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  • jumpm

mehr als 1000 Beiträge seit 25.06.2001

Aus Sicht der Verleger ist Google/Android nicht der Messias, sondern...

allerhöchstens den Teufel mit dem Beelzebub austreiben.

Warum?
Man erinnere sich doch nur: Aus Verlegersicht ist Google ein Dieb,
der ihnen die Arbeit im Internet kaputt macht / jedes Preismodell
welches nicht nur auf "werbefinanziert" rausläuft verdirbt.

Kritik gibt es mindestens seit 2004:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/18/18463/1.html
2006 wollte man gar nicht mehr in den Suchmaschinen vertreten sein:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Verleger-wollen-Online-Nachrichten-vor-Suchmaschinen-schuetzen-165380.html
2009 sollte dann endlich Geld fließen:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Suchmaschinenbetreiber-sollen-fuer-Nachrichten-zahlen-821108.html
In Deutschland diskutiert man ein Leistungsschutzrecht für die
Verlage, bei dem ganz klar Google als Feindbild gesehen wird (wenn
auch nicht mehr als einziges):
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Leistungsschutzrecht-Nicht-nur-Google-soll-zahlen-952766.html

Wäre das nicht schon genug, hat Google nicht nur bei Nachrichten und
Magazinen, sondern auch bei einer wichtigen weiteren Kategorie der
Printerzeugnisse sich den Unmut der (deutschen) Verlage zugezogen:
Bücher!
http://www.heise.de/ct/meldung/Buchverlage-reichen-Einwaende-gegen-Google-Books-bei-Gericht-ein-753969.html

Und in dieser Situation wollen einige hier im Forum Android als die
Alternative ins Spiel bringen? Wie schizophren ist das denn!
(Natürlich: Sowas würde keinen denkenden Menschen mehr wirklich
überraschen, denn wer wie andere Vertreter der Content-Industrie
fleißig die eigenen Kunden verklagt, braucht sich über Schizophrenie
nicht viele Gedanken machen...)

Und das, nachdem die Verlage festgestellt haben, dass ein anderer
Anbieter weit mehr Geräte in einem Format verkauft, welches für
Printmedien abseits von Büchern ideal zu sein scheint?

Hintergrund: eBook-Reader mit eInk sind sicher genial um (extrem
Textlastige) Bücher zu lesen - auf wirklich farbfähige Geräte muss
man jedoch noch warten. Für Nachrichten galt aber schon lange "Ein
Bild zählt mehr als tausend Worte" und die "Macht der Bilder" wird
schon lange diskutiert, und ganz bestimmt seit dem Vietnamkrieg nicht
mehr angezweifelt und wurde durch Abu Ghuraib nochmal kräftig in
Erinnerung gerufen. 
> http://www.geschichteinchronologie.ch/as/vietnam/vietnamkrieg-fotos.html
> http://de.wikipedia.org/wiki/Abu-Ghuraib-Folterskandal

Bei den (mir persönlich nicht wichtigen, aber sicher sehr lukrativen)
Klatschmagazinen ist es bestimmt noch schlimmer: Wer wurde
händchenhaltend von einem Paparazzi erwischt? Bei wem könnte sich ein
Babybauch abzeichnen? In was für einem Kleid erschien wer zu einem
großen Auftritt?

Also sind eInk-Geräte erst mal keine Alternative für Zeitungs- und
Zeitschriftenverlage.

Am Smartphone-Boom würde man gerne mitverdienen, aber man hat wohl
doch eingesehen, dass speziell auf Mobilgeräte zugeschnittene
Webseiten nur wenig Inhalt präsentieren können. Denn erfahrung hat
man schon mit den gescheiterten WAP-Portalen gemacht und fast jeder
Verlag bietet eine "iPhone-optimierte"-Seite. Was man aber wohl auch
im Zuge des Smartphone-Boom berichten kann:
Angebote von kostenlosen wie kostenpflichtigen "Apps" für das iPhone
generieren Umsätze und rechnen sich wohl für viele Verlage.
http://www.heise.de/mobil/meldung/Axel-Springer-verbucht-iPhone-Anwendungen-als-Erfolg-905638.html

Was liegt also näher, als nun beim offensichtlich erfolgreichen Start
des iPads als neue Geräteklasse zwischen Smartphone/Mediaplayer und
vollwertigem Rechner sich mit diesem anzufreunden?
(Zur Erinnerung: Genau so hat Apple das iPad vorgestellt - unabhängig
davon was für Zahlenjongleure bei den Wirtschaftsanalysten das iPad
jetzt doch 
a) als Netbook zählen und da Netbooks ja als Notebooks und damit als
Mobilcomputer gezählt werden somit auf ein mal doch ein "PC" sein
sollen (was auch der Originaldefinition von PC entspräche - aber
natürlich heute meist nicht mehr so verstanden) oder doch 
b) als "Media Tablet" aber weder als "Mediaplayer" (wo der iPod noch
immer unangefochten an der Spitze steht) noch als "eBook Reader"
(seit wann sind Bücher keine Medien? Und seit wann ist "Lesen" nicht
ein Vorgang der Mediennutzung?) noch als "Tablet PC" (denn das ist ja
eine Marke von Mircosoft/Windows und kann deswegen nie mit einem
anderen OS verkauft werden - selbst wenn Netbooks inzwischen auch als
Convertible angeboten werden ... erst wenn darauf Windows läuft,
werden sie "Tablet PC").)

Von dem Erfolg der iPods als Medienplayer hätte man vielelicht sogar
die Zuversicht, sich hier nicht mit einem ewigen Verlierer
einzulassen sonder vielleicht auch mal auf das richtige Pferd zu
setzen...
Und erste Verkaufsstatistiken und Schätzungen für die nächsten Jahre
scheinen einen hier zu bestätigen:
http://www.heise.de/mac-and-i/meldung/iPad-dominierte-Tablet-Markt-im-vergangenen-Jahr-deutlich-1172102.html
http://www.heise.de/mac-and-i/meldung/Marktforscher-iPad-dominiert-Tablet-Markt-bis-2012-1169977.html

Und jetzt das?! Man soll Apple eine Möglichkeit geben, nicht nur
seine Geräte an die Kunden zu verkaufen, sondern auch noch an den
Inhalten mitzuverdienen? Oh mein Gott, das hat es doch noch nie im
Printbusiness gegeben!!!1!!elf!!
Die Druckereien, die Zeitungsausträger, die Kioskbesitzer - alle
haben das doch nur gemacht, um die Inhalte zu verbreiten und den
Verlagen ein gutes Auskommen zu bescheren - also all jener, welche
man bei eletronischer Distribution nicht mehr benötigt und deren
Anteil am Kuchen man doch so gerne nun selbst eingestrichen hätte -
weswegen die Preise der elektronischen Erzeugnisse in Form von Apps,
Abomodelle und eBooks ja gerne in etwa so viel gekostet haben wie die
gleichen Printerzeugnisse obwohl die Herstell- und Vertriebskosten ja
um Welten geringer sein dürften. 

Ehrlich: Mit etwas Weitsicht hätte man das vielleicht erahnen können.
Aber Weitsicht scheint ja bei vielen Vertretern der Content-Industrie
ein sehr seltenes Gut zu sein.

Also versucht man es halt mal wieder wie die letzten Jahre so oft:
Jammern, Jammern und nochmals Jammern. Vielleicht hilft einem ja die
Regierung...
Natürlich ganz ohne Gegenleistung, denn die Regierungen sind ja auch
gar nicht auf einen guten Draht zur Presse angewiesen. 

Ciao,
JumpM

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