen
unter seinen patentierten, jedoch nicht standardrelevanten
Technologien wehrlos zur Ausbeutung freigibt.

Es handelt sich hier nicht um eine Schlammschlacht, bei der jeder mit
allen Mitteln um sich schlägt, sondern um zwei, besonders auch
moralisch völlig verschiedene Ansätze, der Konkurrenz das Leben
schwer zu machen.

Apple auf der einen Seite verteidigt sich nur gegen die zumindest
äußerliche Nachahmung seiner iOS-Produkte, sowie die Verwendung von
bisherigen Alleinstellungsmerkmalen von iOS. Konkrete Produktideen
anderer hat Apple jedoch offensichtlich nicht verletzt. Hersteller
mit deutlich abgegrenzten Produkten, wie z.B. Nokia/WM 7 werden nicht
behelligt, sondern man stellt sich fair dem Wettbewerb.

Google und die Android-Herstellerallianz auf der anderen Seite können
Apple schwer das "abkupfern" von Produkten vorwerfen, schließlich hat
man erst mit Hilfe des Ex-Apple Angestellten Android-Gründers Andy
Rubin und den ab 2007 greifbaren Vorbild-Produkten aus Cupertino
ähnliche Produkte zustande gebracht. 

In fast allen aktuellen Gerichtsduellen wird immer wieder deutlich,
dass Apple keinesfalls "ohne zu fragen" standardrelevante Patente
eingesetzt hat, sondern sich immer um eine Lizenzierung bemüht hatte,
sofern die Patente nicht sowieso in höchstem Maße fragwürdigen
Bestand hatten.

Viele (Lizenz-)Vereinbarungen, wie z.B. über Qualcomm-Bauteile oder
Mobilfunktechniken werden nun von Motorola oder Samsung erst im
nachhinein in Frage gestellt. Sicher hatte man bei Vertragsabschluß
nicht mit dem durchschlagenden Erfolg des iPhone gerechnet – das
ganze erinnert an das unredliche Geschäftsgebaren eines Vermieters,
der nach sichtbarem Erfolg seines Mieters versucht, nachträglich die
Miete zu erhöhen.

Noch schäbiger die Fußangel der heute ausschlaggebenden Motorola
GPRS-Patente. Diese größtenteils veraltete, jedoch noch immer
unumgängliche Technik soll nun zur Erpressung Apples eingesetzt
werden, damit man schadlos die Erfindungen Apples ausweiden darf.

Jeder Mensch mit einem Mindestmaß an Gerechtigkeitsempfinden erkennt
schnell, wo hier die Trennlinie zwischen Gut & Böse verläuft. Auf der
einen Seite Apple, seine Innovationen und den mühsam erkämpften
Marktanteil verteidigend, auf der anderen Seite Google und seine
Android-Vasallen, erpresserische Nachahmer, denen nichts anderes
übrigbleibt, als schon geltende Vereinbarungen und
Lizensierungspraktiken zu brechen, um dem vorauseilenden Mitbewerber
Knüppel zwischen die Beine zu werfen.

Für jeden neutralen Beobachter besorgniserregend sollte jedoch
Motorolas und damit Googles Bereitschaft sein, nicht vor dem
missbräuchliche Umgang mit FRAND-Patenten zurückzuschrecken. Nicht
nur die Wettbewerbsbehörden müssen hier dringend eventuell
heraufziehende Kartellbildungen miteinkalkulieren, auch die teilweise
sorglos naiven Verfechter von quelloffener Software sollten sich
nicht vor den Karren eines "Wir tun doch niemals böses"-Konzerns
spannen lassen.

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