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  • DJ Holzbank

mehr als 1000 Beiträge seit 03.09.2011

Berlin 1936

"Ähnlich gebaut war die Geschichte vor anderthalb Jahren in der
Ukraine. Damals haben die gleichen Sender berichtet, ukrainische
Faschisten sollten einen kleinen Jungen in Slawjansk gekreuzt haben.
Später gaben sie dennoch zu, die Reportage basierte ausschließlich
auf der Erzählung einer aus der Stadt geflohenen Frau. Zu dem
Zeitpunkt war ich selber in der Ukraine und meine Tante hatte Angst,
die "ukrainischen Faschisten" werden mich, wenn nicht kreuzigen, dann
mindestens vergewaltigen. Ich habe ihr empfohlen, ihre
Lieblingssender auszuschalten und mich bei Sorgen um mein Leben
sofort anzurufen. Vergleichbare Meinungen wie ihre äußerten viele
meiner Bekannten, die nicht mal hören wollten, was ich monatelang in
der Ukraine erlebt habe."

Die peinlich-naive Frau Bauchina - als Journalistin kann man sie wohl
kaum bezeichnen - scheint tatsächlich zu glauben, eine arrangierte
Exkursion für sie durch Dnepropetrowsk (darüber schrieb sie für TP)
http://www.heise.de/tp/artikel/42/42011/1.html

nebst Gesprächen mit den Machthabern ersetze eine akribische und
distanzierte Recherche, auf diese Weise lasse sich ein adäquates Bild
der Lage gewinnen.
Als Bauchina in Dnepropetrowsk war, da war nämlich alles ruhig. "In
Dnipropetrovsk ist vom Krieg im Osten, vor dem tausende Menschen
fliehen, nichts zu spüren", so Bauchina im Juni 2014.
Nun hat jedoch z.B. der damalige Vizechef von Dnepropetrowsk Gennadi
Korban inzwischen mehrfach durchblicken lassen, wie diese Ruhe
erreicht wurde. Von "unkonventionellen Methoden" war die Rede, in
einem Interview sprach er davon, man habe "den Widerstand einfach
zerdrückt", "egal ob nun mit legalen oder illegalen Methoden".
> https://www.youtube.com/watch?v=TrWA-ITn8Eo

Der tschechische Politiker Vaclav Bartuska, Beauftragter für die
Energiesicherheit Tschechiens, wurde in einem Interview im Mai
letzten Jahres noch etwas deutlicher:
"Wenn man sich rechtzeitig wehrt, wie zum Beispiel in Odessa, wo sie
die Leute einfach lebendig verbrannt haben __oder in Dnepropetrowsk,
wo sie die Leute umgebracht und entlang der Straße verscharrt
haben__, so bleibt es ruhig. Wenn man das nicht tut, dann kann man
auf Krieg warten. So einfach."
> http://sharij.net/21300
> http://neovlivni.cz/diplomat-bartuska-nemejte-iluze-putin-se-na-ukrajine-nezastavi/

Es war also so ruhig wie in Berlin 1936. Es wussten also alle
Bescheid darüber, was abging in der Ukraine und mittlerweile spürt
man das auch ein wenig in unseren Mainstreammedien.
Aber Frau Bauchina stellt weiter ihre Naivität zur Schau.

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