Avatar von cheche_fra
  • cheche_fra

625 Beiträge seit 12.09.2014

Definitionsfrage

Auf die Gefahr hin, mich hier bei vielen unbeliebt zu machen...

Wer definiert denn die "Menschenrechte", die es nach bisheriger "westlicher" Auffassung weltweit ob ihrer "universellen" Gültigkeit zu verteidigen gilt?!
Ist der Imperialismusvorwurf nicht evtl. schon darin begründet, dass bereits die Auffassung von dem, was "Menschenrecht" ist, in unterschiedlich geprägten Kulturen höchst unterschiedlich sein kann?
Ohne dem Islam hier das Wort reden zu wollen, schaue man sich dennoch mal die Kairoer Erklärung an, wo die Religionsgelehrten als kulturelle Vordenker der islamischen Welt ihre Definition der Menschenrechte abgegeben haben, und vergleiche dies einmal mit dem, was der "Werte-Westen" mit Bomben und Granaten eben in die so geprägten Länder hineinzwingen will.
Das dann genau von dort der Vorwurf von Kultur- und Werteimperialismus unter dem Vorwand von angeblich universellen Menschenrechten laut wird, muss nicht verwundern.
Diese Menschenrechte sind eben nicht universell!
Da gibt es neben der UNO-Erklärung von 1948 halt noch ganz andere Auffassungen, die z.T. massiv differieren:

- Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte (Déclaration des Droits de l’Homme et du Citoyen), Grundtext der Französischen Revolution von 1789
- Afrikanische Charta der Menschenrechte und der Rechte der Völker, die Banjul-Charta der OAU von 1981
- Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam, die Charta der IOC von 1990
- Arabische Charta der Menschenrechte, die Menschenrechtscharta der Arabischen Liga von 2004

Wer gibt also den selbsternannten Weltwächtern und Tugendpolizisten, die nur allzuoft in primär eigenem Interesse handeln, und dies daraufhin mit ihren "Werten" rechtfertigen, das Recht, sich zur universellen Instanz zu erklären?

Wie aber soll man angesichts dieser Situation nun mit Völkermördern und Diktatoren umgehen?
Einfache Antwort: am Besten gar nicht!
Isoliert sie, meidet sie, stellt den Handel mit ihnen ein - aber fangt keinesfalls an, euch einzumischen! Militäraktionen grundsätzlich nur zur eigenen Verteidigung an den eigenen Grenzen!

Es mag hartherzig und unserem hierzulande etablierten und hochgehaltenen Humanismus widerläufig klingen, aber letztlich kann ein Umsturz nur von den Betroffenen selbst initiiert werden. Eine Revolution kann und darf sich nur aus dem Volk selbst heraus entwickeln. Ein Putsch muss sich aus dem leidenden Volk heraus tragen und nicht von außen aus global- und handelspolitischen Interessen herangetragen werden.
Sicher wird es viele Opfer geben, viel Leid und Blutvergießen - aber über tausende von Jahren war dies der einzig gangbare Weg. Und wo hat denn bisher die äußere Einmischung nachweislich das Leid der Bevölkerung vermindert? In Afghanistan? Im Irak? In Libyen? In Syrien?
(Komme man jetzt nicht mit dem 2.WK, denn da ging es zuerst einmal darum, sich gegen die militärisch betriebene Expansion Deutschlands zu wehren, was letztlich (auch hier dann unter Teilnahme der selbst nicht direkt betroffenen USA (bezogen auf den europäischen, nicht den asiatischen Konflikt) und ihrer auch damals bereits vorhandenen Eigeninteressen), zu einem Sieg über den Aggressor wurde, der ihn hinter seine ursprüngliche Linie zurücktrieb. Insgesamt war es aber eben keine Aktion zur Befreiung der Bevölkerung von Hitler und es ging auch primär eben nicht um Menschenrechte (zumal diese erst 1948 von der UNO deklariert wurden).)

Bezogen auf die derzeitige Flüchtlingsmigration aus Syrien erschließt sich dann auch sehr schnell, dass es letztlich nur falsch sein kann, dem Volk aus falsch verstandener Mildtätigkeit Zuflucht zu gewähren und stellvertretend militärisch dort einzugreifen. Es kann nur zu einer nachhaltigen Lösung und zu Frieden kommen, wenn sich das betroffene Volk der Syrer selbst von den Unterdrückern befreit - nur könnte dann auch deutlich werden, das dies eben nahezu ausschließlich die fundamental-islamistischen Rebellen von IS und selbsternannter Opposition sind und erst unter ferner liefen der sicher auch nicht völlig unbefleckte al-Assad, der aber in der hetzerischen Sicht des "Werte-Westens" noch böser ist, als alle Kopfabschneider zusammen. Was aus Syrien werden soll, wenn al-Assad beseitigt und die Opposition der "gemäßigten Rebellen" installiert ist, wird dabei gar nicht kommuniziert - wäre es doch wohl am ehesten ein Gottesstaat von Saudi-Arabiens Gnaden, der kaum einen Unterschied zum IS darstellen würde. Aber für den "Westen" gilt es ja auf Gedeih und Verderb den Stabilitätsanker, der trotz aller Vergehen gegen die "universellen Menschenrechte" immerhin für ein in der islamischen Welt fast schon beispiellos tolerantes Miteinander aller Bevölkerungsgruppen sorgte, auszuräumen...

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