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  • Brux Elles

287 Beiträge seit 06.09.2005

[BBBB] - Brux’ banaler Bericht aus Brüssel

Heute: „’allo, ’allo?“

Wer zwischen Weihnachten und Neujahr in Brüssel ist, hat die Stadt
fast für sich alleine. Echte Belgier leben ohnehin kaum in der Stadt
(sondern eher in den kleineren Städten in der Umgebung), und wer
irgendeine Möglichkeit hat, fährt nach Hause, also meist in’s
Ausland.

Das macht es uns Dagebliebenen leichter, mal eben mit dem Auto durch
die Stadt zu fahren. Auch auf dem Markt ist das Gedränge nicht so
schlimm wie sonst. Allerdings sind die meisten Cafés und Brasserien
auch geschlossen, so dass man es früher oder bereut, nicht auch das
Weite gesucht zu haben.

Die EU ist übrigens auch geschlossen. Na ja, nicht offiziel, aber da
die Eurokraten aus allen Ländern der EU kommen, haben die meisten
Institutionen bestenfalls eine Notbesetzung aufzubieten.

Hier haben die Belgier bei der EU freilich das schlechteste Los
gezogen. Da sie nun mal in der Nähe wohnen, fällt es schwer, zu
begründen, dass man unbedingt Weihnachtsferien benötigt, um die
Familie zu besuchen.

Noch schlimmer für die Belgier: sie haben keinen Anspruch auf
Fahrtkostenzuschuss. Nun, das muss ich erklären: Die Bezahlung bei
der EU gilt ja eigentlich als ausgesprochen gut, aber tatsächlich ist
das Grundgehalt, na ja, nicht allzu schlecht, aber auch nicht soooo
toll dass man dafür eine möglicherweise einfachere Karriere in der
freien Wirtschaft sausen lassen sollte.

Dazu kommt aber noch einiges an Zulagen: Zunächst ein Extra-Gehalt um
sich in Brüssel niederzulassen, dann ein Jahr lang ein Bonus zur
Eingewöhnung an die neue Umgebung – und schließlich für immer eine
entfernungsabhängige Zulage, um regelmäßig nach Hause fahren (bzw.
fliegen) zu können.

Ganz klar dass hiervon die Griechen am meisten profitieren. Für die
Belgier jedoch – tja, Pech gehabt. Die sind ja schon zuhause.

Immerhin, Fahrscheine für Zug oder Metro sind recht günstig. Für 10
Euro bekommt man eine 10-er Karte für ganz Brüssel, für 65 Euro eine
Zehnerkarte um mit dem Zug an jeden Bahnhof des Landes zu kommen.

Nun, zugegeben, sehr weit kann man in diesem Land in keine Richtung
fahren, aber ein bißchen was gibt es schon zu sehen.

Zum Beispiel hat Belgien einen schönen breiten Sandstrand entlang der
– ansonsten leider ziemlich durchgängig verbauten – Küste. Das Wort
„verbaut“ kann man wörtlich nehmen. Praktisch die gesamte Küste
entlang stehen sieben- bis achtstöckige Appartmentblöcke, praktisch
„Schulter an Schulter“. Alle mit Seeblick, wirklich sehr hübsch – der
Seeblick meine ich; die Häuser nicht so sehr.

Noch ein schwereres Los hat man übrigens, wenn man als Beamter der
Kommision oder des Parlamentes während der Weihnachtsfeiertage eines
der ‚Roten Telefone’ hüten muss. Diese sind übrigens nicht rot
sondern schwarz, und sie sehen auch nicht aus wie in
Hollywood-Filmen, sondern es sind Mobiltelefone (Um keinen Flamewar
zu starten wird die Marke hier aber nicht verraten ;-)

Solange man die entsprechenden Leute auch auf normalem Weg erreichen
kann– also tagsüber – benötigt tatsächlich niemand so ein ‚Rotes
Telefon’. Damit man aber erreichbar ist, wenn einmal nachts etwas
passierte, was dringende Reaktion benötigte, muss irgend jemand das
Telefon mit nach Hause nehmen, und – nun ja, ‚hüten’.

Dies ist übrigens eine Aufgabe, die reihum (vulgo: ‚turnusmäßig’) den
höheren Beamten auferlegt wird, die bei Bedarf auch mal den
Präsidenten der Kommision aus dem Bett telefonieren dürften, was aber
zum Glück noch nie nötig war.

Tatsächlich wurden diese Telefone, zumindest so weit ich es
herausfinden konnte, überhaupt noch nie benötigt. Trotzdem ist jeder,
der diese Verantwortung übernehmen muss, verständlicherweise eher
nervös, dieses Ding könnte irgendwann plötzlich anfangen zu klingeln.

Kein Wunder, dass es als besonders lustiger Kollegenstreich gilt, mal
eben auf dieser (eigentlich geheimen) Nummer anzurufen, und eine
fröhliche Weihnacht oder ähnliches zu wünschen.

Mal sehen, bestimmt bekommt heute Nacht der eine Direktoratsleiter
noch Neujahrsgrüße auf sein ‚rotes’ Telefon. Ich würde sogar darauf
wetten :-)

Bis zum nächsten Mal

viele Grüße aus der europäischen Hauptstadt

Brux Elles

PS: Ab sofort gibt es diese Beiträge auch also Blog unter
<http://bruxelles.blog.de/>.
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