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  • OliR

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Buch als Kunstwerk

Im Mittelalter wurden Bücher ja gerne als Kunstwerk gekauft/verkauft,
gesammelt und auch gezielt angefertigt.

So könnte ich mir folgendes Konstrukt recht gut vorstellen: (Hinweis:
Ich habe die anderen Abhandlungen zum Thema nicht gelesen, vermutlich
ist darauf schon jemand anders gekommen.)

Es gibt einen Auftraggeber, der für seine Buchsammlung ein weiteres
Kunstwerk möchte mit "wissenschaftlichen" Inhalt. So ein Buch von
einem renomiertem Buchmaler mit entsprechendem wissenschaftlichen
Hintergrund zu bekommen, war aus meiner Sicht zum einem extrem teuer
und wohl mehr als schwierig. Also lässt der Auftraggeber ein
Kunstbuch malen, welches scheinbar "wissenschaftlichen" Inhalt
besitzt und da es aber keinen wissenschaftlichen Background gab, in
einer Kunstschrift (ich will nicht Kunstsprache sagen, weil das schon
zu weit gehen würde) gemalt wurde. Vermutlich in einem stillen
Kämmerlein von einem geübten Buchmaler.

Das macht aus verschiedenerlei Sicht Sinn:
1. Bei freier Kunstschrift (ähnlich eines Blindtextes) spielt es
keine Rolle ob richtig geschrieben wird. Es muss einfach nur gut
aussehen (im Kontext der damaligen Zeit). Daher sind auch keine
Korrekturen notwendig und gemacht wurden, weil das ja nur
Kunstschrift / Kunstworte waren.
2. Die Bilder: Lasse mal einem kleinen Kind eine Pflanze (aus dem
Kopf, ohne Vorlage) mit Blättern, Wurzeln und Blüten malen - was
kommt raus - eine Kunstpflanze. Vermutlich würde sogar das gleiche
Ergebnis herauskommen, wenn man so eine Aufgabe einem Erwachsenen der
mit Natur nix am Hut hat machen lässt. Es kommen garantiert Bilder
heraus, die mit wirklichen Pflanzen nix am Hut haben. Kann derjenige
noch gut malen, kommen sicherlich hochwertige "Pflanzen" raus, doch
mit tatsächlichen hätten die nix gemein. Dem Buchmaler in seinem
Kämmerlei könnte es ähnlich ergangen sein. Er sollte/wollte Pflanzen
malen, die er nicht zur Hand hatte und malte halt einfach aus dem
Kopf.
3. Wenn man all dies ein einem schicken Buch sich fertigen lassen hat
(zu vergleichsweise geringen Kosten) und das dann gegenüber Fremden
als Buch eines großen englischen Wissenschaftlers (oder aus dem
Morgenland). Dann kann ich mir gut vorstellen, dass es bei den
Betrachtern öffene Mäuler und blasse Gesichter gab. Was gleichzeitig
zu einer wesentlich Erhöhung des Ansehens der Besitzers des Buches
führte, denn so ein einzigartiges Buch besaß kein zweiter.

Vielleicht ist das ganze aber auch nur eine Art "Meisterarbeit" oder
ein Bewerbungsstück eines fleißigen Buchmalers.

Aus meiner Sicht ist die Sachelage eher trivialer als
hochwissenschaftlich komplex.

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