Avatar von cheche_fra

980 Beiträge seit 12.09.2014

Medienexperiment

Ich stelle mir gerade eine ÖR-Talkrunde vor, wo die "Schwergewichte" der deutschen Politik eingeladen sind, Merkel, Söder, Spahn, Laschet, Lauterbach (noch der Favorit in Sachen Fachwissen), Esken, ... gerne auch noch einige von der Oppositionsbank (z.B. aus der grünen Homöopathie- und Naturheilkundebewegung)
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Und dann wird jedem einzeln und ohne die Möglichkeit des Vorsagens durch die anderen Anwesenden die simple Frage gestellt "was bedeutet der R-Wert" und sie aufgefordert diesen durch alle Medien gehypten Terminus gemäß ihres eigenen Verständnisses der Bevölkerung an den Bildschirmen zu erklären.

Die Antwort "Da müssen sie die Experten und Berater fragen" kann dabei nicht zählen, weil nicht die "Experten und Berater" gewählt wurden und berechtigt sind, tiefgreifende Entscheidungen zu treffen und Rechtseinschränkungen zu erlassen, sondern diese Aufgabe vom Souverän den Politikern übertragen wurde. Sie sind es, die sich informieren müssen und aufgrund dieser Informationen und des damit gewonnenen Erkenntnisstandes eine fundierte und begründete Entscheidung treffen.

Es wäre doch entlarvend, wenn diejenigen, die aufgrund eines solchen Begriffs, den sie u.U. selbst gar nicht verstanden haben und dessen Bedeutung für ihre Entscheidungsfindung sie realiter somit auch nicht abschätzen können, dieselbe aber gegenüber dem von ihnen regierten Auftraggeber (welch immanenter Widerspruch!) mit ihm begründen, dann ins Stottern geraten oder es nicht schaffen, dem Wahlvolk ihre Entscheidungsgrundlage zu vermitteln.

Wenn dann die erste Runde durch ist, darf es gerne weitergehen mit "Letalität vs. Mortalität", "Inzidenz", "Testsensitivität, -spezifizität und -selektivität" und für die dann immer noch nicht Geflüchteten "infiziert vs. infektiös vs. krank" bzw. "Serumpositivität, Immunglobuline, humorale und zelluläre Immunantwort und deren Bedeutung für Immunität und Impferfolg".

Alle diese Begriffe wurden in der Berichterstattung zu Kampftermini aufgebaut, die dem Medienkonsumenten erklärungsfrei um die Ohren gehauen wurden - solle er sich doch selbst informieren; hat ja jetzt dank Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit ohnehin genug Zeit für das Hobby "Medizinstudium, Fachgebiete Virologie und Humanepidemiologie sowie "Statistik für Mediziner"" (edit: ach, ich vergaß: Wer das bisher nicht schon wusste, ist eh dumm und höchstens als Toilettensklave zu gebrauchen; hätte er/sie/es doch mal lieber was Vernünftiges mit IT, Naturwissenschaften, Ingenieurswesen und so gelernt...)- und die zur Grundlage von Entscheidungen gemacht wurden, die z.T. weit in die freie Lebensgestaltung und die Sozialbeziehungen der Bevölkerung eingreifen.
Wieviel davon haben die "politischen Entscheidungsträger" denn nun selbst verstanden, oder haben sie sich blind und ohne eigenes (kritisches) Nachdenken auf ihre "Experten und Berater" verlassen, die es aber auch nicht geschafft haben, ihnen dieses eigentlich nötige Verständnis zu vermitteln? Vielleicht wollten sie es aber auch gar nicht so genau wissen...

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (20.06.2020 23:54).

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