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  • Irwisch

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Re: Crowley war nur ein opiatsüchtiger Spinner ...

So einfach sind die Dinge dann nun doch nicht, denn es gibt nicht nur einen Satanismus. Da wäre z.B. der sogenannte reaktive Satanismus, eine als Protesthaltung gegen das bevormundende und Gehorsam erzwingende Christentum oder Judentum zu deutende Form, die sich vor allem an christlichen Teufelsvorstellungen orientiert. Daneben gibt es den gnostischen Satanismus, dessen Anhänger in Gott den Unterdrücker und in Satan den Befreier, den Lichtbringer (Luzifer, da steckt das Wort lucide drin) sehen. Als dritte Form kann man die Vorstellung von Gott und Teufel als zwei Seiten derselben Medaille sehen, als zwei Pole derselben Macht. Dann gibt es die beiden, vom Christentum abgeleiteten großen Sekten First Church of Satan und Temple of Set, beide im Internet zu finden. Und zuletzt noch die thelemischen Kulte, die sich direkt auf Aleister Crowley beziehen und bei denen der Teufel nicht im Mittelpunkt steht. Tatsächlich existieren zahlreiche Mischformen, wie das bei religiösen Sekten nun mal so ist. Die Satanskulte sind allesamt wesentlich jünger als die ihnen zugrundeliegenden Religionen oder religiösen Sekten, sie sind erst in den letzten Jahrhunderten entstanden. Aus meiner Sicht sind solche Menschen Opfer schwerer frühkindlicher Traumatisierungen, die weitere Opfer produzieren, wie das in unserer auf Besitz, Gehorsam, Macht und Herrschaft basierenden Welt nun einmal funktioniert: Sie wissen nicht, was sie tun, weil sie ihr eigenes Opfersein niemals erkannt haben. Man sollte sich, um das zu verstehen, die beiden wichtigsten Bücher über die Geschichte der Kindheit durchlesen: Philippe Ariès – Geschichte der Kindheit und Lloyd de Mause – Hört ihr die Kinder weinen.

Eine enge Definition des Satanismus als »die Verehrung oder Anbetung einer höheren jenseitigen Wesenheit oder Person, genannt Teufel oder Satan« ließe eine Subsumtion Crowleys nicht zu, da die okkulten Kräfte seiner Schriften mit dem Teufel im christlichen Sinn nichts zu tun haben, dessen Nichtexistenz er lediglich feststellt – Crowley bedient sich allerdings christlicher Elemente und Begriffe; verwendet man eine weitere Definition, besteht die Gefahr, »Praktiken oder Gruppen mit dem Etikett des Satanismus zu versehen, ohne daß es sich hierbei um echten Satanismus handelt.«
Quelle: Massimo Introvigne, Satanismus, S. 32

Im Satanismus manifestiert sich ein jahrhundertealter Satanskult, dessen Wurzeln Antithesen zum christlichen Kult sind. Von Beginn dieser Strömung an wollte man gegen das Christentum aufbegehren, das man auf die scheinbar spezifische Grundlage, den Gegensatz Gott – Satan reduzierte, so daß die satanistische Bewegung ursprünglich auf der Rebellion gegen die etablierte Religion und Kirche gründet. Geprägt ist die Sprache des Satanismus in allen seinen Ausprägungen von martialischem Vokabular, Hauptakteur ist der Teufel, das Biest, der Antichrist, der Satan. Der moderne Satanismus des 20. und 21. Jahrhunderts und seine zahlreichen subreligiösen Versionen lassen sich vielfach zurückführen auf Aleister Crowley und seine Ideen und Schriften. In Crowleys Offebarungsbuch Liber Al Vel Vegis, dessen Inhalt im angeblich 1904 von einer jenseitigen Wesenheit namens Aiwass mitgeteilt wurde, steht der zentrale und immer wieder zitierte Satz, ein Aufruf nach absoluter und völlig autonomer Durchsetzung der eigenen Interessen und Begierden, nach schrankenlosem Sich-Ausleben: »Es gibt kein Gesetz, außer tue, was du willst.« Er versteht sich selbst als »wahrer Gott vom wahren Gott« und folgerichtig bezeichnet er sich in dieser Selbstvergottung als die Inkarnation Satans und im Anschluß an Offenbarung 13 als The Beast 666.
Quelle: Uwe Leingruber, Kein Abschied vom Teufel – Eine Untersuchung zur gegenwärtigen Rede vom Teufel im Volk Gottes, S. 23

Also ich würde als Kinderschänder oder -killer auch nicht hergehen und das in die Welt hinausposaunen, und als Fan von rituellen Kindes-Opferern würde ich das auch eher für mich behalten. Ich hab hier noch mehr Bücher, aus denen ich die grundsätzliche Nähe Aleister Crowleys zu satanischen Riten und Kulten zitieren könnte, habe aber noch anderes zu tun, als hier eine Studie zu fabrizieren und Leuten Beweise zu liefern, die sie selbst finden können. Das Internet steht allen offen, die sich zu informieren wünschen, und wer einfach nur seine vorgefertigte Meinung bestätigt sehen will, der wird in der Regel auch nur genau das finden.

Die Marotte, Satanismus als Spaß und Spiel zu betreiben, begann in England Mitte des 18. Jahrhunderts, in Form von Sir Francis Dashwoods Orden der Medhanham Franziskaner, im Volksmund Hell Fire Club genannt. Sir Francis ließ Blut, Gemetzel und Babyfett-Kerzen weg und leitete Rituale voller gutem, schmutzigem Spaß. So schuf er eine farbenprächtige und harmlose Form des Psychodramas für viele der führenden Köpfe seiner Zeit. Eine interessante Nebenbeschäftigung von Sir Francis, die einen Hinweis auf die Atmosphäre im Hell Fire Club gibt, war eine Gruppe, die Dilettanten-Club genannt wurde und deren Gründer er war. ... Was den Satanismus angeht, so waren die deutlichsten Anzeichen für diese Entwicklung die neo-paganistischen Riten in Orden wie McGregor Mathers Hermetischem Orden der Goldenen Dämmerung, Aleister Crowleys spätererem Orden des Silbernen Sterns (A.: A.: – Argentinum Astrum) und der Orden der Orieantalischen Tempelherren (O.T.O. – Ordo Templi Orientis, der geradezu paranoisch jede Verbindung mit dem Satanismus leugnete, ungeachtet des von Crowley auf sich selbst bezogenen Bildes des Biests aus der Offenbarung.
Quelle: Anton Szandor LaVey, Die Satanische Bibel, die satanischen Rituale

Erkennen Sie den Unterschied zwischen Ihrer Pseudo-Argumentation und meiner mit Belegen und Quellen gestützten echten Argumentation? Muß ich noch mehr dazu sagen? Vermutlich muß ich, den Sie schrieben:

Daß Symonds und Crowley sich nicht ganz grün waren ist allgemein bekannt.

Das darf bezweifelt werden. Ich bin sogar ziemlich sicher, daß die allermeisten Leute nicht mal wissen, wer Crowley war und auch noch nie was von Symonds gehört oder gelesen haben.

Und daß Symonds in seinem Buch eine ganze Menge Unbelegtes und Unbelegbares behauptet, ist Leuten, die sich mit den Animositäten zwischen den Beiden beschäftigt haben, ebenfalls bekannt. Was soll man da noch groß zu schreiben?

Na, Sie könnten zum Beispiel hier reinschreiben, was an Symonds Ausführungen unbelegt und sogar unbelegbar sein soll, mit Zitaten und so, wie ich Ihnen das eben sachgerecht vorgeführt habe. Ist doch ganz einfach, wenn Sie dieses Buch nicht nur im Regal stehen, sondern auch gelesen haben.

Symonds Biografie über Crowley ist eine Mischung aus Wahrheit und Phantasie/Lüge. Wobei die Grenzen mehr als fließend sind. Es gibt ein paar Abhandlungen darüber, aber es ist etliche Jahre her, daß ich die gelesen habe. Jedenfalls sind Crowleys angeblicher Satanismus und Kindesmord nicht belegbar und reine Behauptungen.

Und noch immer bleiben Sie den Beleg dafür schuldig: Sie behaupten immer nur, Beweise zu liefern haben Sie offenbar nicht nötig. Zeigen Sie mir die Stellen, an denen Symonds lügt, und ich werde dem nachgehen. So funktioniert Debatte, und nicht einfach Behauptungen in die Welt setzen und hoffen, daß die Gegenseite nicht nachhakt.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (03.01.2018 11:39).

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