Avatar von ALomax
  • ALomax

mehr als 1000 Beiträge seit 02.06.2014

Schon was einseitig, die Betrachtung

Selbst wenn die Fakten im Kern richtig dargestellt sind, wird halt doch zu wenig berücksichtigt, dass der wissenschaftliche Stand eben auch im Fluss ist und durchaus wechselnde Empfehlungen zulässt. Und selbst wenn die konkreten Entscheidungen nicht immer 1:1 dem wissenschaftlichen Rat folgen, darf man trotzdem nicht ungeprüft unterstellen, dass dann immer finsteres Kalkül und menschenverachtendes Gewinnstreben dahintersteckt.
Natürlich muss man Folgen und Ziele abwägen, und oft sind die Entscheidungen auch einfach sachangemessen. Wie beispielsweise das Vorgehen in der Maskenfrage. Natürlich ist es im Nachhinein ärgerlich, dass sich das ziemlich aus der Luft gegriffene "Masken bringen nichts" jetzt in so vielen Köpfen festgesetzt hat und man es nicht mehr los wird - nur, als es gesagt wurde, war das Anliegen legitim und es war die bestmögliche Lösung. Denn, wie festgehalten, hätte eine Maskenempfehlung mangels Verfügbarkeit ohnehin nicht umgesetzt werden können, aber ein Run auf die Masken im Gegenteil die Verfügbarkeit für die wichtigsten Multiplikatoren weiter erschwert. Es hätte die Situation also nur verschlimmert, wenn jeder versucht hätte, eine Maske zu bekommen - selbst wenn das eher dem wissenschaftlichen Stand entsprochen hätte.
Bei den Schulen ist es ähnlich uneindeutig. Mag sein, dass aus psychologischer Sicht jüngere Kinder am meisten von der Wiederaufnahme des gemeinschaftlichen Unterrichts profitiert hätten. Nur hätten die auch am wenigsten Abstandsregeln u.ä. eingehalten; sprich, der Unterricht in diesen Klassen stellte auch das größte Sicherheitsrisiko dar. Die Wiederaufnahme des Unterrichts zunächst in den höheren Klassen war also unter dem Gesichtspunkt des Infektionsschutzes ebenso sachangemessen, und wenn man aufgrund der Abstandsregeln nicht alle Klassen unterrichten kann, war die Konzentration auf Prüfungsklassen zumindest ein weiterer Sachgrund für die Auswahl. Auch andere Maßnahmen zum Infektionsschutz, die bei den Älteren zur Anwendung kamen - wie beispielsweise eine Verteilung der Schüler auf zwei Klassenräume - wäre mit kleineren Kindern undenkbar gewesen.
Und insofern war es folgerichtig, dass die Grundschüler in dem Moment in den Fokus kamen, als eine Wiederaufnahme des Schulbetriebs ohne solche Beschränkungen möglich schienen. Und dann wurden die Grundschulen ja auch als erste wieder voll beschult, ganz wie es die Experten empfohlen hatten.

Also, ein wenig komplexer als die reine Auswahl zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ist die Gesamtlage eben doch, und in jede Entscheidung floss eine Vielzahl von abwägbaren Faktoren ein, die dann oft genug in Entscheidungen mündeten, die auch unter Berücksichtigung aller Faktoren zumindest sachlich nachvollziehbar waren - selbst wenn man über die Gewichtung dieser Faktoren im Einzelfall streiten mag.
Und, viel schlimmer noch, ich habe die Befürchtung, dass es der Sache eher schadet, wenn man einfach alle Vorgänge über einen Kamm schert und in dieser Schwarz/weiß-Optik betrachtet. Weil dann unter der Vielzahl der Fälle, wo der einseitige Blick sehr gewollt und konstruiert klingt, eben auch die tatsächlich allzu lobbyistisch orientierten Politientscheidungen untergehen, die es im Einzelfall ja durchaus gab.

Bewerten
- +