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  • kla-sch

mehr als 1000 Beiträge seit 04.07.2005

Die höhe der Zuwendungen ist nicht entscheident.

Leider wird die Diskussion über (Langzeit-)Arbeitslosigkeit immer nur auf das Monetäre geschaut. Es geht immer nur darum, wie man die Menschen versorgt und was denn nun das Existenzminimum ist. Darüber kann man dann noch 100 Jahre bis ins kleinste Detail streiten.

Das eigentliche Problem am Hartz-IV-System ist aber die Sichtweise auf die Zukunft, die dahinter steckt. Die Ideen stammen alle aus den 80'ern und 90'ern. Da sind die Jobs in der Industrie entfallen, weil sie entweder automatisiert (Digitalisierung!) oder nach Asien ausgelagert wurden.
Die Überlegung war, dass man dann halt mehr Jobs bei den Dienstleistungen schaffen muss. Man hat dann z.B. die Altersvorsorge privatisiert, da das wiederum bei der Versicherungsbranche neue Arbeitsplätze schafft. Die Arbeitslosen sollten dann für diese Jobs fit gehalten/gemacht werden, um sie längerfristig dort unterzubringen.

Das Problem ist nun, dass auch bei den Dienstleistungen digitalisiert werden. In der Zukunft werden dort ebenfalls viele Jobs entfallen: Einzelhandel, Systemgastronomie, Banken und Versicherungen. In einfache Jobs kann man keine Leute mehr unterbringen. Längerfristig wird das noch sehr viel mehr Leute betreffen. So fängt man mit BIM (Building Information Modelling) auch der Bau mit der Digitalisierung an. Für Deutschland kommt hinzu, dass die Automobilindustrie zusammen klappen wird: Wenn selbstfahrende Automobile als Service verkauft werden, dann braucht man nur noch 1/10 der Fahrzeuge. Hinzu kommt dann, dass die ganzen am Automobil hängenden Jobs entfallen oder rationalisiert werden: Kraftfahrer, Tankartellenwächter und KfZ-Mechaniker.

Was in der Zukunft gebraucht wird, sind nur noch Experten, welche sehr komplexe Arbeiten verrichten können, welche man definitiv nicht durch Maschinen ersetzen kann. Das ist überall da, wo man mit Menschen umgehen muss (Projektgeschäft) oder man Flausen im Kopf haben muss.

Daher ist Hartz IV einfach ein Endpunkt ohne die Aussicht auf irgend eine Besserung. Die Maßnahmen zur Weiterbildung sind komplett neben dem Bedarf der Zukunft. Entweder die Leute werden zu Bewerbungsprofis (braucht kein Mensch) ausgebildet oder man steckt sie in Maßnahmen um sie für einen Arbeitsmarkt fit zu machen, den es morgen überhaupt nicht mehr gibt!

Mit dem ganzen System werden die Arbeitslosen demotiviert und versucht sie in aussichtslose Jobs zu zwängen. Die ganzen Zwangsmaßnahmen machen das nur noch schlimmer. Am Ende hat man ein Heer aus demoralisierten Menschen, für die es keine Zukunft gibt.

Das können wir uns so eigentlich nicht leisten. Daher wäre es zwingend angebracht das System neu aufzustellen.

So könnte man den Status "Arbeitslos" einfach durch "Student" ersetzen und entsprechende Universitäten aufbauen, wo die Menschen sich ohne Zwang weiterbilden können. Um das zu stemmen muss man natürlich auch die Bildung radikal digitalisieren. Vorlesungen gibt es als Videos über das Internet, Übungsblätter und sonstige Materialien als Download. Für Fragen werden Foren eingerichtet wo man sich gegenseitig helfen und ein Angestellter im Zweifelsfall aushelfen kann. Die Universität ist dann nur noch ein Ort, wo man sich mal treffen kann.

Es wird immer viel davon geredet, dass man ein Leben lang lernen soll, aber die Strukturen dazu fehlen komplett. Dabei sieht jeder Binde mit Krückstock, dass das ganze Hartz-IV-System einfach am Ende ist. Hier wäre genau die Baustelle, wo man mal anfangen könnte das wirklich ernsthaft umzusetzen.

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