Avatar von zuler_tnak
  • zuler_tnak

481 Beiträge seit 30.01.2017

Oberflächlich mit vielen Fehlern

Nur um ein paar Herauszupicken:
"Der massenhafte Einsatz von Tests bringe nichts angesichts der geringen Infektionsrate und der hohen Fehlerquote bei den Ergebnissen. Es gebe viel falschen Alarm und wenig Ergebnisse. Dieser Test bildet aber zugleich den Ausgangspunkt für die neue App, die er den Bürgern ans Herz legt."

Es gibt offensichtlich unterschiedliche Tests: 1) PCR Test, der nur die akute Erkrankung nachweisen kann. Ist mehr oder weniger 100% spezifisch, aber eben nicht 100% sensitiv (sondern z.T. nur 60-80%) - d.h. einige False Negatives. Wird Material vom Rachen genommen.
2) Antigen oder Antikörpertest mit Blutproben. Erfasst, ob eine Person Antikörper entwickelt hat und überhaupt mal erkrankt war. Ist leider nicht 100% spezifisch, d.h. viele false Positives.
https://www.finddx.org/covid-19/dx-data/

Daran wird es bei dem Widerspruch gehen: Natürlich machen PCR Tests für akute Fälle Sinn, aber ein generelles Testen offensichtlich nicht. Umgekehrt sind Antikörpertests z.B. in Bergamo oder Heinsfeld sinnvoll, mit vermuteten hohen Infektionsraten - in anderen Gebieten eher nicht, denn vermutlich wird man rund 1-2% False Positives haben, das ist dann zu hoch, wenn das in vielen Gebieten höher ist als die Infektionsrate.

"Lockdown"
Ich erwarte von einem Autor zu Corona, das er mindestens mal Grundbegriffe hinbekommt. Lockdown ist eine Ausgangssperre wie in Spanien oder Frankreich. Hatten wir offensichtlich nicht. "Shutdown" wäre die staatliche verfügte Produktionsstilllegung. Hatten wir auch nicht. Wir hatten sowas wie einen Teil-Shutdown, da Verkaufsstellen zumachen mussten, aber weder Bayer, BASF oder Daimler wurden vom Staat zugemacht. Die hatten vor dem Staat reagiert im übrigen, weil - man glaubt es kaum - auch Unternehmen ein Interesse an ihren Mitarbeitern haben, abgesehen von Fleischindustrie usw. mit Werkverträgen.

"Eigentlich war diese Warnung lächerlich - schließlich kennen seine Kollegen aus der Pathologie die Gefahren und wissen sich davor zu schützen. Ihm ging es in der Phase aber wohl darum, die Gefahren und ihre Sicherung zu betonen, also die Wirkung in der Öffentlichkeit. Eingeschränkt. jedoch nicht verhindert hat er damit, dass schnell erforscht wurde, was das Virus im Körper anstellt. "

Ja klar - die Empfehlung einer deutschen Behörde über 2 Wochen beeinflusst den internationalen Stand der Forschung. Steile These, die mehr darüber aussagt wie eng der Autor denkt.

"Während der Pandemie meldete sich mehrmals die Leopoldina zu Wort, eine staatliche Institution renommierter Wissenschaftler, wobei nicht jede Stellungnahme dieses Gremiums in der Öffentlichkeit zur Kenntnis genommen wurde." "Der Rat wurde glatt übergangen, das Gremium aber damit nicht für überflüssig erklärt. Schließlich ehrt es eine Nation, über eine Akademie von anerkannten Wissenschaftlern zu verfügen; und wie ein Rat einer solchen Institution auch immer ausfällt, macht es doch deutlich, dass sich die Politik ihre Entscheidungen nicht leicht macht."

Auch hier stellt der Autor die Dinge leider wieder mit wenig Hintergrundwissen dar. Die Leopoldina ist zwar die deutsche Akademie der Wissenschaften. Aber für Stellungnahmen werden unterschiedliche deutsche Experten zusammengeführt, die dann ein Thema diskutieren und eine Stellungnahme verfassen. So auch bei der genannten Stellungnahme. D.h. es nicht ein fixiertes Gremium mit ständigen Mitgliedern, das hier etwas verlautbart hat. Und streng genommen ist es auch nicht der Rat der Institution gewesen - es ist sehr wahrscheinlich, dass hier auch Nicht-Mitglieder der Leopoldina dazu geladen wurden, das ist nicht unüblich.

Insgesamt will ich gar nichts dazu sagen, ob die Einschätzung vom Verhältnis von Wissenschaft und Politik zutrifft, das mag sie - aber von einem Autor erwarte ich eine besser Recherche und Präzision.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (20.06.2020 20:09).

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