Avatar von ricciscalar
  • ricciscalar

mehr als 1000 Beiträge seit 12.04.2017

Isch kenne dieschesch Aleschia nischt

Der "Klimawandelleugner" ist das Paradebeispiel für den Verschwörungstheoretiker, der den menschengemachten Klimawandel leugnet. Gemeint ist wohl, dass die Erderwärmung hauptsächlich wegen des Einbringens von Treibhausgasen durch den Menschen zunimmt. So weit so gut. Wenn man aber die Frage erörtert, ob die Anzahl der Menschen auf diesem Planeten und deren Verhalten ebenfalls ein wesentlicher Bestandteil dieses Wandels ist, wird die Argumentation plötzlich sehr eindimensional.

Ich würde zum Beispiel gerne wissen, um wieviel Millionen Tonnen der CO2 Ausstoß zunimmt, wenn nicht mehr 8 Mrd Menschen auf der Erde leben, sondern 10 Mrd und sich von denen auch etwas mehr leisten wollen als eine Hütte und ein Schälchen Reis am Tag. Und damit meine ich nicht, dass die hinzukommenden 2 Mrd. in der Scheiße sitzen und nichtes haben. Diese Frage ist sehr eng damit verbunden, wo diese Menschen leben. Die Grüne Revolution in der Agrartechnologie ist ausgeschöpft. Um mehr Menschen zu ernähren, braucht es mehr Land. Dort, wo die Zunahme an Menschen am größten ist, in Afrika, bedeutet dies, dass mehr Agrarflächen bereitgestellt werden müssen, obwohl dort wegen der Verwüstung immer weniger Agrarland zu Verfügung steht. Die Seenflächen schrumpfen dramatisch und die Städte wachsen im Eiltempo. Was machen wir, um Hungerkatastrophen zu verhindern. Wo kommt das Wasser her? Wo kommt der Dünger her? Woher kommt das Environment, also Schulen, Krankenhäuser, Häfen, Straßen und und und?

Die Anwort unserer aufgeklärten Klimaexperten ist immer: ES GIBT KEINE BEVÖLKERUNGSEXPLOSION!!! Das erinnert mich immer an diese Frage nach "Alesia" ("Isch kenne dieschesch Aleschia nischt"). Alle Probleme, die damit zusammenhängen, existieren damit nicht. Wenn ich mir aber die sehr vorsichtigen Zahlen der WHO ansehe, haben wir in Afrika "nur" ein Wachstum von 2,4%. Ab 2,5% haben wir es per Definition mit einer Bevölkerungsexplosion zu tun.

Die Frage ist nun generell, warum wird eine Bevölkerungsexplosion so aggressiv geleugnet? Nich nur das, unsere Klimaexperten sagen einem ins Gesicht, dass die Bevölkerung schrumpft, und geben dann das hochentwickelte Japan als Beispiel an. Das Problem aber ist, dass die Bevölkerungsexplosion dort passiert, wo der Lebensstandard (falls man das dort überhaupt so nennen kann) absolut unterirdisch ist. Was ist, wenn die auch alle nicht nur satt werden wollen, sondern sich bilden wollen, in den Urlaub fahren wollen, moderne Medizin haben wollen und 1000 weitere Wünsche.

Wenn wir uns hier die Oekoenergie hochziehen, dann wollen die das in Afrika auch. Das ist auch gut so und wäre gerecht. Haben die aber dafür das Geld? Wenn nicht, woher bekommen die denn Energie? Natürlich von den Ölstaaten. Wenn wir nicht dafür sorgen, dass die billig Oekoenergie bekommen, werden die das Öl verwenden, das wir einsparen. Auch wenn das Öl dabei verramscht wird, das ist denen egal, die dadurch gut leben.

Das Leugnen der Bevölkerungsexplosion ist in etwa so, als ob man den Klimawandel leugnet. Denn auch hier sind die Probleme so angelegt, dass die Auswirkungen global sind. Wenn in Brasilien der Regenwald abgeholz wird, weil das Tropenholz in China zu Möbeln verarbeitet wird, oder wenn in Brasilien der Regenwald brandgerodet wird, damit wir Biodiesel und Kokosöl und sonst irgendeinen Scheiß haben wollen, dann ist das nicht der idiotische Präsident in Brasilien, sondern der Kosument in den Industrienationen. Wenn wir E-Autos bauen, dann wird dafür Stahl aus China verwendet, der mit Braunkohle erzeugt wird. In den bevölkerungsreichen Staaten mit in der breiten Masse niedrigen Bildung findet man immer jene, die alles tun um zu überleben, auch wenn es die Brandrodung ist oder der Braunkohlestahl.

Aber was steckt hinter der Leugnung der Bevölkerungsexplosion? Ich meine, das kommt aus der Politik selbst. Man stelle sich vor, man erklärt den Menschen hier, dass wir auch Verantwortung für jene übernehmen müssen, die uns bisher scheißegal waren. Das verkraftet der Grünwähler nicht und dann kommt ein entschlossenes "Tod den Kolonialisten", wobei er die linke Faust ballt und sie mit ernstem Gesichtsausdruck erhebt. Das hat der schon lange nicht mehr gemacht, weil er zu einem neoliberalen CDUler mit WKA mutiert ist. Die Trottel glauben doch tatsächlich, sie hätten noch die Zeit "erst einmal" hier alles auf Oeko zudrehen um sich dann später an das andere zu setzen. Greta hat ja so geweint, als ihr klar wurde, dass sie bald sterben muss, da hat sie keine Zeit einen Gedanken an die zu verschwenden, die tatsächlich mit dem Ableben in jungen Jahren rechnen müssen. Die Wahrheit aber ist, dass es der Generation Greta besser geht als allen anderen Generationen zuvor. Sie haben nie Krieg, Hunger oder Verfolgung erlebt und können über den Planeten jetten (OK, im Moment nicht so sehr).

Dem CO2 Molekül in der Stratosphäre kann man nicht ansehen, ob es aus einem Auspuff eines fetten SUV in Stuttgart kommt oder aus einem Dieselgenerator in den Slums von Kinshasa.

Bewerten
- +