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  • Dracocephalus

mehr als 1000 Beiträge seit 25.09.2002

So dikreditiert man Demokratie

Das ist eine ganz üble Masche mit der Absicht, die echte Demokratie
zu diskreditieren. 

1. Man wählt ein heiß diskutiertes Thema, über das man sich herrlich
streiten kann und bei dem die Polarisation maximal ist. Zwischen
"völlig OK so" und "sofort umbringen" muss alles dabei sein. Gerne
wählt man Beispiele mit Kindern oder Behinderten oder alten Menschen,
um die Gefahr durch böse Killerhunde hochzupushen. Die geringe Zahl
der Todesfälle wird sprachlich überspitzt: Wahnsinn! Unglaubliche 16
Todesfälle in 8 Jahren bei 200000 gemeldeten(!) Angriffen von Hunden
auf Menschen. Wieviele dieser 200k völlig im Sande verliefen, weil
nur jemand übertrieben hysterisch reagiert hat und der kleine
Hundewelpe tatsächlich nur mit dem 100kg Muskelprotz spielen wollte,
bleibt auch im Dunkel. 

2. Dann präsentiert man zur Abstimmung nicht etwa ein restlos
ausdiskutiertes Gesetz, das mit allem drum und dran, allen haarklein
gewählten, juristisch korrekten Bezeichnungen und Ein- wie
Ausschlüssen und Abstufungen daherkommt, sondern man lässt mit einer
kruden Fragestellung nur über das Strafmaß entscheiden.

3. Da Menschen, die das durchschauen gar nicht erst abstimmen, fallen
die schon mal weg. Dann ist da die Hundeseite der Gausskurve, die
alle angebotenen Vorschläge zu hart finden und auch nicht abstimmen.
Das verschafft der Killerhundkiller-Fraktion eine gesunde Mehrheit. 

4. Es wird ausfühlich diskutiert, wie absurd die Forderung nach
lebenslänglicher Haft für einen Hundebiss ist. Als Beispiel dienen
dann bevorzugt Beispiele mit Kindern oder Behinderten oder alten
Menschen. Die Opfer sind in den Fällen dann fiese Hundehasser, die
nur gebissen wurden, weil sie Hund oder Halter angegriffen haben. Und
nun soll Oma Meier für den Rest ihres Lebens einfahren, weil der
Fiesnik sie angezeigt hat? Das ist doch krank!

5. Das Expieriment "Volksabstimmung" wird als gescheitert betrachtet.
Offenbar ist das tumbe Volk der irrigen Meinung, solche komplexen
Fragen mit ein oder zwei Kreuzen beantworten zu können. Da überlassen
wir solche Dinge in Zukunft lieber Leuten, die sich mit sowas
auskennen: Den Politikern...die plötzlich vergessen haben, wer denn
die Abstimmungszettel und -fragen entworfen hat^^

6. Für den Fall, dass das Ergebnis der Politik gut in den Kram passt,
feiert man es als Monument der Demokratie und nutzt es im gleichen
Atemzug, um noch ein paar Grundrechte außer Kraft zu setzen. "Wer
Kampfhunde hält ist ein Terrorist!!°...und was wir als Kampfhunde
definieren sehen wir dann noch. Könnten auch Katzen sein. Oder
Hamster. Wellensittiche? Aber ja! Und wer keine Tiere hat, ist
ohnehin sehr verdächtig.

Aus diesem Grund wird auch sofort(!) von jedem Politiker die
Nazikeule rausgeholt, wenn man mal zaghaft in Richtung direkte
Demokratie denkt. NEIN! Das kann man nicht machen! Was da passieren
kann!! KZ!! Diktatur!! WAHHH! Allein das
vorzuschlagen...verantwortungslos...nichts aus der Geschichte
gelernt...tststs...verkappter Nazi bestimmt...

Wenn die Fragen mal zu einfach und verständlich für die Bevölkerung
sind, werden die über doppelte Verneinungen und rückwärts aufgebaute
Fragen oder durch einen verwirrenden Aufbau des Wahlzettels
ausgebremst. Schönes Beispiel dafür ist z.B. S21

Ach ja...schön ist das Leben

D.


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