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  • kleiner Stauner

mehr als 1000 Beiträge seit 03.09.2012

Lernt endlich Eure Lektionen

So wie das andere längst getan haben:

I. Religion

Das Beispiel des 30jährigen Kriegs zeigt, wie man den Krieg als Industrie betreibt. Das mag fremd erscheinen, ist der Krieg doch eine "invertierte Industrie" die nichts erschafft sondern zerstört. Gleichwohl. Auch "moderne" Industrien erschaffen primär den Mehrwert. Das ist ihr Zweck in kapitalistischen Volkswirtschaften. Dafür werden mitunter mehr Ressourcen zerstört als genutzt.

Der 30jährige Krieg also zeigt, daß der Krieg als Industriebetrieb ein Höchstmaß an Irrationalität benötigt. Diese ist sozusagen das Biotop des Krieges, ohne das er nicht erblühen kann. Ohne Irrationalität stirbt der Krieg selbst.

Aufgeklärte Zeitgenossen, etwa Strafrichter, kennen die Situation wenn dem Angeklagten, sei es Kinderschänder, Steuerhinterzieher oder richtiger Mörder, seine eigene Tat nicht mehr nachvollziehbar - eben irrational - erscheint.

Dort, wo auf der psychischen Landkarte Wissen in Glauben übergeht, dort liegt das Gebiet der Religionen. Damit ist keinerlei Herabwürdigung beabsichtigt. Durch Spiegelung der eigenen Psyche oder im konsensuellen Bereich (nach Maturana/Varela) mit Anderen wird Glaube zur Gewissheit.

Im Gegensatz zu Wissen ist Gewissheit verletzbar wenn der generierende Sozialkontext instabil wird. Dies passiert um so leichter, je expliziter die Gewissheiten in die gelebte Alltagskultur eingewoben sind. Das "Who moved my cheese?"-Paradigma birgt ein beeindruckendes Gewaltpotential schon im kleinsten Sozialsystem.

Ein zerfallenes Atom ist Nichts, 10 hoch 24...

Die vielfältigen Versionen von "Let's have Fun" können also im Nahverkehr indischer Metropolen ebenso wie auf der Kölner Domplatte zur Quelle einer "Kettenreaktion", einer unaufhaltsamen gesellschaftlichen Dynamik werden. Und dies sind nur zwei der einfachsten Szenarien.

II. Murphy

"Alles was schief gehen kann wird schief gehen", oder: "Nichts ist unmöglich!", oder in der ganz moderenen Form: "Wenn wir nicht als Erste zuschlagen, werden es die Anderen tun."

Wann hört endlich die unwürdige Bezichtigung von Truthern und Verschwörungstheoretikern auf? Wann wird man Fakten als Fakten würdigen? Wann beginnen Journalisten (wieder) zu informieren ohne zu interpretieren?

Wissenschaft ist das Bestreben, Gewissheit durch Wissen zu ersetzen. Wissen macht frei in dem Sinne, als es nicht die soziale Gemeinschaft benötigt, um als Wahrheit zu bestehen. Wissenschaftliche Methodik fußt auf Theorien, die aus Modellen abgeleitet wurden und zu deren Widerlegung fleissig und systematisch Fakten gesammelt werden. Was bis dato nicht widerlegt wurde, gilt als Wissen.

Welcher Anteil der - tlw. wirtschaftlich geknebelten - Journalistengemeinde hat wohl eine wissenschaftliche Ausbildung? Reden wir über die Restmenge: Welche Qualität kann die Information, das "Wissen", das von diesen "Agenten" an die wissbegierige Öffentlichkeit gelangt, wohl haben? Wenn es hier "nicht sachdienliche Mängel" gibt, warum schreiben sie dann? Für wen? In wessen Auftrag? Für welche Bezahlung? In welcher Währung?

Man ahnt es: Hier treffen wir wieder auf die Religion, nicht wahr? Von den Qualitätsmedien erhalten wir Gewissheit statt Wissen. Welch eine Perversion!

III. Wer nicht fragt bleibt dumm!

"Selber denken macht kluch", weiss einer von zahlreichen Kinderreimen. Fragen stellen schmerzt zumeist den Gefragten. Wenn die Kinder in die Jahre kommen, wenn aus Mama und Papa der/die PressesprecherIn, die/der PräsidentIn oder der/die Herr ChefredakteurIn, Talkmaster/Talkmastress und weiss der Teufel noch alles geworden ist...

Dann heisst es "Aufgeben ist Verrat!". Wer keine Fragen mehr stellt wird blöde, veralzheimert bei lebendigem Geiste, weil: Denken ist nicht delegierbar. Hier ist Artenvielfalt überlebenswichtig. Für den Einzelnen ebenso wie für die gesamte Art.

IV. Erkenntnis braucht Mut

Im Grundlagenschatz der Psychologie finden sich ein paar überaus beeindruckende Experimente von denen es einige bis auf die Kinoleinwand geschafft haben, mimisch unterstützt von Moritz Bleibtreu oder Yves Montand.

Das eine jedoch, das mit den Streichhölzern, hat sich im Alltag niedergelassen, je sozialer (auch virtuell-sozial) desto fester: Eine kleine Anzahl Streichhölzer von - mehr oder weniger - unterschiedlicher Länge wird von naiven (=uneingeweihten) Teilnehmern einer fingierten Gruppensitzung als "gleich lang" qualifiziert. Anfängliches Beharren auf "verschieden lang" wird durch Drehen am sozialen Setting sicher gebrochen.

Vielfach wiederholt und selten misslungen, ein echter Klassiker. Wir wollen eben dazu gehören.

V. Beispiele

Mir ist es persönlich piep-egal, ob man mit einer Alu-Dose durch den Strahlungsgürtel um die Erde dringen und trotzdem/deshalb ein hohes Menschalter erreichen kann, solange wir die Hälfte der Lebensmittel wegschmeissen und anderen Frevel begehen. Ja, fliegt doch zum Mars, aber nehmt Euren Müll wieder mit, sonst wird "Terrafying Mars" so enden wie alle Kolonisationen zuvor.

Es ist mir auch gleich, ob man mitten in New York an einem Tag gleich drei ansehnliche Skyscrapers mit nur zwei Flugzeugen korrekt auf ihrem Grundriss implodieren lassen kann ohne dass auch nur ein Beteiligter diese Fingerfertigkeit zuvor erworben hätte. Man ahnt ja doch (irgendwie), daß auch in entlegenen Bergregionen dieser Welt das eine oder andre Ingenieurstalent schläft (wie passend). Nicht ohne Grund hofft der deutsche Maschinenbau auf entsprechenden Zustrom von qualifiziertem Nachwuchs von dort.

Es gibt nun mal Spezialisten, von deren Fähigkeiten wir Normalsterblichen uns keinen Begriff machen. Es fehlt einfach die Vorstellungskraft.

So will es die Legende...

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (15.03.2016 20:11).

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