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Verstaatlichung, Gerichtsurteile und Lügen

Naja, so heiß wird nichts gegessen wie es gekocht wird. Und gelogen wird von TP-Autoren sowieso am laufendem Band.

Nach internationalem Seerecht ist jeder Hafen in Friedenszeiten verpflichtet Schiffe im Hafen mit Brennstoff auszustatten. Im Falle einer externen Kriegspartei ist sogar besondere Eile geboten um schnellstmöglichst die Kriegspartei zum Verlassen des Hafens zu befähigen und so die Neutralität des Hafens zu sichern. Der Hafenmeister kann zwar theoretisch ein Kriegsschiff festsetzen aber das wäre ein feindseeliger Akt der nahe an einer Kriegserklärung liegt.

Zwischen 1939 und 1942 wurden Schritt für Schritt alle inländischen Niederlassungen ausländischer Gegner quasi verstaatlicht und zwar weltweit, sowohl von Achsenmächten als auch Alliierten. Naja, genaugenommen wurden sie nur per Gesetz verpflichtet eine linientreue Geschäftsführung einzusetzen. Was aber letztlich dazu führte daß z.B. US-Standard Oil sämtliche Kontrolle über ihre kontinentaleuropäischen Niederlassungen verlohr und Bayer und Daimler in den USA Waffen für die USA bauten.

Der spezielle Fall der Hochseebetankung wurde schon 1946 gerichtsfest vor dem US-Bundesgericht abgehandelt. Das Öl stammte aus marokkanischen Ölfeldern unter spanischer Kontrolle deren Ausbeute in den 1930ern an ein amerikanisches Konsortium verpachtet wurde. Es ist also eher spanisches als amerikanisches Öl. Dieses Öl wurde teilweise in der USA raffiniert schlicht weil es Spanien an Raffinerien fehlte. Auch waren einige spanische Raffinerien im Besitz US-amerikanischer Betreiber wie damals übrigens fast alles mit Öl stark mit US-Investoren behaftet war. Anschliessend ging es wieder zurück nach Spanien auf spanischen Schiffen. Spanien legte unter anderem damit eine strategische Brennstoffreserve an.

Bis dahin war das auch nicht verboten.

Ab 1940 allerdings verkaufte Spanien gegen Gold Brennstoff an die Achsenmächte und lieferte es auf spanischen Schiffen im Staatsbesitz und teilweise militärische Schiffe aus. Wohlgemerkt, das waren militärische und keine privatwirtschaftlichen Handlungen. Das wurde dann Schritt für Schritt durch die Alliierten verboten woraufhin Franco Teile der Geschäftsführung der Förderanlagen und Raffinerien ersetzen lies. Eine echte Kontrolle hatten die US-Besitzer also nicht mehr.

Damit eines klar ist, Spaniens Brennstoffhandel mit den Achsenmächten war winzig. Es ging um die Betankung von Schiffen in Häfen. Daß ein spanischer Militärtanker damit auch Schiffe auf hoher See auftankte darf als extrem seltenes Ereignis betrachtet werden. Mir sind nur zwei Fälle bekannt und bei beiden handelte es sich um beschädigte deutsche Schiffe die mangels Treibstoff nicht mehr fahrtüchtig waren. Man kann also versuchen mit einer Seenotrettung zu argumentieren und das wäre dann sogar verpflichtend gewesen.

Aufgrund dieser Wirrungen gab es auch kaum Urteile gegen Kollaborateure. Über vieles hatten amerikanische Zivilisten vor Ort nämlich gar keine Kontrolle.

Anderer Fall: Ich kenne eine ostdeutsche Familie die in den 1980ern im Irak für die Sowjetunion in der Ölindustrie arbeiteten. Als der Krieg ausbrach erliesen westliche Nationen eine Reihe von Sanktionen gegen den Irak und ausländische Firmen die in der dortigen Ölindustrie arbeiteten.
Erst nach zwei Jahren gelang es der Familie aus dem Land zu fliegen. Und zwar nicht zurück in den Ostblock - da wären sie wegen Arbeitsverweigerung vor Gericht gelandet, möglicherweise sogar vor einem sowjetischem Gericht, sondern nach Westdeutschland. Dort sah man ihre Unterlagen durch, sprach sie auf die verbotene Kooperation mit irakischen Betrieben an. Die Erklärung "wir waren zwangsverpflichtet und sind bei erster Gelegenheit geflohen" war ausreichend, die Sache war erledigt.

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