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  • Bill Hicks

116 Beiträge seit 18.10.2016

Ich als wieder in Chemnitz wohnender muss mal 2-3 grobe Punkte loswerden

Ich habe die meiste Zeit meines Lebens in Chemnitz verbracht und wenn ich so lese was hier für ein Schmarrn geschrieben wird, da kommt mir die Galle hoch.

Zum ersten ist weder Chemnitz noch Dresden noch Sachsen eine Nazihochburg. Es wird ja gerne mal von Rechter Seite kolportiert, dass die Linken zum demonstrieren von Soros bezahlt angekarrt würden. Nun war es so das, wie Antje Hermenau letztens sehr gut auf den Punkt brachte...aus ganz Deutschland bis Österreich alles angekarrt wurde was verfügbar war. Damit konnten dann etwa 5000 Leute aufgeboten werden.
Die "Nazies in Chemnitz" dürften in überwiegender Mehrheit keine Chemnitzer gewesen sein, dazu gesellten sich Mitläufer und Passanten in Großer Zahl. An den einbrechenden Zahlen Rechtsgerichteter Demos kann man denke ich sehr gut sehen, dass mit zunehmender Radikalität die Zustimmung sinkt. Die Städte Dresden und Chemnitz haben zusammen etwa 750000 Einwohner, zu Spitzenzeiten Demonstrierten etwa 30000 Menschen bei Pegida, inzwischen sind es nicht mal mehr ganz 1000 Menschen. Insofern ist es falsch von dieser kleinen Menge ganz Sachsen zu stigmatisieren.
Die Normalen Bürger machen nach wie vor über 70% aus. weitere 20% halten sich für Normal, behaupten sorgen zu haben, verbieten sich Nazies genannt zu werden und wissen oftmals nicht das sie Neonaziparolen und -positionen nachplappern. Und dann gibt es noch 10% richtige Nationalsozialistisch eingestellte Kameraden.

UND jetzt der zweite Punkt. Es gibt Nazies in Chemnitz und anderswo. Es gibt sie relativ zur Bevölkerung häufiger als in Westdeutschen Städten vergleichbarer Größe, wie etliche Studien immer wieder belegen. Sie sind aktiv in Vereinen wie z.B. verschieden "Fangruppen" des CFC, sie haben ihre festen Strukturen mit Läden und Treffpunkten. Sie sind im Stadtrat mit Pro Chemnitz vertreten. Die Historie reicht in die 90er zurück. Damals hießen sie HoNaRa(Hooligans Nazies und Rassisten) und stellten sogar die Security des CFC. Dazu muss man aber auch sagen das es nie mehr als 100 Leute waren, also harter Kern und Umfeld.
Jeder ist sich im klaren, der es erkennen will, dass die wenigen Securityfirmen entweder hauptsächlich mit Russlanddeutschen besetzt sind oder mit Neonazies gespickt sind, wobei es da auch Überschneidungen gibt.
Und ja es hat Hetzjagden in Chemnitz gegeben. Abgesehen vom "Hase-Video" gibt es weitere Aufnahmen die das belegen.
Unabhängig davon kann ich aus eigener Erfahrung sagen, das es zu dieser Demo eine seltsam aufgeputschte Stimmung gab wie ich sie eigentlich nur vom Lokalderby gegen Aue kenne wenn der Schiri Rotz pfeift und wir hinten liegen. Es lag Hass in der Luft und jeder der wie ein Italiener oder Spanier aussah hat sich verpisst als dieser Zug durch Chemnitz zog. Ich hab aus Angst auch kein Video gemacht, aber es gab andere die das zum Glück festgehalten haben. Die eindeutigen Parolen hat es zu Hauf gegeben. Der Demozug war dennoch weitgehend friedlich, es gab ja auch normalos die da mitliefen, aber an manchen Stellen eskalierte es und nicht wenige haben sich mitreißen lassen.
https://www.zeit.de/video/2018-09/5832107142001/aufnahmen-zeigen-szenen-in-chemnitz

Und nun noch meine persönliche Verschwörungstheorie, die ich als Denkanstoß verstanden wissen will, zu den Vorkommnissen in Chemnitz.

Es gibt mehrere Ungereimtheiten. Zum einen fand ich es erstaunlich wie schnell die Szene mobilisiert hat, zumal es nicht nur die umliegenden Dörfer waren, die da zusammenkamen.
Der Aufruf ging in der Szene viral. Der VS hatte das auch auf dem Schirm gehabt und die Polizei vorgewarnt. Das hat die Polizei in den Tagen danach bestätigt. Also wusste man auch ganz oben bescheid, dass sich da etwas zusammenbraut.

Nun ist es bei weitem nicht das erste mal das jemand durch Messerstiche in Deutschland getötet wird. Neu war die schnellen und heftige Reaktion, die von Anfang an von der Chemnitzer Hooliganszene ausging.
Auch hier ist mir schleierhaft, wie der Tod eines eher mit der Linkspartei sympathisierenden Deutsch-Kubaners so eine konzertierte Reaktion in der Rechten Szene auslösen konnte.

Ich könnte mir nun etliche Szenarien vorstellen. Entweder man hat gesehen was da kommt und von politischer Seite entsprechend zum eigenen politischen Vorteil moderiert und kommentiert oder man hat das ganz mit Hilfe von VS aktiv inszeniert. Vielleicht war es auch eine aus dem Ruder gelaufene VS-Aktion, was zumindest das komische Verhalten und den Rücktritt von Maaßen erklären würde.

In den Tagen vor Chemnitz stiegen die Umfragewerte der SPD, da sie Themen wie Rente und Mieten auf die Tagesordnung setzte, dann kam Chemnitz und ein Pressestatement von Seibert und die Diskussionen gingen wieder nur um Migration, Kriminalität, Polizei kurzum rechte Themen, die eher AfD und CDU in den Umfragen helfen.

Dieses Muster ist mir nun schön öfters aufgefallen. Immer dann wenn die SPD Themen setzt, wird irgendein Vorfall, der sonst nur in der Lokalpresse niederschlag findet an die ganz große Glocke gebunden, sodass keiner mehr über etwas anderes reden kann. Es scheint der CDU/CSU momentan wichtiger zu sein ihr Agendasetting aufrecht zu erhalten, denn Außer den Themen haben sie ja nix, als mal die ernsthaften Probleme anzugehen. Das die AfD auf der Welle mitschwimmt wird billigend in Kauf genommen, vermutlich ist die AfD ohnehin kontrollierte Opposition von Gnaden der CDU/CSU.

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