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  • Stoffelchen

mehr als 1000 Beiträge seit 18.12.2009

Abstraktion ist Denkvermögen, Video gucken ist Nachäffen

Tobias Claren schrieb am 17.12.2017 06:26:

LordSim schrieb am 06.02.2017 22:39:

Man beschäftigt sich bei allen Kästen mit Grundlagen. Wissen wir spielerisch vermittelt. Ich bin blöderweise hoffnungslos "old school". Ich lerne lieber Dinge auf dem "Papier" - und beschäftige mich mit den Themen, die mich interessieren. Vielleicht bin ich auch "abartig" - hab ich die Wahl zwischen einem (guten) Buch und einem "Baukasten" - weiß ich, für was ich mich entscheide.

Hat was von diesem Volks-Alki (weil er das so normal darstellt) Ulrich Wickert.
Der hat sich auch gerne als "kultiviert" versucht zu verkaufen, indem er z.B. mal im TV vom "Guten Fläschchen Wein" (das dreifache dessen was bei einem Mann laut WHO die Grenze zum Alkoholproblem ist) und "guten Buch" im "Ohrensessel" vor dem "Knisternden Kamin" schwurbelte. Ein Buzzword und Klischee nach dem Anderen...
Wenn Rauchen nicht "out" wäre, fehlt nur noch die Pfeife...

Lesen ist übrigens etwas künstliches. Das Lesen für jeden began auch erst vor evtl. rund 500 Jahren...

Ein Hund kann nicht lesen, den darfst du dressieren.
Abstrakte Aufgaben wird er damit nicht lösen lernen.
Die Zivilisation machte einen riesigen Satz nach vorne, als man mittels abstrakten Mitteln Wissen veränderungssicher und weitergabefähig aufbewahrte. Viele verschiedene Konzepte der Schrift, jeweils mit Eigenheiten.
Wer das beherrschte, hatte Möglichkeiten.
Ohne diese Abstrahierung wäre keine Wissenschaft entstanden. Es ist ausserdem unpraktisch einen durchzufüttern, der den Homer und anderes auswendig rezitieren kann (wie noch vor gut 100 Jahren manche es konnten).

Vorführungen sind Brot und Spiele fürs Volk.Nun ist es simpler, sich woanders Kniffe abzuschauen, dank Youtube. Man kann ein paar Fertigkeiten lernen ... manche kommen halt nicht über Nachahmung hinaus.
Das schafft kein zusätzliches Wissen.

Ein Video ist daher nicht schlechter als ein Buch, sondern stellt die technisch nächste Alternative zum Lernen von einem Menschen dar.
Software und VR sind eine interaktive Alternative zum Video, und besser als das Buch.

Wer das verneint, der sagt auch dass das Buch besser ist als das praktische Lernen von einem Menschen...

Freilich ist das Buch besser.
Nicht für den der was nachäffen will und dem es nicht darauf ankommt, warum etwas so ist ... Dein Video/VR-Gewünsche ist das Ergebnis von Menschenarbeit, auf Distanz zum Menschen konsumiert.
Das liefert keine eigenständige Arbeit, sondern Leute, die - wie du schön meckerst - dressierte Leute in den sooo niederen Arbeiten das beibringen, was halt nötig ist.
Wer weiß wie er was anklemmen muss, der muss doch nicht verstehen, was er da tut.
Die Brocken der Erkenntnis vom Tisch der Wissenden, mundgerecht für die aufbereitet, die halt lieber Bilder gucken statt sich dafür zu interessieren, WAS sie da gerade tun.

Daher ist ein Video oder Software/VR im Grunde eher "oldschool" als das Buch...

was einen zwanglos zur Erkenntnis führen könnte, dass das Buch moderner ist, und VR das aufgehübschte, entpersonalisierte "ich machs vor, du machst es nach" .. wie man es in tumber Form einem Hund zeigt, oder sinnfrei ohne jede Erklärung manchem Kind vorsetze ...

Aber es soll auch jemand gegeben haben, der sich da Schwimmen mit einem Buch bei brachte...

Der Typ mit dem Flugsimulator hat meist nur gelernt, Abläufe zu kopieren und ggf. mit aktuellen Daten aufzufüllen. Ein Pilot kann weitaus mehr, nicht nur, weil er mehr Abläufe trainiert hat. :-D

Wer sich "vorstellen kann" was in dem Schwimmbuch beschrieben ist, ist durchaus auch in der Lage, das umzusetzen.

Der eine ersäuft dann halt weil ihm niemand zeigt wie es geht, der andere ist interessiert an Erkenntnisgewinn, hat Vorstellungsvermögen ... und eignet sich Fertigkeiten aus abstrakten Darstellungen an.
Damals (TM) konnte kaum einer lesen, weil es kaum etwas zu lesen gab (unglaublich teuer war in der Produktion, die wenigsten hatten lesen gelernt mangels Schule, und vieles war in anderer Sprache verfasst).

Kaum waren Druckerzeugnisse bezahlbar, machte es Sinn, lesen zu lernen.
Der erreichbare Pool an Fertigkeiten und Tipps ("schau mal, so macht ein Affe die Banane auf, und dafür ist das Loch in der Spaghettigabel, etc.") ist übersichtlich.

Programmieren lernt man nicht vom abglotzen, sondern der Fähigkeit, abstrakte Probleme zu verstehen, Lösungen zu generieren und mitttels 102+ Tasten zu lösen.

Wäre KI simpel, wären Programmierfehler automatisch anhand der Fehlermeldung daraus zu beseitigen. :-D
Es fehlt aber das Verständnis für das zu lösende Problem.

Einen akademischen Grad ohne eigenständige Arbeit abzuliefern? Nö.
Eine Forschungsarbeit mit Video statt Schriftform dokumentieren? Nö.
Beweis mit Video statt Schriftform? Nö.

Visualisierung der Ergebnisse zwecks An-schau-lichkeit nutzt die Fähigkeit des Hirns, Muster und Darstellungen leichter zu verarbeiten. Ein Blick auf das Bild aus dem CT, das sind nur visualisierte Messwerte. Das Gerät zu entwickeln und zu bauen aus "ich schau das mal ab" ist wegen Innovation schon mal nicht drin.

Intelligenz ist daher auch nicht "schneller Denken", sondern ein Konglomerat aus unterschiedlichen Fertigkeiten:
- Abstraktion
- Kreativität
- Übersicht
- Wissen
- ...

Klein-Gauß der die Zahlen von 1-100 addieren sollte, war findig.
Man kann es mit brachialer Geschwindigkeit zügig lösen.
Man kann die Formel lernen/finden, und es elegant und schnell lösen.
Man kann auch für viele Zahlen die Werte ggf. parat haben (z.B. Quadratzahlen).

Je nach IQ wird man an unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad oder Zeitbedarf an seine Grenzen kommen. Ein guter Test ist insofern nicht durch Übung besser zu schaffen.
Da geht es letztlich auch um Kreativität, abrufbare Fähigkeiten wie Werkzeuge passend zu kombinieren.

Aus Abstraktion und Kreativität ergeben sich dann die Möglichkeiten, die anderen nicht so ohne weiteres zugänglich sind.

Beispiel: man berechne 73 x 37
Es gibt viele Wege zum Ergebnis.

Mancher mag 73x40-3x73 schnell finden (x4 ist 2 Verdopplungen).
Andere fänden 40x75-3x75-2x37 passender (erster Teil ist "glatt", 2x37 ist fast 75 und mit der Ähnlichkeit von 4x75 zu 40x75 schnell als 3000-300+1 umsetzbar).
Andere fänden 70x40+3x40-3x73 "einfacher".
Andere Wege böten Addition aus Summanden aufbauend, z.B. auf 70x30.

Kreativ gedacht fällt die Aufgabe in das Feld der Quadratzahlen:
Alternativen gibt es genug, z.B. 37²+36²+36 (was direkt die Variationen bietet wegen (36+1)²=36²+2x36+1 und damit zu 2x36²+3x36+1 wird [somit weitere Summanden aus 36²=900+360+36 zusammenfasst zu (2x(10+1)+3)x36=25x36=900 und die Aufgabe zu 3x900+1 wird], mit den Optionen über auswendig gewussten Quadratzahlen, Herleitung über (35+1)² oder (40-4)²) etc. pp.

Ich rechne nochmals anders, weil ich nicht direkt den Weg über die Auflösung der Teilaufgaben mit 36² als Option "sehen" kann.
Ohne nachdenken ist mir aber die Symmetrie nach 3. Binomi um die 55 zugänglich, als
(55+18)(55-18) = 55²-18²,
nutze bewusst 1. Binomi wegen (a+5)²=a(a+10) +25 [Quadratzahlen mit Endung 5 sind Ziffern vor der 5 multipliziert mit um eins erhöhtem Wert, dahinter "25" geklebt],
also 55² = "5x6"gefolgt von der Ziffernfolge"25", also 3025
18² "weiß man" als 324, und ist trivial von 3025 zu subtrahieren, Ergebnis 2701.
Weil ich "weiß" dass im Rechenweg 18² folgt, habe ich keine echten 4-stelligen Summanden. Die Aufgabe zerfällt durch die Wahl des Rechenwegs in die Teilaufgaben
1) "5x6-3" als erste Ziffern,
2) dahinter "01" wegen 25-24
Diese beiden Schritte kann ein Grundschüler schon zügig rechnen, aus "nichts anderem" besteht die Aufgabe "73x37".
Ich habe nicht mehr als 1) und 2) "gerechnet", die Lösung der Aufgabe ist zuvor durch Abstraktion und Fertigkeit in die Zerlegung vorbereitet. Anschaulich beschreiben würde ich es als 3025-324, ich verwende es aber nicht als Zwischenschritt.

Das ist nichts anderes, als Gauß mit der Addition der ersten hundert Zahlen aus der Aufgabe mit seiner Überlegung abstrahierte. Nachdenken, verstehen, dann der Rest.

Analog funktionieren Fragestellungen aus ganz anderen Bereichen für alle, die abstrakte Fähigkeiten gelernt verinnerlicht haben, und dadurch erst kreativ anwenden können.
NIEMALS kann das ein Nachäffer.

Derlei Zeugs gibt es vieles, auf manches kommt man auch von selbst.
Die Zeit in einer Lehre/Ausbildung ist idealerweise viel Training der Fertigkeiten (was man 10.000x gemacht hat, sitzt) sowie die Zeit, die Sammlung der Werkzeuge für die Lösungswege aufzubauen.

Die Wahl des Rechenwegs ist immer eine sehr bewusste Wahl, weil
1) ich nicht schriftlich subtrahieren kann, inverse Rechnung kostet extra :-D
2) ich mir direkt aus meist gut einem halben Dutzend gängiger Rechenwege aussuchen kann, was 1) am besten erfüllt
3) ich alle mir geläufigen Rechenwege parallel als Vorschlagswesen im Kopf habe, also eine Vorstellung von Komplexität und Zahl der nötigen Schritte ab Entscheidung.

Lerne ich einen weiteren Rechenweg und habe ich genug Übung darin, wird der ab dem Moment als Alternative in der "Vorschlagsliste" auftauchen, zum Preis, dass die Anforderungen an Überblick und Konzentration höher werden. Aber ggf. habe ich so mehr Geschwindigkeit, oder überhaupt einen fertigen Rechenweg.

Mein Handicap: Ich kann nicht schriftlich subtrahieren, kann das nicht "lernen".

Trotzdem bin ich berüchtigt wegen Mathe und Kopfrechnen. Mir fallen viele Fehler ohne nachdenken auf, mache aber je nach Stresslevel selber welche.
Will sagen: abstrakte Fähigkeiten können ganz problemlos fehlende andere abstrakte Fertigkeiten ersetzt.
Das ist mit andressiertem Nachäffen von Abläufen schlicht nicht möglich.
Wer aus den so andressierten Abläufe etwas "machen" will, muss selbst abstrahieren können, was er da gerade macht ... also durchaus auch, WARUM das funktioniert etc. pp.

Die Kopfrechenprofis arbeiten nochmal anders, das ist eine andere Liga.
Da läuft extrem viel über abrufbare Ergebnisse (Rüdiger Gamm als bekanntestes Beispiel, ein schlechter Schüler, ist aber Savant, und Rechenkünstler aus Memorieren).

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (07.09.2018 17:47).

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