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Investmentbanker lesen Marx

Aus einem Interview mit Michael Hudson:
"Das Zentrum des Marxismus war immer die Wall Street. Als ich dort in den 1960ern anfing, hatten alle führenden Ökonomen einen marxistischen Hintergrund. Es muss Mitte der 60er gewesen sein, an einem Donnerstag, als wir uns in einem japanischen Nudelhaus trafen. Da waren andere Investmentbanker, von Drexel Burnham, Lazard Frères, ich arbeitete bei Chase Manhattan. An diesem Abend gegen halb zehn diskutierten wir über das Überschuldungsproblem im dritten Band von Karl Marx’ »Kapital«. Wir brachen in Lachen aus und dachten: »Stellt euch vor, wenn die Leute wüssten, dass die führenden Wall-Street-Banker über Marx’ ›Kapital‹ diskutieren!« Der Grund ist unübersehbar: Wir wissen, dass sich in diesem System alles um Ausbeutung dreht. Die Wirtschaftsschulen erklären hingegen: So etwas wie Ausbeutung gibt es nicht. Weil wir wussten, worum es im System geht, waren wir natürlich die besseren Ökonomen."
https://www.jungewelt.de/2016/11-12/061.php

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