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  • Mathematiker

mehr als 1000 Beiträge seit 22.02.2014

Re: Das Erbe des Sozialismus

Ein ziemlich abstruser Vergleich. Ich bin für bäuerliche Landwirtschaft, für Familienbetriebe, gerne auch genossenschaftlich organisiert. Das wertvollste Gut, das wir haben, ist landwirtschaftliche Nutzfläche. Die Chance, dass sich dafür jemand verantwortlich fühlt ist einfach größer, wenn es den Menschen, die darauf arbeiten, auch gehört.

So ein durchschnittlicher Betrieb im Westen hat eine Größe von 50 ha. Da steckt also allein schon ein Vermögen von 750 000 € allein in der Ackerfläche, wenn man als Unterkante diese 15 000 € pro Hektar ansetzt. Dazu kommen dann noch Hof, Stallungen, landwirtschaftliche Geräte und Saatgut, Dünger und ggf. Tiere. Wo landen wir da? Sicher über einer Mio, vielleicht sogar bei 1,5 Mio. Da hat unser Jungbauer dann aber ganz gewaltig einen Kredit bei seiner Hausbank laufen, der ja auch irgendwann abgestottert sein will. Und das in einer Branche, die von Subventionen lebt.
Wer da nicht als Alteingesessener mit geerbeten Hof in veritabler Größe unterwegs ist, der sollte es lieber lassen. So gesehen, ist der Vergleich mit einem Ständesystem nicht so abwegig.

(Auch wenn es reichlich dieser Ansicht widersprechende Fälle gibt. Doch die Geistesverwirrung die durch die immer größeren Flächen, Globalsisierung und die Förderpolitik der EU eingezogen ist, legt hat die Prioritäten ins Verrückte hin verschoben).

Auch die (Klein-)Bauer lassen sich ihre Felder mit Gülle zukippen und pflanzen lieber gülleresistente Sorten, wenn sie damit besser über die Runden kommen. In Indien konnte man das 10-fache an Einkommen generieren, wenn man die Reisfelder für die Shrimps-Zucht umwandelte. Das Land ist dann zwar nicht mehr für den Reisanbau zu gebrauchen, aber von der vielen Knete konnte man dann ja locker den Nachbarn ihre Felder abkaufen. Neben charakterlichen Deformationen, ist es auch immer eine Frage des Geldes. Auch landschaftsschonende Landwirtschaft ist ein Luxus, den man sich leisten können muss.

Ich habe mich immer darüber gewundert, wenn über diese naturferne Bewirtschaftungsform unsere schwarzen Pharisäer im Kapitalismus Sturm gelaufen sind, war doch ähnliches auch in Niedersachsen oder Niederbayern zu beobachten.

Wir haben hier ein grundliegendes Problem. Genug "Schwarze" wollen einfach nur ihre ´kleine, nette landwirtschaftliche Gegend so behalten, wie sie ist. Aber wir leben in einem System, bei dem auch die Landwirtschaft dem marktwirtschaftlichen Prinzip unterliegt. (Deshalb ist die Nahrung in Deutschland überhaupt so billig und der Normalbürger bringt nicht mehr 80% seine Einkommens für Essen auf.)
Würde man diese aufheben, dann bekommt man solche Effekte, bei denen rein aus der Existenz von landwirtschaftlichen Nutzflächen ein Einkommen (Stillhalteprämien) generiert wird. Auch eine neu Form des Adels.

Da bislang auch nicht erkennbar ist, dass die herrschende Politikerkaste die Auswüchse des Verscherbelns von Agrarland zu stoppen vorhat, im Gegenteil fruchtbarste Flächen als Gewerbeflächen ausweist und sich bei der Nahrungsversorgung der Bevölkerung offenbar voll auf Importe vom anderen Ende der Welt verlässt, zeigt wieder einmal ihre Verkommenheit.

Nö. Im Grunde ist Deutschland sogar ein Agrarexporteur und käme wahrscheinlich auch autark über die Runden. Aber unser Konsumentenverhalten ist auch auf keinste Weise darauf ausgerichtet. Schau Dir die Herkunftsländer der Nahrungsmittel im Supermarkt an und schau auch in Deinen Kühlschrank. Bereit zum Verzicht?

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