Avatar von derdickemax

mehr als 1000 Beiträge seit 16.03.2004

Wirklich toller Übersichtsarbeit! Vielen Dank, aber ...

.. eine kleine kritische Anmerkung:

> Man kann es auch anders verstehen: Wenn die Umwelt
> immer gleicher wird, dann ist es selbstverständlich,
> dass die Unterschiede im Phänotyp, die es dann noch
> gibt, stärker durch genetische Unterschiede bedingt sind.
> Worauf sollten Unterschiede denn sonst noch beruhen können?

Diese Äußerung verrät ein extrem mechanistisches,
antihumanes Weltbild etwa im Sinne de la Mettries.
Der Mensch ist weder "Sklave seiner Gene" noch
"Sklave der Gene und der Umwelt".

Solches Denken ist bedauerlicherweise sehr verbreitet bei
Ärzten, Wissenschaftlern und "progressiven Intellektuellen"
(Marx war ja auch erklärter Materialist und Anhänger von
de la Mettrie).

Die wirkliche Forschung zeigt in eine ganz andere Richtung:
Nucleus und Genom sind nicht das "Hirn" der Zelle,
sondern sie sind Funktions-Organellen. Sie sind eine
Art "Datenbank" und eine "Replikationsmaschinerie" für
diese Datenbank.

Sie sind gleichberechtigte Organellen so wie Ribosome
die "protein-fertigenden" Organellen und Mitochondrien
die "Energie-Organellen" sind.

Ich vergleiche es mit dem Laptop oder der Wechselfestplatte,
auf der alle meine Gedanken,Texte, Dateien, Videos meinem
Gehirn zur Verfügung stehen.
Trotzdem würde niemand sagen, diese Wechselfestpaltte
IST mein Gehirn (der Laptop wäre dann die Replikations-
bzw. Abspielmaschine).

Weder Gene noch Umwelt etwa können den Phänotyp
"Genialität" erklären. Weder einzeln noch in Kombination.
Und das gilt auch für unspektakulärere Phänotypen.
Welches Gen bestimmt, dass ich 'Telepolis' lese?

Gene stellen einen riesigen Auswahlkasten möglicher
Merkmale bereit wie ein Baumarkt verschiedene Türgriffe.
Das sagt aber nichts darüber aus, welchen Türgriff
(unter den vorhandenen) ich wähle. Nur einen lila Türgriff
kann ich nicht auswählen, weil es den in unserem
Protein-Baumarkt (Genom) nicht gibt.

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