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  • Carbidschieter

480 Beiträge seit 23.04.2014

Da hat der Deutsche Schaum vor dem Mund

Lieber die Ehefrau vom Marokkaner betatschen lassen, als das eigene Auto.

Über 500 Beiträge zu einem mehr oder minder gelungenen Kommentar einer dubiosen "Hobby-Technik-Zeitung". Ich kenne den Herrn Honsel nicht, wohl aber die Tankstellenkette Honsel. Nun gut.

Kaufanreize für ein Auto sind eine zweischneidige Angelegenheit in Deutschland. Jahrelang gehörte es zum guten Ton "deutsche Autos" und "deutsches Benzin" zu tanken. Die Autos waren aus deutschem Stahlblech und wer sich mit einem Renault auf das Werksgelände von Krupp, Thyssen, Mannesmann und Klöckner verirrte hatte leicht ein paar Beulen an der Karosse.

Diese aufrechten Malocher sind vor zwanzig Jahren in den Frühruhestand geschickt worden, haben sich entweder totgesoffen oder besitzen kein Fahrzeug mehr. Opel hat in Bochum dicht gemacht - das Stahlwerk gibt es schon viel länger nicht mehr - aber die Legende vom hochqualitativen deutschen Auto lebt weiter. Eine solche irrationale Denkweise, bar jedes kaufmännischen Verstandes wird sich nicht durch Kaufprämien zum Elektroauto leiten lassen. Das ist auch absolut dumm.

Als Fahrer eines Elektrofahrzeugs wird man sehr häufig angesprochen. Die Fragen drehen sich in 90% um die Reichweite und die Geschwindigkeit. Meist wird bei der Reichweite schon abgewunken. Deutschland scheint also nicht das Land der Dichter und Denker zu sein, sondern das Eldorado der Außendienstler. Offenbar spult jeder Bürger täglich eine Kilometerleistung von 500 km ab. Wann wird da eigentlich gearbeitet?

Selbst die angebeteten Autohersteller bieten teure Fahrzeuge mit Reichweiten von 150 km an. Dann ist Sense. Natürlich will man die althergebrachten Verbrennungsmotorfahrzeuge noch weiter verkaufen. Der Koofmich will verkaufen und was er verkauft, das ist ihm völlig egal. Alles weitere übersteigt seinen geistigen Horizont.

Wenn Elektrofahrzeuge in nenneswerter Anzahl in Deutschland umher fahren sollen, dann muss diese Gesellschaft völlig umgekrempelt werden. Als ob das die derzeitige Bundesregierung vor hat, oder überhaupt geistig in der Lage ist, so ein gewaltiges Unterfangen zu steuern.

Die mobile Gesellschaft in der BRD muss sich verändern. In der Zukunft wird keine Reise mehr mit nur einem Verkehrsmittel durchgeführt werden können. Autoreisezüge würden die weiten Fahrstrecken bewältigen, am Endbahnhof stiege man in das Fahrzeug, um nach kurzer Autofahrt sein Fahrtziel zu erreichen. Das heutige Park and Ride - Prinzip würde weiter ausgebaut. Dazu müsste die Deutsche Bahn aus der Privatisierungsklemme genommen werden. Durch diese neoliberale Schnapsidee ist der Zustand der Bahn dermaßen marode, unzuverlässig und unsicher, wie am Ende der Ära Thatcher in Groß-Britannien. Typisch neoliberal halt. Es kann nicht angehen, dass die Deutsche Bahn AG auf bestimmten Linien nur noch eine Pünktlichkeit von 34% aufweist und dies bereits seit Jahren. Züge dürften dann nicht einfach mehr ausfallen, weil BWL-Studenten bei einem Praktikum bei der DB ausgerechnet haben, dass es günstiger ist den paar einsamen Kohlhasen, die Schadenersatz einklagen, ein paar Euro zu zuwerfen, als in die Fahrplanzuverlässigkeit zu investieren.

Es gäbe eine gewaltige Umwälzung in der Zulieferindustrie, wodurch viele Arbeitsplätze frühzeitiger wegfielen und die Arbeitslosen es sich bestimmt nicht leisten können Elektroautos zu kaufen, weil die Fahrzeugprämie als Einkommen auf HARTZ IV angerechnet wird. Das Problem kommt in jedem Fall, aber die Bundesregierung achtet peinlich darauf, dass es auf ferne Legislaturperioden verschoben wird.

Ein sehr gewichtiger Punkt ist die Ladeinfrastruktur. In den Niederlanden besteht ein dichtes Netz des Unternehmens "Fastnet". Jedoch ergibt sich für den Pendler folgendes Problem: Das Kfz darf an einer Ladesäule nur während des Ladevorganges stehen. Ist die Ladezeit kürzer als die Arbeitszeit, so blockiert das Fahrzeug die Ladesäule. Eine Lösung wie in Nordschweden müsste geschaffen werden. Dort ist jeder Parkplatz mit einer Steckdose versehen. Damit soll verhindert werden, dass bei extremen Temperaturen um die -35°C der Diesel sich verfestigt und die drehenden Teile auf einer Mindesttemperatur gehalten werden, so dass ein Kaltstart weder zu Materialbrüchen, noch hohem Verschleiß führt. Das ist eine Aufgabe, die weder aus der Portokasse zu bezahlen ist, noch nebenbei eingerichtet werden kann.

Betrachtet man diese Punkte, so wird ersichtlich, was für ein Umdenken bei der Bevölkerung notwendig ist und welche tiefgreifenden Veränderungen die Gesellschaft ertragen und mitgestalten muss. Damit lässt sich für eine Partei im Wahlkampf sicherlich kein Blumentopf gewinnen. Darum wird der technologische Rückstand weiterhin durch Verkaufskanonen als Innovation beworben - nur gibt es eine Regel im Wirtschaftsleben, die gern verdrängt wird: "Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit."

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