Avatar von crumar
  • crumar

mehr als 1000 Beiträge seit 08.03.2007

Der Schwindel mit den systemrelevanten Berufen (für Jian)

Der Autor schreibt: "Frauen stellen hier den Löwenanteil: Rund 52 Prozent der Mütter arbeiten in systemrelevanten Tätigkeiten und 24 Prozent der Väter. Das bedeutet, dass "vor allem Mütter stark am Arbeitsplatz gefordert waren", sagt Inga Laß, wissenschaftliche Mitarbeiterin am BiB. Besonders viele Eltern bzw. Elternteile aus dieser Gruppe sind in Krankenhäusern tätig (339.000), gefolgt von der öffentlichen Verwaltung mit 310.000."

Und hier liegt der erste Teil des Dilemmas und auch einer Fälschungsabsicht.
Nämlich die der Definition von "systemrelevant" in Kombination mit der Frage, was ist eigentlich "öffentliche Verwaltung"?

Nach Klassifikation der Wirtschaftszweige, Ausgabe 2008 gibt es den (kursiv von mir):
Schlüssel 84: Öffentliche Verwaltung, Verteidigung; Sozialversicherung ODER
nach 84.1: Öffentliche Verwaltung ODER
nur nach Unterschlüssel nur 84.11 Allgemeine öffentliche Verwaltung? ODER
beinhaltet dies auch:
84.12 Öffentliche Verwaltung auf den Gebieten Gesundheitswesen, Bildung, Kultur und Sozialwesen
84.13 Wirtschaftsförderung, -ordnung und -aufsicht?
https://www.klassifikationsserver.de

Je nachdem, wie man die Frage beantwortet, kann man den Frauenanteil beliebig nach oben oder unten drehen.

Die Studie „Systemrelevant und dennoch kaum anerkannt: Das Lohn- und Prestigeniveau unverzichtbarer Berufe in Zeiten von Corona“ von Josefine Koebe, Claire Samtleben, Annekatrin Schenker, Aline Zucco des DIW Berlin hat den Fake vorgemacht.

Sie schrieben in der Fußnote (3, S. 2): „Die Einteilung in die jeweiligen Berufsgruppen erfolgt anhand der 3-Steller-Ebene der Klassifikation der Berufe (KldB 2010). Diese wurde von der Bundesagentur für Arbeit und dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mitentwickelt und ermöglicht eine hohe Vergleichbarkeit über verschiedene Datenquellen hinweg.“

Nur nutzten sie entgegen ihrer Behauptung nicht die „3-Steller-Ebene“, sondern verfuhren hochgradig manipulativ nach eigenem Gusto. D.h. die Gruppierung erfolgte nicht konsistent, sondern so, wie es in das ideologische, nämlich feministische Schema passt.

Zwei Beispiele:
1. Die von ihnen in der Studie angeführten „Pharmazeutische Berufe“ gibt es in der Klassifikation der Berufe (KldB) überhaupt nicht.
Sondern nur "Berufe in der Pharmazie".
Diese haben aber einen 4er Schlüssel (8188) und keinen 3er.
Die Ebene der 3 Stellen, also die Obergruppe, heißt „Pharmazie“ und deren Schlüssel ist 818.

Durch „Pharmazeutische Berufe“ kann dafür gesorgt werden, dass ein Frauenanteil von 80% in der Leitung von Apotheken und deren überdurchschnittliche Vergütung einfach verschwindet.
Konkret verschwinden dadurch folgende Berufsgruppen:
8180 Apotheker/innen, Pharmazeuten/Pharmazeutinnen
8181 Fachärzte/-ärztinnen in der Pharmakologie
8182 Berufe in der pharmazeutisch-technischen Assistenz
8189 Führungskräfte – Pharmazie

Durch diese Manipulation wird Durchschnittsgehalt der Berufsgruppe nach unten „korrigiert“ und das ist der Zweck der Maßnahme/Manipulation.

2. Der KldB Schlüssel für die Gruppe „Fahrzeugführer/innen im Straßenverkehr“ hat einen 5er Schlüssel, abermals keinen 3er.
Der 3er Schlüssel hingegen heißt „Fahrzeugführung im Straßenverkehr“ – arg auffällig, dass diese geschlechterneutrale Formulierung der Klassifikation nicht verwendet wird.

Das sagt die Klassifikation der Berufe über die zugehörigen Berufe Fahrzeugführer/innen im Straßenverkehr:
„Zugeordnete Berufe (Beispiele):
– Auslieferungsfahrer/in (nicht Verkaufsfahrer/in)
– Botenfahrer/in
– Fahrradkurier/in
– Rettungswagenfahrer/in

Nicht einzubeziehende Berufe:
– Berufskraftfahrer/in – Güterverkehr (52122)
– Testfahrer/in (27312)“

Daher ist durch diese Manipulation der „Trucker“ verschwunden und wird in der Studie nicht berücksichtigt. Da in dieser Berufsgruppe der Männeranteil hoch und die Bezahlung niedrig ist, werden gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Der Männeranteil der „systemrelevanten Berufe“ sinkt proportional und bei der Gruppe „Mann“ wird das Lohnniveau erhöht.

Zurück zur Behauptung der hier in diesem Artikel behandelten Studie: "Rund 52 Prozent der Mütter arbeiten in systemrelevanten Tätigkeiten und 24 Prozent der Väter." aber in Kombination mit diesem Zitat aus dem Artikel:

"Die Rollenverteilung sieht nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Paar-Familien (mit Kindern unter 18 Jahren) üblicherweise so aus (Mikrozensus 2018):

45 Prozent: Er in Vollzeit berufstätig, sie in Teilzeit.
27 Prozent: Er in Vollzeit, sie Hausfrau.
17 Prozent: Beide Vollzeit.
Zwei Prozent: Beide Teilzeit.
Ein Prozent: Sie in Vollzeit, er in Teilzeit.
Bleiben noch drei Prozent, in denen nur die Frau erwerbstätig ist und fünf Prozent, in denen beide nicht arbeiten."

Was auf Deutsch heißt:
32% (27% Hausfrau + 5% nicht erwerbstätig) der Mütter arbeiten gar nicht, weitere 47% Teilzeit (45% nur Frau Teilzeit + 2% beide Teilzeit), nur 18% Vollzeit (17% beide, 1% sie Vollzeit, er Teilzeit) und in 3% der Fälle ist die Arbeitszeit unklar.
In den 68% Prozent, die überhaupt einer Arbeit nachgehen stecken dann 52% "der Mütter"?
76,4% aller Mütter gehen also einer systemrelevanten Tätigkeit nach?
Oder meinen die Forscherinnen nicht doch eher "52% der Mütter, die überhaupt einer Erwerbsarbeit nachgehen"?

Noch einmal gesichertes Wissen: von 100 Frauen arbeiten 32 gar nicht, 47 gehen einer Teilzeitbeschäftigung nach und 18 einer Vollzeitbeschäftigung (3 einer wie auch immer gearteten). Bezogen auf die Gesamtheit der erwerbstätigen Frauen gehen also knapp 70% der Mütter einer Teilzeitbeschäftigung nach.

Damit kommen wir auch zum nächsten Punkt: In 89% der Fälle arbeitet der Mann als Vater Vollzeit. In 18% der Fälle wissen wir, arbeitet die Frau als Mutter Vollzeit, in drei Prozent ist es unklar.

Beispiel: In einer "systemrelevanten Abteilung" arbeiten zwei Mütter und ein Vater - Frauenanteil 66,7%.
Wenn die beiden Mütter mit 70% Wahrscheinlichkeit einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen und der Vater mit 89% einer Vollzeitbeschäftigung, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die geleisteten Arbeitsstunden diesem Anteil nicht entsprechen.
Über die geleistete Arbeit sagt ein Frauenanteil demzufolge nichts aus.
Es versteht sich von selbst, das ist nicht Gegenstand der Studie.

Der Autor zitiert: "Zwei Drittel der Mütter in systemrelevanten Berufen verdienen weniger als ihre Partner." Wenn man weiß, 70% der erwerbstätigen Mütter arbeiten Teilzeit und 89% der Väter Vollzeit, kann das nicht erstaunen.
Wer weniger arbeitet, der verdient weniger.

Wer will, dass Mütter mit Teilzeitarbeit so viel verdienen, wie Väter mit Vollzeitarbeit, der möge das bitte so formulieren und fordern.
Argumentationsmuster dieser feministischen Studien sind zwar verlogen, aber so dreist zu sein trauen sie sich nicht.
Noch nicht.

Bis dahin ist die politische Absicht die „finanzielle Aufwertung“ von Berufen, in denen "besonders Frauen" tätig sind und für dieses Vorhaben ist jede Fälschung, jede Manipulation, jede Täuschung der Öffentlichkeit selbstredend vertretbar.
Bin ich nicht mit einverstanden.
Es ist doch ein Unding, dass man inzwischen bei jeder feministischen Studie von einer Fälschung ausgehen kann und muss.
Ich wiederhole: Das ist keine Wissenschaft, sondern Politaktivismus auf unsere Kosten und von unseren Steuergeldern!

Bewerten
- +