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  • hgeiss

401 Beiträge seit 06.08.2014

Wer heilt hat Recht

Das Thema Heilpraktiker und Naturheilkunde wird alle paar Jahre von den Standesorganisationen und Marketingstrategen ausgegraben und es geht dabei wie immer um die Pfründe der Ärzteschaft und der Pharmazie, die sich von dem gigantischen Kuchen "Gesundheitswesen" kein Jota wegnehmen lassen wollen, wozu auch der fast schon religiöse Glaube an die "wissenschaftliche" Medizin gehört, alle Erfahrungsmedizin ist als Ketzerei unerbittlich zu verfolgen. Nun bin ich weit davon entfernt Heilpraktiker pauschal in Schutz nehmen zu wollen, doch sehe ich die Schäden, die durch die sogenannte Schulmedizin angerichtet werden. Diese hat ihre Stärken, die Kunst der Chirurgen etwa, wenn sie sich auf sinnvolle Eingriffe beschränken, was bekanntlich nur einen kleiner werdenden Teil ihrer "Wertschöpfung" betrifft. Und ohne ihre Superwaffe Penicillin sähen Ärzte ziemlich alt aus. Das Thema ist aber so komplex, dass jeder Versuch hier Schwarzweißmalerei zu betreiben scheitern muss. Nur wenn ich hier im Forum schon wieder die Mietmäuler oder Fanatiker höre, die Heilpraktiker und die ganze Erfahrungsmedizin in Nazinähe rücken wollen, dann ist dies das Gegenteil der Wahrheit. Ich habe zum Thema schon vor Jahren versucht, die Debatte ein wenig zu versachlichen, deshalb hier der Leserbrief von 2008 in unserer Regionalzeitung:

Wer heilt hat recht!

Ziemlich peinlich, wie der Standesvertreter der Ärzte die Heilpraktiker klein zu machen versucht. Die Erwähnung des Jahres 1939 und das Ausrufezeichen dahinter soll wohl suggerieren, als habe der Beruf etwas mit den Nazis zu tun. Richtig ist, dass man damals - vermutlich auf Druck der Ärzte - mit einer Prüfung beim Amtsarzt sich der Naturheilkonkurrenten entledigen wollte, denn bis dahin konnte jeder seine Heilungsdienste anbieten, der sich berufen fühlte. Nun musste man nachweisen, dass man "keine Gefahr für die Volksgesundheit" darstellt, was aber bedeutet, dass man das ganze medizinische Grundwissen parat haben muss, was jahrelanges Studieren voraussetzt und schon wegen der unzähligen Fremdwörter viele volkstümliche Heiler abschreckt. Doch dass langes Studium keinen Therapieerfolg garantiert, weder für Ärzte noch für Heilpraktiker, hat wohl jeder schon erfahren. Überhaupt scheint es Berufe zu geben, da kann einer hundert Jahre studieren und er wird z. B. doch kein Pädagoge, kein Philosoph - und kein Heiler. Doch die Medizin hat durch die gewaltige Summe der Zwangsbeiträge im Kassentopf auch für wenig Berufene eine starke Anziehungskraft...

Noch ein Wort zur Naturheilkunde. Der Umstand, dass bei etwa drei von vier Krankheiten mit Worten, Zuwendung und Placebos positive Wirkungen erzielt werden können, gibt eine Ahnung von den Heilungskräften, die in uns vorhanden sind. Wer als Arzt oder Heilpraktiker dazu den Schlüssel findet und die Klaviatur der Erfahrungsmedizin spielen lernt, kann oft erstaunliche Besserungen bewirken, auch ohne teuere Apparate und pharmazeutische Hämmer.
Da die Schulmedizin seit Virchow den Tunnelblick bekommen hat und vor allem auf die Zelle oder die Gene starrt, den Menschen in immer kleiner werdende Abschnitte aufteilt, die Spezialisten als Pfründe verbissen verteidigen, erreichen Naturheiler manchmal mit ganzheitlicher Sicht erstaunliche Wirkungen. Sebastian Kneipp ist dafür wohl das beste Beispiel, er ist einer der "Heilerstars" aus der Vorheilpraktikerzeit.

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