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  • franziska (1)

mehr als 1000 Beiträge seit 15.04.2016

Die Begriffe "(kapitalistisch-)produktive" und "unproduktive Arbeit"

Zu der Behauptung, in Marx' System kämen Dienstleistungen nicht vor: als ob es sie damals nicht schon gegeben hätte.
Übrigens ist es für die ökonomische Rolle der "Dienstleister" gleichgültig, ob für Erbringung ihrer Leistung grössere Produktionsmittel-Vorschüsse nötig sind, oder ob Spargroschen oder Kredite für die nötigen Arbeitsmittel ausreichen.
Marx selbst, und jeder, der seine theoretischen Voraussetzungen weiterdenkt, unterscheidet dabei und/oder kann unterscheiden:
1. Allgemein Nützliches, das nicht als Ding oder Material ("Ware" in diesem Sinn) vorliegt oder an solchem bleibende Effekte hervorbringt, zb Transport+Lagerung, Logistik, Planung. Leistungen zur Reproduktion von Einkommensbeziehern aller Art (Gesundheit, Pflege usw)
2. Nützliches für die spezifisch kapitalistische Organisation von Produktion:,zB Buchhaltung, Werbung ua "Transaktionskosten", Handel, Banken+Börsen, Versicherungen, Arbeitsorganisation (in beinah all dem auch Elemente enthalten, die im Prinzip zu 1 gehören)..
3. Staatsfunktionen
4. "Luxus"
Im Marxschen Reproduktionsmodell des gesellschaflichen Gesamtkapitals gibt es zwei primäre Einkommensquellen: Lohn; und Mehrwert (der sich sekundär an verschiedene weitere Einkommensbezieher verteilt). Darin geht freilich das gesamte Produkt (etwa BIP) nicht auf, es besteht auch aus Kapital-Ersatz (Abschreibungen) incl darin enthaltenen Innovationen. Marx bezeichnet die "aus Einkommen=Revenue" bezahlten Güter+Dienstleistungen als "im kapitalistischen Sinn unproduktiv" (weil nicht an der Kapitalreproduktion und der "eigentlichen" Mehrwerterzeugung beteiligt).
Den Rest kann sich aus dem gesagten jeder selbst zusammenreimen.
Vor allem, wohin jetzt die 70% Dienstleistungen Marx zufolge jeweils hingehören.
(Über Details streiten bekanntlich auch Marxisten.)

Übrigens: Ökonomen sagen uns, dass ca 30% des BIP Einkommen aus Kapital (also Mehrwert) darstellen.

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