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  • alkalamba

mehr als 1000 Beiträge seit 18.06.2001

Könnte es sein, dass einige ihr Helfersyndrom ausleben müssen?

Bei allem Verständnis für die Situation der Flüchtlinge: Was da in München passierte, kann kein Dauerzustand sein. Flüchtlinge, die mit Kuscheltieren beworfen werden. Polizei, die mit Lautsprechern und über Twitter Durchsagen macht, dass nichts mehr gespendet werden soll, weil der Bahnhofsvorplatz überquillt. Menschen mit offenbar sehr viel freier Zeit, die euphorisch "Refugees Welcome"-Plakate hochhalten und die Flüchtlinge bejubeln, als wären es Fußballstars.

Es gibt eine schöne Simpsons-Folge, bei der eine Ölpest die Küste heimsucht. Lisa Simpson sieht im Fernsehen ölverschmierte Robbenbabys und beschließt natürlich sofort, hinzufahren und den Robben zu helfen. Als sie ankommt, sagt ihr eine Organisatorin allerdings: "Leider sind alle Robbenbabys bereits von Prominenten belegt. Aber Du kannst die Felsen da schrubben!" Im Hintergrund sieht man diverse Prominente, die Robben demonstrativ von Öl befreien und dabei in einen Haufen Kameras grinsen.

Das Problem ist nur: Es ist eben auf Dauer nicht damit getan, mal eben ein paar Hygieneartikel zu kaufen und zum Bahnhofsvorplatz zu fahren. Diese Menschen sind gekommen, um zu bleiben. Sie werden auch noch da sein, wenn die Euphoriewelle längst verebbt ist und die Kamerateams weg sind. Und dann fangen die Probleme erst richtig an.

In München herrscht jetzt schon enorme Wohnraumknappheit. Die Flüchtlinge werden vor allem mit Deutschen in prekärer Situation und den "alteingesessenen" Menschen mit Migrationshintergrund konkurrieren um bezahlbaren Wohnraum, um Sozial- und Gesundheitsleistungen, einfache Arbeitsplätze, auch um Spenden und Hilfsleistungen, die nicht ewig so weiterfließen werden wie jetzt. Nicht zuletzt werden sie auch um Frauen konkurrieren, denn ein Großteil der bei uns Ankommenden sind junge Männer. Die Deutschen in den weniger gutsituierten Stadtteilen werden damit zurechtkommen müssen, dass ihre Kinder plötzlich in Klassen sitzen, in denen die Hälfte arabische und afrikanische Immigrantenkinder mit rudimentären Deutschkenntnissen sind. Die Flüchtlinge werden dort wohnen wollen, wo die Jobs und ihre Communities sind - also eben nicht in den entvölkerten Regionen im Osten, sondern in den boomenden Ballungsräumen, wo Sozialwohnungen jetzt schon fast unmöglich zu bekommen sind. Dort werden Ghettos entstehen, in denen kaum noch Integrationsdruck besteht.

Gegenüber den derzeit öfter bemühten Flüchtlingen aus den deutschen Ostgebieten haben wir in diesem Fall mindestens drei zusätzliche Konfliktdimensionen: Kulturell, religiös und sprachlich. Deutsch kann man lernen, aber unsere Erfahrung zeigt, dass ein Teil der Flüchtlinge, die effektiv doch fast alle Immigranten sind, dies nicht schaffen und in Parallelgesellschaften hängen bleiben wird. Ihre Religion wird die ganz überwiegende Mehrheit nicht ablegen wollen, und der funktionale Agnostizismus und Atheismus, den inzwischen die meisten "Biodeutschen" vertreten, dürfte ihnen extrem befremdlich erscheinen. Kulturell gibt es ebenfalls enorme Gräben, das fängt schon an bei der im arabischen Raum nicht eben selten offen gelebten Korruption.

Es ist kein Zufall, dass man fast nirgendwo mehr bei den Leitmedien im deutschen Internet offen zu Artikeln mit Flüchtlingsthemen kommentieren darf. Die deutsche Unterschicht ahnt, dass sich durch den Flüchtlingszustrom der Konkurrenzkampf verschärfen wird und alle moralisch wohlfeilen Äußerungen der Spitzenpolitiker nichts daran ändern können. Und sie rebelliert dagegen - mitunter verbal ungeschickt, unbedacht und aggressiv, und wahrscheinlich letztlich auch vergeblich. Es ist auch kein Zufall, dass überschwängliches Lob für die Flüchtlinge vor allem aus der Ecke der Gutsituierten zu hören ist. Nach Hamburg-Blankenese schafft es höchstens der syrische Nierenspezialist mit geschliffenen Umgangsformen, der aus langjährigen vergangenen Deutschlandaufenthalten fließend Deutsch spricht und sich sofort bestens in die High Society integriert. Der lässt sich gut auf jeder Cocktailparty herumzeigen, auf der man Toleranz und Weltläufigkeit demonstrieren will.

Es wird Konflikte geben, und sie werden auf dem Rücken der Schwachen ausgetragen werden. Denn eines ist klar: Es gibt Grenzen der Belastbarkeit. Sie mögen bei einer Million pro Jahr noch nicht erreicht sein. Aber spätestens bei zehn Millionen in einem Jahr und staatlichen Erlässen zur Zwangseinquartierung von Flüchtlingen wird irgendwann ein Punkt erreicht sein, wo es selbst dem nettesten und naivsten Willkommenskulturverfechter zuviel wird. Kurzfristig verursacht jeder einzelne Flüchtling Kosten in fünfstelliger Höhe - pro Jahr. Selbst wenn die Flüchtlinge nach einigen Jahren für sich selbst sorgen können, wird dieser Kostenblock weiter steigen, solange die Zahl der neu ankommenden Flüchtlinge weiter steigt. Je mehr "Willkommenskultur" Deutschland in den internationalen Medien vermittelt, desto mehr Flüchtlinge werden sich auch auf den Weg machen. Und auch wenn ein Flüchtling für sich selbst sorgen kann, ist es oft noch ein weiter Weg bis zur Integration. Allein durch die Religion wird immer ein Graben bleiben. Eine Lösung des demographischen Problems kann eine Invasion fast ausschließlich junger Männer auch nicht sein.

Es mag schon sein, dass einige unbedachte Äußerungen im Netz und in den sozialen Medien von unreflektiertem Hass geleitet sind. Andererseits scheint es aber auch unreflektierte Naivität und Euphorie zu geben. Und hinter manchen drastischen Äußerungen könnte auch die diffuse Ahnung stecken, dass die Politik das wahre Ausmaß und die langfristigen Konsequenzen dieser Völkerwanderung gerade für die weniger gut situierte Bevölkerungsschicht totschweigt und die öffentliche Diskussion darüber tabuisiert.

Ein Arbeitskollege eines guten Freundes von mir ist syrischer Arzt. Der lebt schon sehr lange in Deutschland, hatte sich einen westlichen Lebensstil angewöhnt - inklusive Alkoholkonsum - und eine deutsche Frau geheiratet. Allerdings blieb die Ehe kinderlos. Er kam damit auf Dauer nicht zurecht. Eines Tages kam er auf die Idee, dass sein nicht gottgefälliges Leben eine Strafe für seine Kinderlosigkeit sei. Er ließ er sich scheiden und beauftragte seine in Syrien lebende Mutter damit, ihm eine rechtgläubige Frau auszusuchen. Er importierte diese Frau nach Deutschland, heiratete sie und hatte mit ihr drei Söhne nacheinander. Die Tatsache, dass sie ihm drei Söhne schenken konnte, die aus seiner Sicht mehr wert waren als Töchter, wertete er als göttlichen Fingerzeig, dass er auf den Pfad der Tugend zurückgefunden habe. Seitdem hat er bereits drei Pilgerfahrten nach Mekka gemacht und sein Leben vollkommen auf strenge Religiösität umgestellt.

Mein Bekannter hat versucht, ihm klarzumachen, dass die Kinderlosigkeit der ersten Ehe vielleicht einfach an Unfruchtbarkeit der Frau gelegen haben könnte und die Chance auf drei Söhne auch nicht so abstrakt niedrig liegt, was er als Mediziner doch eigentlich einsehen müsste. Aber er befindet sich jetzt in einem religiösen Wahn und hat auch schon mehrfach versucht, ihn ebenfalls zu missionieren.

Was ich mit diesem Erlebnis in meinem Bekanntenkreis ausdrücken möchte: Da kommen Menschen. Keine Heiligen. Menschen haben Interessen, kulturelle Prägungen, Bedürfnisse. Das alles ist nicht in Stein gemeißelt, aber auch nicht mit politischen Beschlüssen beliebig umformbar. Vor diesem Hintergrund halte ich die bedingungslose Euphorie, die gerade die führenden Medien ihren Lesern zu verordnen scheinen, für unverantwortlich.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (08.09.2015 12:54).

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