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  • Mathematiker

mehr als 1000 Beiträge seit 22.02.2014

Das Erbe des Sozialismus

Rund 70 Prozent aller landwirtschaftlichen Flächen in Deutschland gehören nicht mehr den Bauern, die sie bewirtschaften.

Das gibt die Studie aber garnicht her.
Studie:

Während natürliche Personen in Westdeutschland 99 % und juristische Personen
des privaten Rechts 0,7 % der LF bewirtschaften, ist dieses Verhältnis in Ostdeutschland
ziemlich genau 50:50

Hierbei gehören 40-50% der bewirtschafteten Fläche auch den natürlichen Personen. Ein erheblicher Teil Flächen, die in Pacht bewirtschaftet werden, gehört dabei ehem. Bauern/ deren Erben, der Kirche oder dem Staat.
Im Osten sind die Anteile am Eigentum geringer, steigen aber für alle 3 Formen stetig an. (Während dies im Westen praktisch konstant ist.)

Das dem Bauern auch das Land gehören soll, auf dem er arbeitet, hat schon einen sehr strengen Duft eines Ständessystems.
Würde man das Wohnen zur Miete verbieten und nurnoch Wohnen mit Wohneigentum zulassen, würden doch sehr viele Mitmenschen in die Röhre schauen, weil sie sich die Kaufpreise garnicht leisten könnten.

Aber bei der Studie und dem Artikel geht es ja eigentlich auch um Ostdeutschland und Osteuropa. Im Sozialismus hatte man damals die ganzen bäuerlichen Strukturen größtenteils plattgemacht und LPG´s mit riesigen Flächen geschaffen.

Nach dem Zusammenbruch des Sozialismus hätte man dem Volk ja die Fläche der volkseigenen Betriebe zurückgeben können.
Entweder dem gesamten Volk zu gleichen Anteilen,dann hätte jeder Ossi rund 3310 qm bekommen. Oder halt etwas ungerechter nach Bundesland oder gar vorheriger Beschäftigung in einer LPG.

Aber man sollte sich jetzt nicht der Illusion hingeben, dass damit jeder Ossi ~5000 € cash in de Täsch bekommen hätte. Der Preis für Ackerland wäre augenblicklich zusammengebrochen und die bösen Kapitalisten hätten die ganzen Ländereien für ein Butterbrot abgegriffen. (Ein zwangsläufiger Effekt der Umverteilung von Ackerland an das einfache Volk.)

Wir erleben im Osten einfach das Gesetz der Marktwirtschaft. Hierbei ist es auch unerheblich, ob das Land dem Produktionsbetrieb oder dem Staat gehört. In beiden Fällen ist es unerläßlich dem Landwirtschaftsbetrieb auf die Finger zu schauen, damit mit dem Land kein Schindluder getrieben wird.

Bisher wurden große Agrarbetriebe mit flächenbezogenen Subventionen aus den Töpfen der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik belohnt.

Das ist natürlich auch Fake. Die EU-Agrarsubventionen wurden damals geschaffen, um den kleinteiligen (West-)europäischen Betrieben überhaupt eine Chance zum Überleben gegen die LPGS und riesigen Agrarbetrieben in den USA zu geben. Als dann Wiedervereinigung (und später die Osterweiterung) kam, hatte man in Brüssel ein ernstes Problem, weil gerade die Gefahr bestand, dass die durch ihre großen Flächen viel produktiveren LPGs Millionen an Fördergelder abgraben würden. Man hat sich dann allerlei Maßnahmen ausgedacht, um ein Platzen des ganzen Subventionszirkus und einen Niedergang der Westbetriebe zu verhindern.

Um eine gerechtere und gezieltere Verteilung der Gelder aus Brüssel zu ermöglichen, schlägt EU-Agrarkommissar Phil Hogan eine verpflichtende Obergrenze von 100.000 Euro pro Agrarbetrieb und Jahr vor.

Ich weis nicht, was daran "gerechter" sein soll.
Grundsätzlich haben Subventionen immer ein Gerechtigkeitsproblem. Der Bauer, der ein bischen Hobby-Landwirtschaft betreibt, die 100 000 € abgreifen kann, fragt sich der Hartz'ler nicht ganz zu Unrecht, warum der so ein hohes Gehalt bekommt, während er mit ~ 1/20-tel davon auskommen muss.

Koppelt man das aber die produzierte Menge, so gewinnen bei diesem Spiel hauptsächlich die bösen Agrarkonzerne, die auch ohne Subventionen über die Runden kommen würden.

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